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Formularbuch.
Er habe aber Wagner nur erschrecken wollen;
der habe einen Denkzettel haben sollen, ehe er sich
das Leben genommen, weil Wagner an allem die
Schuld habe.
Ob Wagner gelaufen, gestanden, oder gegangen,
als er ihn geschofsen, wisse er nicht. Er wisse nur,
daß Wagner um Hilfe gerufen, daß er selbst ihm
nachgelaufen und nochmals geschossen habe, nachdem
Wagner hingestürzt sei. Dann habe er zwei Schüsse
auf sich selbst im Gehen abgegeben. Vom ersten
Schusse habe er üÜberhaupt nichts gespürt. Auf
einmal sei er vor der Polizeibezirkswache auf der
Louisenstraße gewesen. Ob er absichtlich dahin ge-
gangen sei, wisse er nicht. Wagner könne etwa
8—10 Schritt von ihm entfernt gewesen sein, als
er die beiden Schüsse abgegeben.
Ob er in der Polizeiwache oder nachher erklärt
habe: „Wenn ich ihn nur richtig getroffen habe,
den Hund, er hat mich aus der Arbeit gebracht, er
mußte verrecken“ und „Der mußte um die Ecke,
er hat mir die Ehre abgeschnitten“ wisse er nicht
mehr. Er sei bei dem ganzen Vorgange wie von
Sinnen gewesen. Er habe sich zu sehr über seine
Entlassung geärgert.
Daß Legt den Wagner habe durch Abgabe
der beiden Schüsse bloß erschrecken, nicht aber treffen
wollen, erscheint unglaubhaft. Er hat seinen Feind
erkannt, hat zweimal aus unmittelbarer Nähe auf
ihn geschossen. Mit Legts etwas eigentümlichem
starren Charakter ist es kaum vereinbar, daß er sich
selbst wegen der Entlassung hätte das Leben nehmen
und den Urheber seines Unglücks verschont lassen
wollen. Daß er sich selbsi hat töten wollen, wird
kaum zu widerlegen sein, da er ja tatsächlich zwei-
mal auf sich selbst geschossen hat.
Die Absicht Legts, Wagner zu töten, scheint
auch aus seinen Aeußerungen unmittelbar nach der
Tat hervorzugehen. Gerade sie werden für seine wahre
Absicht zeugen, weil sie aus derselben Gemüts-
stimmung hervorgegangen sind, in welcher Legt ge-
schossen hat. Ob Mord oder bloß Totschlag vorliegt,
hängt vielleicht davon ab, ob Legt wirklich ganz