50. Kindestötung oder
fahrlässige Tötung.
Indizienbeweis.
217, 222 des Str. G. Bs.
Formularbuch.
Er hat zutreffend damit gerechnet, daß die Sendling,
die ja den Verlust des Schlüssels gemerkt haben
müsse, zu geizig sei, das Schloß auf ihre Kosten
ändern zu lassen. In der Wohnung der Sendling
hat er sich im Leinwandkittel in der Schlafstube hinter
einem Vorhange versteckt, wo die Sendling einen
Schlafrock usw. hängen hat. Er hat gewußt, daß
die alte Frau sehr kurzsichtig ist und schwer hört.
Deshalb habe er es wagen können, seinem Opfer
so zu Leibe zu rücken. Als sie im Bette gelegen
und das Licht ausgelöscht hat, sei er vorgeschlichen
und habe 4—6 wuchtige Hiebe mit großer Schnellig=
keit gegen ihren Schädel geführt. Die Getroffene ist
nicht dazu gekommen, zu schreien, sie hat nur gestöhnt
und geröchelt. Dann hat er die Kommode und den
Sekretär geöffnet. Er hat da 400 Mark bares Geld,
die Sparkassenbücher und 8000 Mark in Wertpapieren
gefunden. Er hat angenommen, daß mehr Papiere
vorhanden sein müssen, aber keine Ruhe gehabt, sie
zu suchen. Auch Schmuckgegenstände hat er nicht
gefunden, die Etuis seien leer gewesen. Die 8000 Mark
Wertpapiere mit Zinsscheinen habe er zu Hause in
ciner Kiste mit seinen alten Kinderspielsachen versteckt.
Dort wurden sie auch gefunden. Eine noch-
malige Durchsuchung der Wohnung der Sendling
wird morgen vorgenommen werden.
Dresden, den 18. Juni 1904.
Heute Morgen 8 Uhr wurde von dem hier,
Wasserstraße 14, 1 wohnhaften Spediteur Albrecht#
Wehinger an Polizeistelle telephonisch angezeigt.
daß sein Kindermädchen in der vergangenen Nach
heimlich geboren und ihr Kind beseitigt habe.
Ich begab mich sofort in Wehingers Wohnung
und stellte in dessen Kindermädchen
die am 10. Dezember 1883 in Kamenz geborenc
Katharina Domascheck
fest.
Das Hausmädchen Rosa Anna Berner,
welches nach Angabe Wehingers und seiner Ehefrau