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Formularbuch.
und 970 M. und eine Anzahl Wertpapiere —
Straßenbahnaktien — besessen hat. Näheres, ins-
besondere die Nummern der Sparkassenbücher und
der Wertpapiere sowie deren Zahl gehen aus dem
Notizbuche nicht hervor.
Sparkassenbücher und Wertpapiere sind weder
in der Kommode noch in dem Sekretär der Wohn-
stube, zu welchem der Schlüssel ebenfalls in der
Schlafstube gefunden wurde, aufgefunden worden;
ebensowenig baares Geld mit Ausnahme von 11 M.
28 Pf. in einem unter dem Kopfkissen der Toten
gelegenen Portemonnaie.
Ob die Sendling Geld oder Wertpapiere bei
einem Bankier hinterlegt hat, ließ sich nicht ermitteln;
ein Depotschein wurde in ihren Papieren nicht ge-
funden.
In dem mittleren Kommodenschieber fanden
sich einige Packete Briefe, welche vielleicht über ihre
Beziehungen zu irgend welchen Personen Aufschluß
geben können. Auf dem in der Wohnstube stehenden
Nähtische standen zwei Photographien; die eine von
dem verstorbenen Manne der Sendling und die
andere von ihrer ebenfalls verstorbenen Schwester,
wie Steindler versichert.
Die Sendlings haben wenig Verkehr gehabt. Ihre
Kinder sind im frühen Alter verstorben. Seit Send-
lings Tode lebt seine Frau ganz zurückgezogen. Sie
gilt als geizig und mißtrauisch. Sie hat sich
weder ein Dienstmädchen noch eine Aufwartung
gehalten und auch die Hausmannsfrau Mathilde
Säbler niemals beschäftigt oder nur in ihr Logis
genommen. Sie hat sich die Arbeiten selbst gemacht,
die Wohnung selbst gereinigt, sich sogar selbst die
Stiefel geputzt. Im Hause hat es geheißen, daß
sie Geld besitze.
Nach der Besichtigung und Durchsuchung wurde
die Wohnung von mir mittels des in der Schlaf-
stube der Toten vorgefundenen Vorsaalschlüssels wieder
verschlossen; alles wurde bis zum Eintreffen der
Staatsanwaltschaft und des Gerichts unverändert
gelassen.