80 Zweiter Zeitraum.
2. Sorge für den Tandes Wohlfahrk.
Trotz der bedeutenden Ausgaben für das Heer verwandte Friedrich doch noch
große Summen auf die Erbauung prächtiger Schlösser, die er mit reichem
Bildwerk schmücken und aufs glänzendste einrichten ließ. Damals entstanden
in Berlin die Prachtbauten Andreas Schlüters: das berühmte Reiterbild
des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke, ein Teil des Schlosses, das
von Nehring erbaute Zeughaus sowie das Schloß in Charlottenburg. Die
Großen des Hofes wetteiferten miteinander in prächtigen Bauten. Die alte
Doppelstadt Berlin-Kölln, die schon unter dem Großen Kurfürsten durch den
Friedrichswerder und die Dorotheenstadt erweitert war, erhielt jetzt einen
neuen Stadtteil, die Friedrichsstadt, und die später so prächtige Straße „Unter
den Linden“. Der große Aufwand des Hofes kam den heimischen Gewerben
zu gute; die von Danckelmann trefflich verwaltete Post erleichterte den inländischen
Verkehr. In der Pflege von Kunst
und Wissenschaft wetteiferte mit
dem Kurfürsten seine feingebildete,
geistreiche Gemahlin Sophie Charlotte
(71 1705), eine Schülerin und
Freundin des großen Gelehrten
Leibniz, die in dem nach ihr be-——.
nannten Lustschloß Charlottenburg
gddig größten Künstler und Gelehrten
———Kuusich sammelte. Sie hat nach dem
Urteil ihres großen Enkels „wahre
und gesellschaftliche Feinheit und die
Liebe zu Künsten und Wissenschaft
1. nach Brandenburg gebracht“. Durch
“ ihren Einfluß ward in Berlin eine
Gottfried Wilhelm Leibniz. Akademie der Künste und nach
— Leibniz' Plane auch eine Akademie
der Wissenschaften errichtet, deren Aufgabe in der Sammlung und Erweiterung
wissenschaftlicher Kenntnisse und deren Verbreitung durch faßliche
Schriften, in der Pflege der deutschen Sprache und der Herausgabe
eines Kalenders bestand. Erst 1700 nahmen die protestantischen Länder den
schon 1582 vom Papst Gregor XIII. verbesserten. Kalender, den „neuen Stil“,
an. Einer freigebigen Unterstützung erfreute sich Pufendorf (S. 56), der
die „Geschichte des Großen Kurfürsten“ vollendete, das erste Geschichtswerk
Deutschlands, das sich über die chronikartige Fürsten= und Familiengeschichte
zu einer pragmatischen, wahrheitsgetreuen Darstellung erhob. Segensreich
war auch die Errichtung eines Oberappellationsgerichts in Berlin, das
seine Thätigkeit allmählich über alle Provinzen ausdehnte.
Auch für die evangelische Kirche ist Friedrichs Regierung von Segen
gewesen. Er war, wie sein Vater, ebenfalls ein Beschützer seiner Glaubensgenossen,
indem er viele Reformierte aus Frankreich und der Pfalz aufnahm.
Gegenüber der Richtung, die auf Reinheit der Lehre größeres Gewicht legt
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