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Formularbuch.
schlagen, wenn er sich noch einmal an seiner Tour
vergreifen würde. Wagner habe das gemeldet, und er,
Legt, sei am 18. d. M. entlassen worden.
Er sei nun vollkommen brotlos gewesen, Er-
sparnisse habe er nicht gehabt.
Hierzu wird bemerkt, daß Legt verheiratet ist,
aber keine Kinder hat. Seine Frau Ottilie geb.
Schönfeld besitzt ein hübsches Meublement und
hat gegenwärtig an zwei Einjährig-Freiwillige
vermietet, was doch wohl immer etwas ein-
bringen wird.
Donnerstag, den 19. Mai, habe er sich nun
einen Revolver und eine Anzahl Patronen für etwa
6 M. bei dem Hofbüchsenmacher Heyer auf der
hiesigen Kasernenstraße 19 gekauft. Er habe aber
nicht daran gedacht, Wagner zu töten, vielmehr habe
er sich selber töten wollen.
Seine Frau habe die Waffe bei ihm gesehen
und gefragt, was sie sollte. Obwohl er ihr ver-
sprochen, er wolle sie wieder zurücktragen und sich
das Geld wiedergeben lassen, habe ihm seine Frau
doch den Revolver weggenommen und dem Manne
seiner Schwester, Arbeiter Christian Wetschems,
Oppellstraße 32, III, zur Aufbewahrung über-
geben.
Am 20. Mai früh sei er zu seinem Schwager
gegangen und habe den Revolver unter der Ver-
sicherung, er werde ihn an den Büchsenmacher zurück-
geben, herausbekommen. Tatsächlich habe er sich
damit totschießen wollen.
Er sei nun in die Dresdner Heide gegangen
und habe, um den Revolver zu probieren, zwei
Schüsse auf einen Baum abgegeben. Seit seiner
im Jahre 1886 erfolgten Entlassung vom Militär
— Garde-Reiter-Regiment — habe er keine Schuß-
wasfe in der Hand gehabt.
Den ganzen Freitag nachmittag (20. d. M.)
habe er beabsichtigt, sich zu erschießen. Er sei ganz
kopflos gewesen, habe die Nächte nicht geschlafen,
er wisse nicht mehr, wo er überall gewesen sei. Ein
paar Schnäpse habe er am Freitag getrunken, ge-
gessen habe er den ganzen Tag nichts.