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6S. 24.
Entschließung der k. Regierung des Unterdonaukreises, K. d. J.,
vom 4 April 1829, den Chlorkalk als Präservativmittel gegen die
Rinderpest und als nützliches Mittel in anderen Fällen betr.
Im Namen Seiner Majestät des Königs.
In Folge eines Allerhöchsten Rescripts vom 25. Mai l. J.
kann nach dem Gutachten der physicalisch-mathematischen Classe
der Akademie der Wissenschaften der Chlorkalk (der überoxydirte
salzsaure Kalk) als das beste Präservativmittel gegen die Rinder-
pest betrachtet werden, und da sohin die allgemeine Verbreitung
und Anwendung dieses Vorbengungsmittels sehr zu wünschen
ist, so wird hiemit über die Art der Anwendung folgende
Instruktion zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
„2 Loth Chlorkalk werden auf einen flachen Scherben mit so
„viel Wasser angerührt, daß ein dünner Brei daraus ent-
„steht. Dieser Scherben mit dem benetzten Chlorkalk wird
„auf den flachen Boden gestellt und muß jeden Morgen mit
„einem Stabe umgerührt werden.
„Wenn er etwa nach 12 bis 14 Tagen keinen Geruch
„mehr von sich gibt, muß er entfernt und durch eine neue
„Portion Chlorkalk mit etwas Wasser benetzt, ersetzt werden.
„Die angegebene Menge Chlorkalks ist hinreichend für
„einen Stall von 24 Fuß Länge und 12 Fuß Breite. Ist
„die Seuche in der Nähe der Ortschaft, und steht eine An-
„steckung sehr zu befürchten, so muß das Rindvieh mit einem
„Wasser, worin Chlorkalk aufgelöst ist, gelinde abgewaschen
„werden.
„Dazu werden in einem Eimer, welcher 12 Maaß Wasser
venthält, 4 Loth Chlorkalk geschüttet und oft umgerührt.
„Nachdem sich ein weißes Pulver zu Boden gelegt hat, wird
„das Waschen mit demselben Wasser, welches über dem Boden-
„satze steht, mittelst eines Schwammes vorgenommen, und
„alle 3 bis 4 Tage wiederholt.“
Die Königlichen Polizeibehörden werden die etwa in ihrem
Amtsbezirke befindlichen praktischen Aerzte, Landärzte, Thierärzte,
Pfarrer, Schullehrer und solche Personen, die einen erweiterten
Wirkungskreis haben, auf dieses Mittel aufmerksam machen,
und dieselben auffordern, in allen vorkommenden Fällen hievon
geeignete Anwendung zu machen.
Der Chlorkalk, welchen sich auch alle Apotheker und jene