927 Tag.
diesen, jeden tag; einen tag wie alle tage; in zwei.
drei tagen, am zweiten, dritten tsge; des tages mehrere
msl; den ganzen, halben tag; von tag zu tage u. s. w.;
wir hatten den tag vorber wind gekriegt Schiller
Räub. 2, 3; ich gebe dir einen ganzen tag noch bedenkzeit
4, 2; seit drei tagen kein ange zu 4, 5; in
ein'gen tagen werd ich krunk Karl. 2, 13; tagnus tsgein
brachten ihre blätter verdäüchtigungen Treitschle
4, 3837; Redensarten: dem lieben gott die tage abstehlen,
gar nichts thun; in den tag binein leben.
sebreiben, schwatzen, reden, ohne zu rechnen oder zu
überlegen: wie leben doch die leute so liederlich in
tag hinein Günther 163; wie doch so vieles grundlos
in den tag hineingesagt wurde Goethe Du W. 13;
dasz dies nicht so in den tag hinein geredet war Heyse
8, 399; abergläubisch tage wählen, als gut oder böse
aussuchen, vgl. unten tagewähler; mit näheren Bestimmungen:
kalendertag; einen tag im kulender rat
anzeichnen, vgl. unter rat; geburts-, todes-, arbeits-.
leier-, sest-, weihnachts-, oster-, pfingsttag; der tag des
Lerrn; tag ualler heiligen, der unschuldigen kindlein;
in solchen Bezeichnnngen tag ausgelassen: s ist heut
Simons und Judä, da rust der see Schiller Tell 1, 1;
ein tag der freude, der trauer, des schreckens; tage
der wonne Goethe frühzeitiger Frühling; die tage
des menschlichen lebens, vgl. auch lebtag, lebenstag;
das soll mir mein tag des lebens eine warnung sein
Schiller RNäub. 4, 3; ihr tage des friedens 3, 2; der
tsg des sieges; die schanze ist erstürmt. der tag ist
unser Jungfr. 3, 7; der jungste tag, vgl. unter jung. auch
das ende aller tage M. Stuart 3, 6; freudiger, herrlicher,
heiliger, segensvoller (2, 3), schreckenvoller (Schrist. 5, 20)
tag; der tag . der ihre freiheit endigt ebd.; alle tage,
die gott schiekt Räub. 4, 3: tag un dem wir abreisen,
u. f. w.; auf bestimmte umschriebene Zeit bezogen, tag —
Lebenstag: er ist um ende seiner tage; alle meine tag
und jahr P Gerhardt 126, 19; meine tage sind gezählt
Schiller M. Stuart 1, 2; junge, alte tage eines menschen;
gute, böse taga; der nstre Verrina in seinen alten
tagen Fiesko 1, 7; auf seine alten tage Freytag Bild.
1, 251; alles in der welt läszt sich ertragen, nur nicht
eine reihe von schönen tagen Goethe Sprichwörtlich;
seinen tag leben, Tag für Tag des Lebens: hier lebte
der pust seinen tag und vergasz die ubrige welt Ranke
Päpste 1, 276; seine tage traurig binbringen; im Ausrufe:
ht ich mein tag geglanbt, dusz so was sunde!
Grillparzer 7, 13; der letzte tag. Todestag: der
mensch erfuhrt . ein letztes gluck und einen letzten
tag Goethe Sprichwörtlich; dafür auch nur: jeden
ereilet endlieh sein tag Schiller Räub. 1, 2; tag, an
dem sich das Schicksal erfüllt: sic alle erlebten ihren
tag. ich suh sic neben mir in den staub sinken Kab. 2,3;
Arbeitszeit eines Tages, acht-, zehnstundiger urbeitstag;
tag im Rechts= und Verwaltungsleben, Termin:
einem einen tag sctzen, vor dem rechten persönlich 2e
erscheinen, dicere diem alicui. ein lang zil oder tag
setzen, laram diem statuere Maaler; familientag,
an dem eine Familie zusammentritt; dabei hielt man
doch gute vachbarschaft, kam nuf tagen zusammen
Ranke Werke 1, 231; bostag, Tag zur Versammlung
auf einem Hosc oder bei Hofe auberaumt; besebribner
tag von einer cersamen oberkeit angesühen, conventus,
comitsa Maaler; rechtstag, zur Verhandlung vor
Gericht; im Begriff erweitert, vgl. land-, reichs-, stündetag;
— in die Bed. der Zeit, Lebenszeit verlausend, in
mancherlei Abstufungen: gute, böse tage im menschlichen
leben. im laufe der welt (vgl. auch oben); das
macht dic böse verderbte nutur, die gute tage nicht
tragen kan Luther 101. Psalm ausgelegt Q#“ welche
sich .. gute tage zu machen wuszten Ranke Werke
1, 205; er sprach viel von besseren vergangenen
lagen Schiller Räub. 2, 2; in unsern tagen, zu unserer
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Zeit; furst Krokus war ein held in seinen tagen Grillparzer
7, 135; rechtlich, dann allgemeiner, zu seinen
tagen kommen, erwachsen, mündig werden: uber ein
und zwenczig jär so ist der mun zu sinen tagen komen
Sachsensp. 1, 412, 1; die seind z5 iren tagen komen
Schade Sat. 2, 170; fruhere, heutige, jungste tage
(vgl. auch heutzutage unter heute); es rewt mieb noch
zu heuting tagen H Sachs Fab. 1, 86; nach meinen
erlahrungen aus den jungsten tagen Bismarck Red.
16, 59; nächster tage wird er kommen, dieser tage
war er hier; uber tsg, gerade jetzt: weil man es sicht
noch uber tag H Sachs Fab. 1, 71; mode, geschmack,
ein held. interesse des tages, der nächsten Gegenwart;
bald nahm mich der gewöhnliche tag mit sieh fort
Goethe Wanderj. 2, 12, u. a. 3) tag und necht,
Pflanzenname, namentlich von parietaria ofsieinalis,
Glaskraut, Mauerkraut. — Zufammensetzungen: Tagebau,
m. Ackermaß, eigentlich was der Landmann in einem
Tage bebaut, bearbeitet, oberdentsch; bei Bergleuten Abbau
von zu Tage liegenden Mineralien. — Tageblatt, a.
Zeitungsblatt das täglich erscheint, Uberfetzung des franz.
Journal, als neues Wort bei Campez; im tageblatt wird
mit meinem namen ein unwurdiges spiel getrieben Freytag
Soll 2, 96. — Tagebuch, n. Buch für tägliche Aufzeichnungen,
Ubersetzung des lat. diarium von Zefen
in Dögens Kriegsbaukunst (1648); kaufmännisch — Buch,
worin die laufenden Eeschäft eines Tages eingetragen
werden. — Tage-, Tagdieb, m. Müßiggänger (der dem
lieben Gott die Tage abstiehlt, vgl. unter tag 2), cosumMptor
temporis Stieler; der mann ist aebr reieb.
aber er ist cin tagdieb Bismarck Red. 1, 344; du
konntest auch ein tagdieb sein Grillparzer 7, 11.
— Tage-, Tagsalter, m. bei Tage fliegender Schmetterling.
—Tagegeld, n. Geld für Dienstleistungen nach Tagen gezahlt;
meist im Plur. tagegelder. — tagelang, Zusammenrückung,
mhd. tagelane, tãlune, — ganze Tage lang: eine
wahre völkerwanderung tagelang Rosegger Waldbeim
1, 243. — Tagelied, u. Lied bei Anbruch des Tages
gesungen, Morzengesang eines Wächters, mhd. tageliet.
Tage-, Taglohn, m. n. Lohn für Arbeit eines Tages,
nach Tagen gezahlter Lohn für niedrige Arbeit, abd.
tagalön, mhd., tagelon: ums tagolohn Caniz log9; sehr
hoher tagelohn Moltke 1, 171; fremdem herrn um
taglohn frohnen Heyse 10, 212. — Tagelöhner, m.
Arbeiter um Tagelohn, mhd. tagelœner: will meine
Gurren sehnen in curem dienst wie ein taglöhner abarbeiten
Schiller Räub. 4, 2; ich habe hier gesebunzt
und gegraben wie ein tagelöhner Moltke 4, 194; dazu:
gelehrte taglöhnerei Schiller 3, 510.— Tagemarsch, m.
Marsch von einem Tage: einen t. muehen, unternehmen;
als Streckenbestimmung: es stcht der Rheingraf nur vier
tagemärsche von hier Schiller Wall. Tod 1, 5; uber
einen tagemarsch entlernt Moltke 3, 45.— Tageceise, s.
Neise von einem Tage, mhd. tsgereise: tagereise tuot
in wo, blibet hie heime Ges. Abent. 1, 91; Streckenund
Zeitbestimmung: er jaget jm nach sieben tagereise
1. Mos. 31, 23; soll denn ein verliebter vom gedanken
zum entschlusz und vom entschlusz zur thst, tagereisen
hinken? Leisewitz Jul. v. Tarent 2, 5; eine tagreise
ist es (weit) Schiller Kab. 1, 6. — Tagesanbruch,
hegiun, m. Anbruch, Biginn des Tages. — Tagesbesehl,
m. in der Heerspr. Ubersetzung des franz. ordre du
Jo, zuerst bei Campe. — Tagesereiguis, u. Ereignis
eines lanfenden Tages, der Gegenwart; auch in bedeutendem
Sinne, besonderes Ereignis eines Tages. —
Tagesgeschichte, k. Geschichte des laufenden Tages, der
Gegenwart. — Tageslichk, n. Licht, Helle des Tages;
ctwas kommt ans tageslicht, wird offenbar. — tagesmalt,
matt von den Beschäftigungen des Tages: wenn
du tagesmatt die glicker gehullt in diesz gewche
Geibel 2, 115. — Tageancuigkeit, k. Neuigkeit eines
laufenden Tages, der Gegenwart. — Tagesordunug, k.
Tagebau — Tagesordnung.
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