Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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Billigunge auf vorausgegangenes gutheiszen seiner 
stände Ranke Päpste 2, 82. — gutherzig, von gutem, 
freundlichem Herzen: gutherzig gescherzt, wers gut- 
herzig verschmerzt Garg. 15; vor den thuren der gut- 
berzigen mädchen Lessing Minna 4, 6; ein humaner, 
persönlich gutherziger mann Freytag Handschr. 2,330. 
Dazu: wenn sie deine gutherzigkeit verlachte Hauff 
10, 73. — gutlaunig, gute Lanne habend oder zeigend: 
seine zornreden kamen so gutlaupig und treuherzig 
beraus Treitschke 1, 451. — gutmütig, von guter, 
sreundlicher, mild-nachgiebiger Gemütsart (Adelung): 
gutmüthig lüchelnd Lenau 405; da er bei streitig- 
keiten der untergebenen immer gutmutbig vermittelte 
Treitschke 1, 451; Max Josephs gutmuthige schlafk- 
heit 2, 353. Dazu: seine gutmutigkeit geht uber alle 
grenzen. — Gutthat, f. gute That, Wohlthat, mhd. 
guottät. — Gutthäter, m. Wohlthäter, mhd. guottæter: 
die werkheiligen und guttheter Luther 1, 258b5; die 
gutthter und menschenfreunde Iffland Frauenstand 
2, 3. — gutwillig, von gutem Willen, freundlich, mhd. 
guotwillic: sie wolten weiter gegen jre leute so gutwillig 
sein 2. Macc. 12, 31; euer gutwilliges herz Luther 
Br. 4, 586; gutwilliger mensch Adelung; freiwillig, 
ohne Zwang: etwas gutwillig thun ebd.; trete ich lbnen 
alles recht. nicbt allein gutwillig, sondern mit dank 
ab Lessing Brief 1777. — Gutwilligkeit, k. Freund- 
lichkeit; Freiwilligkeit. 
Gut, n. das was gut ist, fördert, Besitz; bereits ahd. 
aus dem vorigen Adj. entwickelt, ahd. mhd. guot; 1) im 
allgemeinen Sinne, besonders in älterer Spr.: ich enbiute 
minen vriunden lieb und allez guot Nib. 1350; wovon 
später nur Reste geblieben, namentlich in den Verbin- 
dungen zu gute kommen, gcscheben, (— so, daß es 
nützt, fsördert): sic (die Obrigkeit) ist gottes dienerin, 
dir zu gut Röm. 13, 4; wir baben aber trübsal oder 
trost, so geschicht es euch zu gute 2. Cor. 1, 6; solchs 
alles kompt den fromen zu gut Sir. 39, 2; gutes tuhn, 
zu gute tuhn Stieler; so manchem zarten pflänzchen 
käms zu gute Heyfe 3, 142; kamen die patrimonial- 
gerichte . der macht des adels zu gute Treitschke 
2, 106; mit dem Nebenbegriff des Freundlichen, An- 
genehmen: sich etwas zu gute thun, schmausend, schwel- 
gend; des besonderen Anspruchs: der papst that sich 
auf diese unternehmungen viel zu gut Ranke Päpste 
1, 430; des Freundlichen, Nachsichtigen, in der Formel 
einem etwas zu gute halten: halt zm zu gute, ob er 
kindisch wurde Sir. 3, 15; halten Sie mir meine art 
zu gute Isfland Reue versöhnt 2, 2; halte mir den 
rückfall in die sterblichkeit zu gut Schiller Karl. 
5, 10; sich zu gute geben, sich beruhigen: konnte sich 
Kutherzig — Gnt. 
noch immer vor lachen nicht zu gute geben Eichen- 
dorss Taugen. 131; — in besonderen Verwendungen: 
gott ist das höchste gnt; sei lob und ehr dem böchsten 
gut Lied von JJSchütz; das hochwurdige gut, das 
Venerabile; das liebe gut, sormelhafter Ausdruck für 
Brotfrüchte und Brot; auch für Essen allgemein: das 
liebe gut! man musz es nun wegwersfen Goethe 
Bürgergen. 13. 2) in verengtem Sinne, Besitztum, 
Vermögen: nu häst du guot und ère Walther 16, 39; 
zwiu sold ich minen vinden län s0 michel guct? Nib. 
1212; irdisches, weltliches gut im Gegensatz zu geistigem, 
geistlichem gut; an zeitlichem gut B. d. Liebe 273-; 
liegendes, fahrendes gut, bewegliche Vermögensstücke, in 
älterer Spr. auch = vergehendes Gut, dem bleibenden 
entgegengesetzt: Est varnde guct mit dem wir varn: 
na lucge, herre, mir des stæten guotes iht Uv Singen- 
berg 30, 31; rechtmäsziges, ererbtes, erworbencs gut; 
gestohlenes gut; sprichwörtlich unrecht gut gedeiht 
nicht; sollen sie ausziehen mit groszem gut 1. Mos. 
15, 14; raub begeht am allgemeinen gut, wer sich 
selbst Lilft in seiner eignen sache Schiller Tell 2,2; 
mein trachten, sinnen hab ich gestellt auf audres gut 
Güterbahnhof — Güte. 1280 
Lenau 523; in formelhafter Verkindung mit anderen 
Begriffen: gut und blut, leib, seel und leben ist nicht 
mein P Gerhard 122; gut und blut daran setzen 
Lohenstein Arm. 2, 715°; sie sveben gut und geld 
Perhard 87; dureb gut und gaben ehren Freytag 
Ahnen 2, 124; sein ganzes bab und gut Wiel and Liebe 
um Liebe 8, 438; — vereinzelnd, Teil eines Besitzes, 
Vermögensstück: gesundbeit ist das höchste gut; armuth 
ist die gröszte plage, reichthum ist das höchste gut 
Goetbe Schatzgräber; tragt nur zu des kostbaren guts 
Grillparzer 4, 24; sieh dieses banner hier, mein 
letztes gut 27; im Plur.: gib mir das teil der guter, 
das mir gehört Luc. 15, 12; ungleich vertheilt sind des 
lebens guter Schiller Br. v. Mess. 228. 3) gut für 
liegendes gut, Landbesitz, Grundstück: Esau fuor an ein 
guot Genesis in d. Fundgr. 2, 49; und wurden allin göt 
wol gebuwen und zögesst D. Städtechr. 4, 67; wenn einer 
ein gut nicht beerben noch erkeufen wolt Ruth 4,7; 
jetzt von einem geschessenen. mit einem Wirtschaftshof 
in Zusammenhang stehenden Landbesitz, vgl. bauern-, 
land-, lehen-, stamm-, rittergut; was ihr verlort an 
gütern und an schlössern Grillparzer 5, 125; sein 
gut bewirtschaften, verkaufen, ein gut kaufen, erben, 
auf sein gut ziehen; guter schlachten, ausschlachten, 
in einzelne Landteile zerstückeln; der herr ist auf seine 
guter abgereist; kommend . von meinen gutern aus 
Sachsen Lessing Minna 2, 2. 4) gut in der Gewerks- 
lprache; kanfmännisch und im Verkehrsleben versendete 
Waren und Gegenstände, ursprünglich der Wertbesitz, den 
der Kaufmann aus fremden Landen mitbringt: euch. ihr 
götter. gehört der kaufmann. güter zu suchen, geht er 
Schiller der Kaufmann; es. heißt guter verladen, ver- 
senden, zu schitte, zur eisenbahn bringen, u. a. vgl. 
krachtgut: auf der Eisenbahn auch passagiergut, Gepäck 
der Reisenden; — bei Töpfern, die gefertigte Ware, 
steingut, irdenes gut; bei Erzgießern, das zu schmelzende 
Metall, glockengut; bei den Saiwietern in Halle heißt 
die Sole, bei den Bienenzüchtern der Vorrat im Stocke 
gut; im Bergbaue mittetgut, geringhaltiges Erz; bei. 
Esigbrauem gut, die Flüssigkeit, aus der man Essig 
macht, in Zuckersiedereien der eingedampfte Saft, u. a. — 
Zusammensetzungen: mts besonderer Bahn- 
hof für Frachtgüter. — Güterbeförderer, m. Waren- 
versender, Spediteur. — Güterbestätiger, m. eidlich ver- 
Pflichtete Person, welche ankommende Waren in Empfang 
nimmt und sie weiter befördert. — Gütergemeinschaft, 1. 
Gemeinschaft der Besitztümer: allgemeine eheliche guter- 
gemcinschaft bürgerl. Gesetzb. 1341. — Güterhandel, m. 
Handel mit Gütern, besonders mit Landgütern. — Güter- 
schuppen, m. Schuppen, namentlich an Eisenbahnen, in 
welchem Frachtgüter lagern. — Güterwage, f Wage, 
worauf Frachtgüter gewogen werden. — Güterwagen, m. 
Eisenbahnwagen für Frachtgüter. — Güterzug, m. Eisen- 
bahnzug der Frachtgüter besördert. — Gutsbesitzer, m. 
Besitzer eines Landgutes. — Gutsberr, m. Herr, Eigen- 
tümer eines Landgutes. — Gutsherrschaft, f. Herrschaft 
über ein Landgut; Eigentümer eines Landgutes gemein- 
schastlich mit seiner Familie. — Gutskauf, = verkauf, m. 
Kauf, Verkauf eines Landgutes. » 
Gätc,k.da8Gntsein,dieguteBekchassenhethgoth 
gödei, ahd. guoti, mhd. guete; im Sinne von gut 1. 
dic gute einer ware, eines zeuges, des weins, eines 
gedichtes, gemäldes, u. s. w.; des (Schwertes) guete- 
was alsõ groz . Iwein 39.16; die güte der geisz wirt 
erkant an den warzen des bauchs Eppendorff Plin. 
81; gute des landes Stieler; Grad derselben: sind 
alle diese wahrheiten von gleicher gute? Adelung; 
die handlungen sind von verschiedener gute ebd.; waren 
erster gute: Annehmlichleit, Reiz: alles fleisch ist bew, 
und alle seine gute ist wie eine blume auf dem felde 
Jes. 40, 6; gutes Ding, namentlich in der Redensort 
sich eine güte thun, auch Dim. ein gutchen; da hütte