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Schwimmen ans jenseitige Ufer zu retten versuchte, unsichtbare
Hände entrissen sie ihm, er konnte sie nicht über dem Wasser er-
halten, sie versank, ihn aber trugen die Wellen nach der Fischer-
wohnung zurück. Er verließ die Gegend nicht wieder, sondern
baute sich im nahen Walde eine Hütte, wo er fortan als Einsiedler
lebte und seine Tage am Ufer des Sees verbrachte, der ihm sein
Teuerstes geraubt hatte. Einst fanden ihn die Fischersleute tot
auf dem See schwimmend; wie er dahin gekommen, wusßte nie-
mand. Alan begrub ihn am Afer und setzte ihm ein Kreuzlein
mit seinem Namen. Längst ist dasselbe verschwunden, der See
hat einen Abzug ins Tal gefunden; aber der Berg, wo einst seine
Klause stand, trägt von ihm heute noch den Mamen: „Der Ottelngstein.“
1247. Die Jungfrau vom Pöhlberge.
Gräße, Bd. I, Ar. 524; novell. behandelt von Dietrich a. a. O., Bd. 1,
S. 1 ff.
Der Bielberg oder Pöhlberg, an dessen Fuße Annaberg liegt,
hat seinen Mamen von dem Grenzbache Biela, der hinter ihm vor-
beiströmt. Auf demselben soll sich ein Wunderbrunnen befinden,
den aber nicht jedermann finden und sehen hann; bald hat ihn
einer angetroffen und einen guten Trunk aus ihm getan, dann
aber, als er den Fleck wiedergesucht, ist er nicht mehr dagewesen.
Zuweilen soll eine schöne Jungfrau an ihm sitzen. Dies ist die
Jungfrau vom Bielberge. Es soll der Geist einer Tochter des letzten
heidnischen Beherrschers dieser Gegend, des Miesen Bilo, sein, die
einst auf einem Jagdzuge mit dem Schüler des heiligen Bonifacius,
Conrad, bekannt wurde und, sei es durch seine Worte, sei es, was
wahrscheinlicher ist, durch Liebe zu dem schönen Jünglinge — denn
das war er — bewogen, zum Christentum bekehrt ward. Zwar
ward sie eines Tages mit ihm und seinen Schülern, als sie eben
auf dem Fichtelberge sich frommer Andacht hingaben, von ihrer
Mutter und ihren heidnischen Priestern überrascht und gefangen
auf den Bielberg geschleppt, um da geopfert zu werden, allein ein
Blitzstrahl verlöschte den Holzstoß, auf dem sie und Conrad den
Flammentod sterben sollten, und schlug das Götzenbild und seinen
Oberpriester zu Boden, und alle, welche das Wunder geschaut hatten,