22 Erster Zeitraum.
Inzwischen waren dem Lande in den Husiten noch surchtbarere Feinde
erstanden. Friedrich hatte den Kaiser vergebens vor zu großer Schärfe gegen die
Schwärmer, die er dadurch nur erbitterte, gewarnt. Sigismund bot das Reichs—
heer gegen sie auf, vermochte aber nichts gegen sie auszurichten; deshalb
wählten die Reichsstände Friedrich zum Feldhauptmann. In der Sebalduskirche
zu Nürnberg wurde er feierlich zum Streite geweiht. Aber das Reichsheer war
in schlechter Verfassung und erlitt von den wildbegeisterten Husiten eine Niederlage
nach der andern. Not und Elend brachten die schrecklichen Husitenkriege
über Böhmen und seine Nachbarländer. Auch die Mark wurde wiederholt
mit Feuer und Schwert heimgesucht; 1432 gingen hundert märkische Dörfer,
auch die Städte Lebus, Müncheberg, Straußberg und Altlandsberg in Flammen
auf, nur Frankfurt und Bernau widerstanden. Endlich gelang es Friedrich,
den Frieden zu vermitteln.
Schon früher hatte der Kurfürst den Kaiser dadurch erzürnt, daß er
durch die Verlobung seines Sohnes Friedrich mit der Erbin Polens dies
Land, auf welches auch Sigismund sein Augenmerk richtete, an Brandenburg
zu bringen trachtete; durch Friedrichs Auftreten im Husitenkriege wurden die
früheren Freunde einander ganz entfremdet. Nicht nur versagte der Kaiser nach
dem Aussterben der sächsischen Askanier das Herzogtum Sachsen-Wittenberg
dem Hause Hohenzollern, obwohl Friedrichs Sohn Johann mit der Tochter des
letzten Herzogs vermählt war, sondern er hob die Lehnshoheit über Pommern
wieder auf und hemmte den Kurfürsten sogar, die Grenzgebiete, welche der
Mark entrissen waren, wiederzuerobern. Dennoch wandte dieser bei der nächsten
Kaiserwahl dem Schwiegersohne Sigismunds, Albrecht II., die Krone zu, obwohl
viele ihn selber zum Kaiser ausersehen hatten. Durch die vielen Verdrießlichkeiten
waren ihm die Marken verleidet; auch wurde ihm die Last
der Geschäfte zu groß. Schon 1426 hatte der Kurfürst seinen ältesten Sohn
Johann zum Statthalter der Mark ernannt und sich nach seiner schönen,
fränkischen Heimat zurückgezogen; dort verbrachte er seinen Lebensabend. Als
der Tod nahte, teilte er seinen Söhnen das Erbe. Der thatkräftige, willensstarke
Friedrich empfing die Kurmark Brandenburg nebst der Erzkämmererwürde,
Johann und Albrecht, der älteste und der dritte Sohn, erhielten
Franken, Friedrich der Jüngere dagegen einige Anrechte auf die Altmark
und die Prignitz, was aber für die Mark ohne Folgen blieb. Dann legte
er seinen Söhnen noch die Verpflichtung auf, den Berlinern das Glockengut
zu ersetzen, aus dem er in der Not Kanonen hatte gießen lassen. Friedrich I.
starb 1440 und wurde nach seinem Befehle in dem Kloster Heilsbronn in
Franken, zwischen Nüruberg und Ausbach, beigesetzt. ·
5. Der innere Ausbau.
Friedrich II. Eisenzahn (1440—1470) verdankt diesen Beinamen seiner
zähen Ausdauer. Da weder die fränkischen Lande noch Reichsgeschäfte ihn
abzogen, konnte er der Mark seine ganze Kraft zuwenden und teils durch
Unterhandlung und Geld, teils mit dem Schwerte manches Verlorene zurückbringen.
Auf friedlichem Wege erlangte er einen Vergleich, in welchem der