— 202 —
„Der Vater des Vaterlandes hat die Augen zum ewigen Schlummer
geschlossen. Der Besten und Größten einer, die auf deutscher Erde erstanden,
ein trefflicher Herrscher, ein unvergleichlicher Feldherr, ein wahrhaft edler
Mensch ist aus dieser Zeitlichkeit geschieden. Aber sein Andenken wird
fortleben unter uns und den kommenden Geschlechtern, soweit die deutsche
Zunge klingt“; denn seine Verdienste um unser Sachsenland und das große
Deutsche Reich sind unsterblich, und unvergänglich bleibt die herzliche Dank-
barkeit und die kindliche Verehrung, mit der unser Volk allezeit des könig-
lichen Greises gedenken wird, der sein Leben einzig dem Wohle seines
Landes widmete und selbst auf dem Sterbebette den Pflichten seines er-
habenen Herrscheramtes gerecht zu werden nicht müde wurde. Das Wettiner
Geschlecht hat manche Helden geboren, Helden, die mit starker Hand in
den Gang der Weltgeschichte eingriffen und mehrfach bestimmenden Einfluß
auf die Geschichte Deutschlands auszuüben berufen waren, aber weder ein
Albrecht der Beherzte, ein Friedrich der Weise, ein Friedrich der Streitbare,
noch Kurfürst Moritz oder einer der Johann George reichen an den ge-
schichtlichen Ruhm hinan, der den König Albert bereits zu seinen Lebzeiten
umstrahlte und immer umstrahlen wird, als der eines Helden und Herrschers,
eines Schlachtenlenkers und Schlachtendenkers, eines kraftvollen Mitarbeiters
bei der Wiederaufrichtung des Deutschen Kaiserreiches.“
„Nachdem durch Gottes unerforschlichen Ratschluß des Allerdurchlauch-
tigsten Königs und Herrn Albert, Königs von Sachsen, Unseres vielgeliebten
Herrn Bruders Königliche Majestät zum größten Schmerze Seines Hauses,
wie Seiner gesamten Untertanen aus diesem Leben abgerufen worden ist,
haben Wir die Regierung des Königreiches Sachsen vermöge des nach der
verfassungsmäßigen Erbfolge an Uns geschehenen Anfalls der Krone über-
nommen.“ Mit diesen Worten, denen der Erlauchte Herr und König
außerdem den Ausdruck der bestimmten Zuversicht hatte folgen lassen, daß
ebensowohl er sich von allen Untertanen und Einwohnern des Königreiches
der schuldigen Dienstpflicht, Treue und Gehorsam versichert halte, als anderer-
seits er seine unausgesetzte landesväterliche Fürsorge immer und allezeit
auf die Handhabung von Recht und Gerechtigkeit sowie zur Förderung der
Wohlfahrt und des Besten des Landes gerichtet halten werde, trat König
Georg am 19. Juni 1902 die Regierung von Sachsen an.
„Zagend ergreife ich"“, sagte er des weiteren seinem treuen Volke,
„die Zügel der Regierung; denn eines solchen Fürsten wie König Alberts
Nachfolger zu sein ist schwer — zögernd, aber auch mit festem Vertrauen
auf Gottes Beistand und auf die Liebe meiner Sachsen. Denn wie ich
gelobe, immer im Sinne und Geiste meines verewigten Bruders meines
Amtes zu walten, so bin ich auch der festen Zuversicht, daß mein Volk,
sonders ergriffen, um ihren abgerufenen Vater trauerten. Von allen Seiten her streckten
sich wohlmeinende Brüderhände in warmer Anteilnahme uns entgegen, die wir in einer
Person, in seiner Person, so viel verloren haben und die wir von Tausenden und Aber-
tausenden um unseren König beneidet wurden.