Full text: Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 2. Band. Die Medizinalpolizei. (2)

  
Uebrigens muß sogleich der Thierarzt zu Rath gezogen, 
und diesem die weitere Behandlung der Krankheit überlassen 
werden. — 
Seinem Urtheile bleibt es anheimgestellt, in wie ferne er 
die in dem Thale Weitnan mit glücklichem Erfolge in An- 
wendung gebrachte Heil-Methode bei der individuellen Be- 
schaffenheit seiner Patienten anwendbar findet. Sie waren 
folgende: 
Wohlgenährten, fetten, starken Stücken werden gleich An- 
fangs 3 bis 4 Pfunde Blut aus der Halsader abgezapft, und 
dieses wird nach Beschaffenheit der Zufälle bis 4 Male wiederholt. 
Nach der Aderlässe zog man, den heftigen Andrang des 
Blutes in der Lunge zu verhindern, Leder, und gab täglich 
zwei Male einen Trank von Kleien, zu dem 4 Loth Salpeter 
und 5 Loth Weinstein gemischt wurden: hiemit verband man 
erweichende Klystiere mit Salz verstärkt, gab zum Trinken 
Absude von Wachholderwurzel, Wasser mit viel Salz, und zum 
Fressen Mehltränke. 
Diese Methode wurde so lange fortgesetzt, bis die Zu- 
fälle der Entzündung abnahmen, die Völle des Pulses nachließ, 
und das beschwerliche Athmen sich erleichterte; hierauf machte 
man den Genesenden Mehltränke, stärkende Abkochungen von 
Weiden, und Arnica-Blumen 2c. bis die gänzliche Heilung eintrat. 
Bei schwachem, schlecht genährtem und magerem Viehe 
wurde Statt der beschriebenen antiphlogistischen Heil-Methode 
eine gelinde reizende angewandt, und gar kein Blut abgezapft. 
Nebst den oben schon bemerkten diätetischen Mitteln, 
Klystieren, und Haarseilen erhielten solche Stücke täglich 2 bis 
3 Male zwei Loth Salmiak mit einem Quinte Campher mittelst 
Holunder-Sulze zu einem Bissen formirt, bei größerer Ent- 
kräftung wurde der Salmiak ganz beseitigt, und dem Champhor- 
Sulphur Auratum Antimonii beigemischt. 
Zur weitern Auflösung des zähen Schleimes erhielten 
mehrere der Art kranke Stücke öfters eine Mischung von 1 Loth 
gepulverte Kalmuswurzeln mit 2 Loth Wachholder-Sulze, und 
eben so viel Sauerhonig. 
Verfahren mit dem krepirten Viehe. 
Von dem an dieser Krankheit gefallenen Viehe kann vas 
Fleisch nicht verspeiset werden; die Benützung der Hant ist aber
	        
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