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Formularbuch.
Mittlerweile hatte Kriminalgendarm Kugler fest-
gestellt, daß auf die beiden Sparkassenbücher der
Sendling auf der hiesigen Sparkasse noch keinerlei
Geld abgehoben worden sei. Auch über verkaufte
Schmuckgegenstände hat nichts in Erfahrung gebracht
werden können. Der Juwelier Scheidtmann konnte
keine Angaben machen, ob Sendling bestimmte
Schmuckstücke vor dem Geschäftsverkaufe an sich
genommen habe.
Auf die in den gestrigen Tagesblättern ver-
öffentlichten Angaben über Hammer und Leinwand-
kittel haben sich der Eisenhändler Friedrich Kurz,
hier Jägerstraße 21, und der Händler Samuel
Achter, hier Zweigstraße 18, gemeldet. Kurz, der
cin kleines Geschäft besitzt, hat erklärt, daß er der-
gleichen Hammer führe; einen solchen habe vorige
Woche, näheres könne er nicht sagen, ein junger
Mensch gekauft, den er wohl wiedererkennen werde.
Er besinne sich noch genau darauf und irre sich nicht.
Achter erklärt mit aller Bestimmtheit, daß der Lein-
wandkittel von ihm herrühre; von wem aber und
wann er gekauft worden sei, könne er nicht sagen.
Er könne sich auf den Käufer gar nicht mehr
besinnen; er verkaufe in seinem Geschäft ganz allein.
Hierauf begab ich mich heute mittag 1½ 12 Uhr
mit Kriminalgendarm Kugler und dem Schlossermeister
Büttler abermals in Bellmanns Wohnung und erklärte
der Bellmann, daß ich eine Durchsuchung der Sachen
ihres Sohnes vornehmen müsse. Ich verschwieg ihr
zunächst, daß es sich um den Mord der Sendling
handele.
Frau Bellmann zeigte uns in großer Bestürzung
einen Schreibtisch, in dem ihr Sohn seine Sachen
verwahre. Den Schlüssel führe ihr Sohn bei sich
In dem linken Fache des Schreibtisches, der
von Büttler geöffnet wurde, fanden sich die beiden
beifolgenden, vollständig blutigen Taschentücher vor.
Frau Bellmann konnte nicht erklären, wie diese
Taschentücher, die mit „L. B.“ gezeichnet waren, so
blutig geworden seien. In dem rechten unteren Schieber
des Schreibtisches wurden ganz hinten in Zeitungs-
papier die beiden Sparkassenbücher Nr. 1307 und