Hindenburg-Programm und Kriegsausgaben
Die Heeresverwaltung hat sich schließlich zu weitgehen-
der Freigabe von Mannschaften auf der einen Seite, zu
einer neuen Einschränkung des Hindenburg-Programms auf
der andern Seite entschlossen. Der ungeheure Druck der
Tatsache, daß jede Tonne Steinkohle, die ohne zwingende
Notwendigkeit verbraucht wurde, eine Minderung der Ver-
sorgung des kämpfenden Heeres mit Kampfmitteln dar-
stellte, nötigte gleichzeitig zu der äußersten Einschränkung
des Kohlenverbrauches auf allen übrigen Gebieten.
Auch unsere finanzielle Kraft wurde durch die Über-
spannung des Waffen- und Munitionsprogramms über Ge-
bühr in Anspruch genommen. Die monatlichen Kriegsaus-
gaben, die noch im August 1916 sich unter dem Betrag von
2 Milliarden Mark hielten, überschritten im Oktober 1916
bereits den Betrag von 3 Milliarden Mark. Ein Jahr später
wuchsen sie über die vierte Milliarde hinaus, und im Ok-
tober 1918 haben sie den Betrag von 4 Milliarden 800 Mil-
lionen Mark erreicht. Es ist also auch nach der Einschrän-
kung des Hindenburg-Programms nicht mehr gelungen,
den immer stärker anschwellenden Strom der Kriegsaus-
gaben wieder einzudämmen.
Der Reichsfinanzminister Dr. Schiffer hatim Februar 1919
in der Nationalversammlung das Hindenburg-Progranım ein
„Programm der Verzweiflung‘ genannt. Diese Bezeichnung
ist nicht zutreffend. Den Herren, in deren Kopf das Pro-
gramm entstand, das sie mit dem Namen Hindenburgs aus-
statteten, war die Verzweiflung fremd. Ihr Programm war
281