Ansbach-Bapreuth. Das Bündnis mit Osterreich. 417
sprungen, das am 25. Juli 1791 zwischen Preußen und Osterreich geschlossen
worden ist. Sein praktischer Inhalt bezog sich vor allem auf die polnische und auf
die französische Frage. Man einigte sich über den Grundsatz der Integrität Polens
und der freien Verfassung, im Hinblick auf das neue Grundgesetz vom 3. Mai 1791,
durch das Polen aus einem Wahlreich in ein Erbreich unter einer sächsischen
Dynastie mit einer ganz modernen konstitutionellen Verfassung umgewandelt
worden war. In der französischen Frage verpflichtete sich Preußen, alle Be-
mühungen anzuwenden, um eine Uvereinkunft der monarchischen Höfe Europas
im Sinne des Rundschreibens von Padua zustande zu bringen, in welchem
Leopold II. am 5. Juli die Höfe zu einem gemeinsamen Eintreten für die Sache
der eben damals von der Flucht zurückgeholten französischen Königsfamilie
aufgefordert hatte. In eben diesem Sinne war auch die Erklärung von Pillnitz
gehalten, die bei einem Aufenthalt der beiden Herrscher am sächsischen Hofe am
27. August vereinbart und ohne ihre Ermächtigung von dem Haupt der Emi-
granten, dem Grafen von Artois, in die Offentlichkeit gebracht wurde. Trotz
der vorsichtigen Fassung dieser Abmachung beschlossen Preußen und Osterreich
damals bereits die Mobilmachung. Friedrich Wilhelm II. wünschte den Krieg;
er war der Meinung, man werde mit den preußischen Truppen die französische
Revolutionsarmee ebenso leicht zersprengen, wie 1787 die holländischen Frei-
scharen. Leopold II. verhielt sich kühler; er suchte trotz jener Kundgebungen
den Krieg zu vermeiden. Es ist bekanntlich nicht gelungen. Im Januar 1792
forderten die Girondisten bereits den Krieg. Preußen aber verbündete sich jetzt
in aller Form mit Osterreich durch die Allianz vom 7. Februar 1792, in der
es dem Kaiser ein Hilfskorps von 20 000 Mann zur Verfügung stellte. In
diesem kritischen Moment starb Kaiser Leopold nach kurzer Krankheit am
1. März 1792; und seinem Nachfolger Franz II. wurde am 20. April durch das
girondistische Ministerium unter Dumonriez der Krieg erklärt. In diesen Krieg
wurde nun auch Preußen durch seine Verbindung mit Osterreich hineingerissen.
Friedrich Wilhelm II. hoffte auf einen leichten Sieg und wollte bei dieser
Gelegenheit auch zugleich im Osten gegen Polen neue Erwerbungen machen.
Die Kaiserin Katharina, die sich bei dem Einschreiten der monarchischen Mächte
gegen das revolutionäre Frankreich klüglich zurückgchalten hatte, um während
eines Krieges im Westen desto ungestörter im Osten um sich greifen zu können,
hatte seine Begehrlichkeit gereizt durch einen neuen Vorschlag zur Teilung
Polens, den er mit Eifer ergriff. Osterreich hätte damals am liebsten die
polnische Verfassung vom 3. Mai 1791 mit dem sächsischen Erbkönigtum durch-
gesetzt, weil dadurch Rußland und Preußen wahrscheinlich in Schranken ge-
halten worden wären; aber in Polen selbst hatte sich dagegen die Konföderation
von Targowitz erhoben, der sich anch, von Katharina gedrängt, der König
Stanislaus angeschlossen hatte. In dem Bündnisvertrag zwischen Preußen und
Osterreich vom 7. Februar 1792 war zwar noch von der Integrität Polens
die Rede, aber Friedrich Wilhelm II. hoffte, durch eine über seine Verpflichtungen
hinausgehende Unterstützung Osterreichs in dem Kriege gegen Frankreich die
Zustimmung des Kaisers zu dem polnischen Teilungsplan zu gewinnen. Er
nahm persönlichen Anteil an der Kaiserkrönung Franz' II. in Frankfurt am
19.—21. Juli; dort wurden auch die Kriegspläne besprochen, und unter dem
Einsluß der Emigranten das verhängnisvolle Manifest vom 25. Juli festgestellt,
Hir se. Hoherzollern. 27