Full text: Handbuch für den exekutiven Polizei- und Kriminalbeamten.Zweiter Band. 1905. (2)

XIII. Verbrechen und Vergehen wider das Leben. 143 
sie auch vom Mörder nicht mitgenommen worden. 
Im Ubrigen fanden sich in der Schlasstube viele 
Blutspuren; Abdrücke von Fingerspitzen waren aber 
nicht zu sehen. Der Mörder hat sich offenbar, wie 
das blutige Wasser im Waschbecken, die teilweise 
blutige Seise und das blutige Handtuch, das daneben 
lag, ergaben, sofort vollständig gereinigt. Endlich 
wurde noch ein offenbar ganz neuer langer Lein- 
wandkittel vorgefunden, der vollständig blutbespritzt 
und blutbefleckt war. Da er kaum der Verstorbenen 
gehört haben wird, ist zu vermuten, daß ihn der 
Mäörder bei der Tat getragen hat, um auf seine 
eigene Garderobe keinen Blutspritzer und Blutfleck 
zu erhalten. 
Vielleicht dürfte es sich deshalb empfehlen, in 
den Tagesblättern bekannt zu geben, daß der Mörder 
einen ganz neuen Hammer mit rotpoliertem Stiele 
und einen ganz neuen Leinwandlittel besessen hat. 
Beide Gegenstände weisen irgend ein besonderes 
Fabrikations= oder Firmenzeichen nicht auf. Vielleicht 
erinnern sich die Verkäufer dieser Gegenstände und 
melden sich. 
In der Schlafstube stand eine Kommode, zu 
welcher der Schlüssel auf der Decke derselben lag. 
Die Kommodenschieber waren alle unordentlich durch- 
wühlt. Blutflecken konnten nicht entdeckt werden. 
In dem untersten Schieber standen mehrere leere 
Etuis von Schmucksachen mit der Firma Otto 
Sendling, dem Namen des vor einem Jahre ver- 
siorbenen Mannes der Toten, der fast bis zuletzt 
sein Juweliergeschäft in hiesiger Residenzstraße geführt, 
dann aber sein Geschäft verkauft hat. Von seinem 
Nachfolger Adolf Scheidtmann wird zu erfahren 
sein, ob Sendling viele oder wenige Schmuckgegen- 
stände von der Waare für sich behalten hat beim 
Verkaufe. Jedenfalls bemerkte Steindler, daß die Haus- 
bewohner davon gesprochen hätten, daß die Sendling 
sehr wertvolle Brillanten besessen habe. Näheres 
hierüber wird erst noch zu erörtern sein. 
Aus dem beifolgenden ebenfalls in dem unteren 
Kommodenschieber gefundenen Notizbuche geht hervor, 
daß die Sendling zwei Sparkassenbücher über 630 M. 
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