Metadata : Unser Pommernland. 3. Jahrgang 1915/16. (3)

genen  Mittelpunkt  des  ganzen  nordischen  Handels
bis  auf  den  Grund  zerstörte.
Das  Gespräch  der  Jagdgesellschaft  drehte  sich,

wie  natürlich,  zumeist  um  die  Ereignisse  des  verslossenen
  Tages.

„Ja,  bei  der  luchsäugigen  Diwitza,  der  Schützerin
  des  Weidwerks,“  rief  in  diesem  Augenblick  der
lebhafte  Herr  Mitzlav  von  Parpart  aus,  indem  er
die  schwere  Birkenkanne,  aus  der  er  soeben  einen
tiefen  Trunk  getan,  auf  den  Tisch  zurückstellte,  „das
war  eine  Jagd,  von  der  man  noch  nach  zehn  Jahren
  erzählen  wird."“

„Und  meine  armen
ich  lebe,“  fuhr  Herr  Below  von  Medewitz  fort.
„Deun  wenn  ich  nach  dem  kalten  Winterbade  im
Lindenbach  nicht  die  reißende  Sucht  kriege,  so  will
ich's  als  n  Wunder  ansehn,  wie  unser  Pfaff  aus

Knochen  vielleicht,  solange

seinen  heiligen  Geschichten  deren  so  viele  zu  berichten
  weiß,  und  —  —  —“

„Wirst  aus  Dank  gegen  die  Heiligen  deine
Wetbsleute  anhalten,“  unterbrach  ihn  mit  verschmitztem

  Lächeln  sein  Nachbar,  Herr  Priba  von
Pribbernow,  „daß  sie  dem  ehrwürdigen  Bischof  zu
Wollin  den  üblichen  Zehnten  an  Honig  nicht  wieder

  in  eingekochtem,  mit  Buttermilch  gesteiftem
Rübensaft  liefern  oder  das  Bienenwachs  mit

Schöpfentalg  verbessern,  wie  das  zum  Entsetzen  all
der  feinfühligen  Paternasen  ja  einmal  geschehen  sein
soll.“

Die  ganze  Jagdgesellschaft  lachte  herzlich,  teils
über  den  bestraften  Geiz  der  Pribbernower  Herrin,
teils  über  die  gekränkten  Väter  zu  Wollin;  wußten
doch  die  meisten,  daß  die  Buße  für  das  Vergehen
recht  unliebsam  hart  ausgefallen  war.

„Ja,  Nachbar  Sambor,“  rief  jetzt  Herr  Tetzlav
von  Zitzmar  über  den  Tisch  hin  dem  Wirte  zu,
„das  muß  man  dir  lassen,  du  weißt  deinen  Gästen
etwas  zu  bieten.  Dreißig  Grauröcke,  acht  Schwarzkittel,
  vier  Hirsche,  ein  Wisent,  zwei  Honigschlecker,
drei  Gänsediebe  ohne  all  das  andere  Kleinzeug!
Eine  ganz  vorzügliche  Strecke!“

„Und  was  das  leibliche
recht,“  bemerkte  dazu  der  wohlbeleibte  Herr  Radeslav
  von  Schleffin,  indem  er  vergnüglich  mit  den
Augen  zwinkte  und  mit  der  Zunge  schnalzte.  „Ich
bin  aus  meinen  Pflaumenschnaps,  dem  selbst  die
geistlichen  Herren  zu  Wollin  nicht  abhold  sind,  nicht
wenig  stolz,  aber  was  ist  der  gegen  deine  Leckerbissen!
  Wenn  ich  an  den  rosigen  Seelachs,  den  saftigen
  Frischlingsbraten  und  die  fetten  Näucherflundern
  denke,  die  uns  heute  deiner  Tochter  Slavina
  Küchenkunst  auftischte,  so  lecke  ich  mir  in  Gedanken
  noch  immer  die  Schnauze."“

„Und  die  letzteren,“  bemerkte  Herr  Borant  von
Karnitz,  der  großen  Waldrodung,  „gab's  ganz  gegen
  das  alte  Sprichwort  „Der  Wind,  der  kommt
von  Zitzmar  her,  in  Horst
mehr“,  denn  schon  drei  Tage  bekomme  ich  von  dir
her  den  Wind,  Nachbar  Tetzlav.  Wir  werdrn  morgen
  Schlampwetter  haben.“

Wohl  anbetrifft,  erst

Unser  Dommerland

gibt's  keine  Flundern.

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„Mit  den  alten  Sprichwörtern  ist  es  nichts,“
meinte  Herr  Gützlav  von  Gützelfitz,  indem  er  seidem

  tiefsinnigen  Ausspruch  einen  tiefgründigen  Zug
aus  der  Metkanne  folgen  ließ.

„Nein,  sie  reden  dennoch  wahr,“  rief  Herr  Kasimir
  von  Moitzow,  „oder  stimmt  es  etwa  nicht:  Wie
im  Polenpelz  die  Lause,  sind  in  Pommern  die
Wölse  zu  Hause?  Leider,“  fügte  der  jagdfrohe  Herr
wehmütig  seufzend  hinzu,  „muß  man  hier  und  da
schon  meilenweit  reiten,  um  sich  einmal  ordentlich
mit  den  Schafdieben  zu  balgen.  Früher  soll's  bei
mir  und  noch  weiter  nach  Tressin  hinunter  noch  eine
Unmenge  von  dem  Geziefer  gegeben  haben.  Denn
aus  reiner  Jagdliebhaberei  haben  meine  Vorfahren
einmal  Moitzow  gegründet.  Aber  das  verdammte,
den  Deutschen  abgeguckte  Roden,  das  jetzt  überall
einreißt,  verdirbt  einem  die  ganze  Jagd.  Fast  das
halbe  große  Bruch  hinter  uns  ist  ja  schon  nackte
Kuhweide.  Und  dann  noch  dazu  überall  diese  niederträchtigen,
  breiten  Abzugsgräben,  die  reinen
Wildfallen,  über  die  auch  kein  Gaul  hinüber  willl
Möchte  die  böse  Wasserfrau,  der  Teufel,  wollt'  ich
sagen,  alle  sogenannten  Landverbesserer  darin  ersäufen!“


„Und  das  Kirchenbauen  damit,"  rief  Herr  Dobislav
  aus  Muddelmow,  indem  er  mit  der  Hand
auf  den  Tisch  schlug,  daß  er  erdröhnte.  „Ist  das
eine  Schufterei  mit  den  ewigen  Stein=  und  Holzund
  Lehm=  und  Sand=  und  Kalkfuhren!  Die  paar
aufgesparten  arabischen  Silberdirhems  und  Hackpfennige
  gehen  dabei  flöten  wie  der  Schnee  in  der
Märzsonne.“

„Und  wenn  die  Geschichte  nun  fertig  dasteht,
dann  kommt  das  dicke  Ende  erst  recht  nach,“  ergänzte
  Herr  Bertkow  von  Zirkwitz.  „Da  heißt's:
Fütter'  und  kleide  die  Herren  Pfaffen!  Steuer'  den
Zehnten  hiervon  und  zins'  den  Zehnten  davon,
Roggen  und  Gerste,  Hirse  und  Haber,  Gans  und
Ente,  Schaf  und  Wolle,  Flachs  und  Leinen,  Honig
und  Wachs,  Eier  und  Butter,  Brennholz  und  Biehstreu,
  Ostere#er  und  Weihnachtsplingen,  Weideland
und  weiß  der  Kuckuck,  was  noch  alles!  Wir  Zirkwitzer
  können  ein  Lied  davon  singen.  Aber  dafür
haben  wir  auch  die  Ehre,  die  erste  Kirche  hier  im
ganzen  Umkreise  zu  besitzen,  höchsteigenhändig  von,
dem  frommen  Herrn  Bischof  Otto  gegründet.
Heda,  Bursche!  'ne  neue  Kanne!  Mir  ist  über  all
den  Sporteln  und  Gebühren  ganz  koddrig  geworden!“


Des  Zirkwitzers  komisch  kläglicher  Herzenserguß
hatte  verschiedene  Wirkung.  Einige  der  Herren
lachten  belustigt  über  die  halb  scherz=  halb  ernsthaft
jammervolle  Miene,  mit  der  Herr  Bertkow  die  schier
endlose  Aufzählung  seiner  kirchlichen  Lasten  begleitete,
  andere  wieder  blickten  grämlich  oder  finster  vor
sich  nieder.  Sie  verglichen  wohl  die  alte  Zeit  mit
der  neuen.  Da  schlug  Herr  Dubnitz  von  Dresow,
ein  alter,  grauer  Degen,  mit  der  Kanne  auf  den
Tisch,  um  sich  in  dem  Stimmengewirr  der  allgemeinen
  Unterhaltung,  die  alsbald  nach  Herrn  Bert-—