Hulgarien. (Oct. 28.— Dec. 12.) 505
28. Octkober. Eröffnung der Sobranie durch eine Thronrede
des Fürsten in bulgarischer Sprache.
5. November. Sobranie: Die Antwortsadresse erblickt in den
zu Rustschuck und Belgrad erfolgten Begegnungen des Fürsten mit
den benachbarten Fürsten Bürgschaften für die Aufrechterhaltung
freundschaftlicher Beziehungen zwischen drei durch Religion und gemeinsame
Interessen verbundenen Völkern, dankt dem Fürsten für
die Militärorganisation und verfpricht eine gründliche Prüfung und
demnächstige Erledigung der Eisenbahnfrage.
16. November. Oesterreich, von Deutschland und Frankreich
unterstützt, dringt in Sophia neuerdings auf eine endliche Anhandnahme
der im Berliner Vertrage Bulgarien auferlegten Schleifung
der Donaufestungen.
3. December. Der große nur mit Zögern von der bulgarischen
Regierung unternommene Schritt zur Realisirung des das
allgemeine Wehrsystem betreffenden Gefetzes ist erfolgt: die Mohammedaner
sind im ganzen Fürstenthum zur Erfüllung der Militärpflicht
herangezogen worden. In die bestehenden 24 Druzinas und
6 Escadronen sind 3000 Mohammedaner eingereiht worden.
Die Maßregel ist gegen Erwarten von keinerlei Unordnungen begleitet.
Da die Muhamedaner vorher vielfach gedroht hatten, lieber auszuwandern,
nahm sie die Regierung beim Wort und sellte jedem frei, auszuwandern
oder aber seiner Kriegsdienstpflicht Genüge zu leisten. Mit wenigen
Ausnahmen zogen sie doch das letztere vor. Ueberdieß versprach ihnen die
Negierung, sie nicht zum Tragen der mit einem Kreuz versehenen Militärmühe
zu zwingen, und hält ihr Versprechen, wie fe ihnen auch erlanbte, in jeder
Rotte (Compagnie) ihre eigene Küche zu errichten.
10. December. Das Ministerium wird modificirt und reconstrnirt
und zwar in noch entschiedener nationalem Sinne als bisher:
es übernehmen Karaweloff Präsidium, Finanzen und interimistisch
Justiz, Zankoff Inneres, der russische General Ernroth Krieg,
Slaveikoff, der bisherige Präsident der Sobranie, Unterricht und
Stoitcheff Auswärtiges.
12. December. Sobranie: Die Modification des Ministeriums
gibt zu einer argen Scandalscene Anlaß.
Nach Verlesung des den Ministerwechsel betreffenden Ukases interpelit
Bradel (ein Liberaler) den neuen Minister-Präsidenten, weshalb
Hinsradel,i stattfand, worauf Karaweloff, sich auf § 152 der Wilgnrihen
Verfassung berufend, auf das bezügliche Recht des Fürsten hinweist und
hinzufügt, daß, nachdem Zankoff seine Demission als Minister-Präsident geeben,
der Lürst den Minister Karaweloff mit der Bildung des Ministeriums
etraut ha Diese Mittheilung begrüßt Gorbanoff, ein Conservativerindem
er ausspuckt, mit einem sehr vernehmbaren „Pfui!“ Der folgende