XlIII. Verbrechen und Vergehen wider das Leben. 149
869, auf den Namen Sendling lautend, sowie in
dem beifolgenden Säckchen 321 Mark bares Geld
gefunden.
Als Frau Bellmann den Namen Sendling in
den Sparkassenbüchern las, begriff sie den Zusammen-
hang und fiel in Ohnmacht, von der sie aber, noch
ehe wir die Wohnung verließen, zu sich kam. Weitere
Sachen, insbesondere Schmuckgegenstände und Wert-
papiere wurden nicht vorgefunden.
Als wir die Durchsuchung noch nicht lange
beendet hatten, kam der Beschuldigte
Ludwig Leopold Bellmann,
am 16. Juli 1883 in Nürnberg geboren,
nach Hause und wurde von uns verhaftet. Auf Vorhalt,
wie die Sparkassenbücher der Sendling in seine Hände
gekommen seien und woher er die 321 Mark Geld
habe, blieb er jede Antwort schuldig.
Der junge Bellmann wurde mittels Droschke
nach dem Polizeigebäude gebracht und hier auch von
Kurz mit einiger Sicherheit als der Käufer des
Hammers wiedererkannt, während Achter erklärte,
Bellmann sei ihm völlig unbekannt.
Heute abend hat Bellmann ein offenes Geständnis
abgelegt. Er hat die Sendling am Abend des
10. d. M. ermordet. Mit dem Plan hat er sich
schon seit Wochen getragen, um sich in den Besitz
von Geldmitteln zu setzen. Er hat angenommen,
daß die Sendling alles Geld bei sich habe. Das
Geld habe er haben wollen, um im Sommer jeden
Jahres, und zwar gleich dieses Jahr, große Reisen
zu machen, wozu ihm sein Vater das Geld nicht
geben könne. Am 10. d. M. nachmittags hat er
beobachtet, wie die Sendling fortgegangen ist, und
hat sich mittels eines Schlüssels, den er vor einigen
Wochen im Hause auf der Treppe gefunden und
durch Ausprobieren als den Wohnungsschlüssel der
Sendling ermittelt hat, die Wohnung der Sendling
geöffnet. Das Auffinden des Schlüssels, das erst
nach Fassung seiner Mordideen ganz zufällig erfolgt sei,
habe seine Gedanken von dem fürchterlichen Plane nicht
wieder losgebracht und ihn zur Ausführung getricben.