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Februar 74. Der Kurfürst von Mainz an Dr. Marx Gerstenberg.
Aus Deinem Schreiben vom 31. Januar! haben wir gern vernommen,
dass in der beschwerlichen jülichschen Sache Kurbrandenburg in den
Hauptpunkt, die Einnahme Kursachsens in die Possession,
bis „uf die modification“, deren man sich jetzt zu Jüterbogk vergleichen
will, gewilligt hat. Gott wolle dazu seinen Segen geben. —
Abschriften davon wurden durch die Stände eifrig verbreitet und finden sich
in allen Archiven. Ebenso verbreitet ist die Aussage eines Mönchs Aegidius
aus dem Kloster unserer lieben Frau inı Schneefeuer in der prasor Neustadt,
der zu Böhmisch-Brod gefangen wurde (Zeitung aus Prag von 4. März, Drs.,
1. 9166, I. Buch passauer Volks, f. 271), Die Aussage mit dem Datum
vom 17. Februar folgt hier im Auszug:
1. Der Kaiser hat sich mit dem Papst, dem König von Spanien und
den Bischöfen von Salzburg, Bamberg und Würzburg dahin vorglichen,
dass Ramöe mit seinem Kriegsvolk (das angeblich auf Jülich
geworben war) nach Böhmen rücken, die Schlösser an der Grenze und einige
Städte einnehmen, sich der prager Städte und des Schlosses bemächtigen
und die dort verwahrte Krone in seiner Gewalt bringen solle. Darauf will
der Kaiser den Erzherzog Leopold zum böhmischen König krönen lassen und
den Vertrag mit Matthias wegen der Designation umstürzen; dazu hat sich
der Kaiser mit den Genannten, einigen geheimen Räten und böhmischen
Ständen entschlossen. Daneben will der Kaiser den Böhmen den Majestätsbrief
und alle andern Freiheiten nehmen; die Güter der Nichtkatholischen
sollen eingezogen und die Besitzer armordet werden. Die Hauptsache, die der
Kaiser gegen Matthias einwendet, ist, dass dieser als leiblicher, aber um
fünf Jahre jüngerer Bruder sich untersteht, ihm seine Länder mit Gewalt
zu nehmen; solchen Schimpf kann er nicht leiden. Die Böhmen müssen
dazu gebracht werden, den Erzherzog als König anzunehmen, die katholische
Religion zu halten und, soweit sie traquisten, zu ihr überzutreten. Wenn
sie dies alles getan haben, sollen ihnen erst ihre Privilegien zurückgestellt
werden. Wenn aber der Kaiser mit Ramees Volk nichts ausrichtet und die
Böhmen zu nichts zwingen kann, so sollen der Papst und Spanien mit
3000 [!] Mann, die bereits im Anzug sind, der Salzburger mit 1 [!) und
der Baiernherzog mit 12000 Mann dem Kaiser zu Hilfe kommen. — 2. Der
Kaiser will endlich, wenn diese Hilfe nicht reicht, seinen Schatz, der auf
20 Millionen geschätzt wird, angreifen und noch nıchr Volk werben lassen,
um seine Absicht ins Werk zu setzen, alle Ketzer sub utraque aus Böhmen
zu vertreiben und Matthias um dies Königreich zu bringen; er wendet vor,
Matthias sei nur um fünf Jahre jünger, habe nicht mehr lange zu leben
und keinen Erben zu erwarten, Leopold dagegen sei jung und er, Kaiser,
wolle für ihn beim Papst die Heiratsdispens erwirken; von Matthias wisse der
Kaiser, dass, wenn jener den böhmischen Thron besässe, die Böhmen, für die
Matthias grosse Zuneigung habe und die wieder ihın sehr geneigt seien, alles
erlangen würden, was sie begehrten; dann aber, wenn Matthias erbenlos
stürbe, würden vielleicht die Böhmen einen Ketzer zum König wählen, damit
aber sich die Ketzerei ausbreiten und die katholische Religion ganz unterdrückt
werden. — 3. Die letzte Absicht des Kaisers ist, wenn es mit den obigen
Mitteln nicht gienge, in Böhmen, Mähren, Schlesien, Oesterreich und Ungarn
alle Bauern aufzurufen, sie für ewig frei zu machen und ihnen Macht über ihre
Herrn zu geben, damit sie dieselben erschlagen, den katholischen Glauben
aufrichten und für immer frei sein sollen (Dra., a. a. O., f. 352; Kop.\,
ı Vgl. oben no. 47, 107, Anm 3.