362 Die Kriegserklärung. 1870
ruf kam die Erfüllung zuvor; in allen Theilen des Landes
strömten die Burschen streitlustig zu den Fahnen. Anders
aber stand es noch bei der Volksvertretung. Am 18. Juli
brachte die Regierung den Antrag auf Bewilligung eines
Credits von 5 Millionen Gulden für die Kosten der Mobilmachung
und von weitern 21 für die folgenden Monate bis
zum Jahresschlusse bei der zweiten Kammer ein, bemerkte
übrigens vorsichtiger Weise, noch habe die Regierung den
Casus foederis nicht anerkannt, noch schwebten Vermittlungsanträge,
denen sich auch Bayern angeschlossen habe.
(Bayern hatte einen Vorschlag nach Berlin gelangen
lassen, Preußen möge das boekannte Princip der Ausschließung
der Prinzen der Großmächte von fremden
Thronen anerkennen, was bei der jetzigen Sachlage in
Berlin natürlich kein Gehör mehr finden konnte.) Auf die
Kammermehrheit machte die Zurückhaltung der Regierung,
die im eignen Herzen durchaus für den Krieg entschlossen
war, nicht den geringsten Eindruck; im Gegentheil, sie
ermuthigte die Ultramontanen zu völlig rückhaltloser Opposition.
Die Partei beschloß die ÜUberweisung des Antrags
an einen besondern Ausschuß und gab sich in der Abendsitzung
ihres Clubs das Wort, nur für Aufrechthaltung
bewaffneter Neutralität Geldmittel, und zwar in stark vermindertem
Betrage, zu bewilligen.
Im Namen des Ausschusses erstattete in der Sitzung
am 19. Nachmittags der Abgeordnete Jörg Bericht. Als
Redacteur der Historisch--politischen Blätter hatte er bereits
viele Artikel über auswärtige Politik geschrieben, war seiner
Erfahrung auf diesem Gebiete sehr bewußt und galt in seiner
Partei als der Sachverständige in diplomatischen Dingen.