genen Mittelpunkt des ganzen nordischen Handels
bis auf den Grund zerstörte.
Das Gespräch der Jagdgesellschaft drehte sich,
wie natürlich, zumeist um die Ereignisse des verslossenen
Tages.
„Ja, bei der luchsäugigen Diwitza, der Schützerin
des Weidwerks,“ rief in diesem Augenblick der
lebhafte Herr Mitzlav von Parpart aus, indem er
die schwere Birkenkanne, aus der er soeben einen
tiefen Trunk getan, auf den Tisch zurückstellte, „das
war eine Jagd, von der man noch nach zehn Jahren
erzählen wird."“
„Und meine armen
ich lebe,“ fuhr Herr Below von Medewitz fort.
„Deun wenn ich nach dem kalten Winterbade im
Lindenbach nicht die reißende Sucht kriege, so will
ich's als n Wunder ansehn, wie unser Pfaff aus
Knochen vielleicht, solange
seinen heiligen Geschichten deren so viele zu berichten
weiß, und — — —“
„Wirst aus Dank gegen die Heiligen deine
Wetbsleute anhalten,“ unterbrach ihn mit verschmitztem
Lächeln sein Nachbar, Herr Priba von
Pribbernow, „daß sie dem ehrwürdigen Bischof zu
Wollin den üblichen Zehnten an Honig nicht wieder
in eingekochtem, mit Buttermilch gesteiftem
Rübensaft liefern oder das Bienenwachs mit
Schöpfentalg verbessern, wie das zum Entsetzen all
der feinfühligen Paternasen ja einmal geschehen sein
soll.“
Die ganze Jagdgesellschaft lachte herzlich, teils
über den bestraften Geiz der Pribbernower Herrin,
teils über die gekränkten Väter zu Wollin; wußten
doch die meisten, daß die Buße für das Vergehen
recht unliebsam hart ausgefallen war.
„Ja, Nachbar Sambor,“ rief jetzt Herr Tetzlav
von Zitzmar über den Tisch hin dem Wirte zu,
„das muß man dir lassen, du weißt deinen Gästen
etwas zu bieten. Dreißig Grauröcke, acht Schwarzkittel,
vier Hirsche, ein Wisent, zwei Honigschlecker,
drei Gänsediebe ohne all das andere Kleinzeug!
Eine ganz vorzügliche Strecke!“
„Und was das leibliche
recht,“ bemerkte dazu der wohlbeleibte Herr Radeslav
von Schleffin, indem er vergnüglich mit den
Augen zwinkte und mit der Zunge schnalzte. „Ich
bin aus meinen Pflaumenschnaps, dem selbst die
geistlichen Herren zu Wollin nicht abhold sind, nicht
wenig stolz, aber was ist der gegen deine Leckerbissen!
Wenn ich an den rosigen Seelachs, den saftigen
Frischlingsbraten und die fetten Näucherflundern
denke, die uns heute deiner Tochter Slavina
Küchenkunst auftischte, so lecke ich mir in Gedanken
noch immer die Schnauze."“
„Und die letzteren,“ bemerkte Herr Borant von
Karnitz, der großen Waldrodung, „gab's ganz gegen
das alte Sprichwort „Der Wind, der kommt
von Zitzmar her, in Horst
mehr“, denn schon drei Tage bekomme ich von dir
her den Wind, Nachbar Tetzlav. Wir werdrn morgen
Schlampwetter haben.“
Wohl anbetrifft, erst
Unser Dommerland
gibt's keine Flundern.
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„Mit den alten Sprichwörtern ist es nichts,“
meinte Herr Gützlav von Gützelfitz, indem er seidem
tiefsinnigen Ausspruch einen tiefgründigen Zug
aus der Metkanne folgen ließ.
„Nein, sie reden dennoch wahr,“ rief Herr Kasimir
von Moitzow, „oder stimmt es etwa nicht: Wie
im Polenpelz die Lause, sind in Pommern die
Wölse zu Hause? Leider,“ fügte der jagdfrohe Herr
wehmütig seufzend hinzu, „muß man hier und da
schon meilenweit reiten, um sich einmal ordentlich
mit den Schafdieben zu balgen. Früher soll's bei
mir und noch weiter nach Tressin hinunter noch eine
Unmenge von dem Geziefer gegeben haben. Denn
aus reiner Jagdliebhaberei haben meine Vorfahren
einmal Moitzow gegründet. Aber das verdammte,
den Deutschen abgeguckte Roden, das jetzt überall
einreißt, verdirbt einem die ganze Jagd. Fast das
halbe große Bruch hinter uns ist ja schon nackte
Kuhweide. Und dann noch dazu überall diese niederträchtigen,
breiten Abzugsgräben, die reinen
Wildfallen, über die auch kein Gaul hinüber willl
Möchte die böse Wasserfrau, der Teufel, wollt' ich
sagen, alle sogenannten Landverbesserer darin ersäufen!“
„Und das Kirchenbauen damit," rief Herr Dobislav
aus Muddelmow, indem er mit der Hand
auf den Tisch schlug, daß er erdröhnte. „Ist das
eine Schufterei mit den ewigen Stein= und Holzund
Lehm= und Sand= und Kalkfuhren! Die paar
aufgesparten arabischen Silberdirhems und Hackpfennige
gehen dabei flöten wie der Schnee in der
Märzsonne.“
„Und wenn die Geschichte nun fertig dasteht,
dann kommt das dicke Ende erst recht nach,“ ergänzte
Herr Bertkow von Zirkwitz. „Da heißt's:
Fütter' und kleide die Herren Pfaffen! Steuer' den
Zehnten hiervon und zins' den Zehnten davon,
Roggen und Gerste, Hirse und Haber, Gans und
Ente, Schaf und Wolle, Flachs und Leinen, Honig
und Wachs, Eier und Butter, Brennholz und Biehstreu,
Ostere#er und Weihnachtsplingen, Weideland
und weiß der Kuckuck, was noch alles! Wir Zirkwitzer
können ein Lied davon singen. Aber dafür
haben wir auch die Ehre, die erste Kirche hier im
ganzen Umkreise zu besitzen, höchsteigenhändig von,
dem frommen Herrn Bischof Otto gegründet.
Heda, Bursche! 'ne neue Kanne! Mir ist über all
den Sporteln und Gebühren ganz koddrig geworden!“
Des Zirkwitzers komisch kläglicher Herzenserguß
hatte verschiedene Wirkung. Einige der Herren
lachten belustigt über die halb scherz= halb ernsthaft
jammervolle Miene, mit der Herr Bertkow die schier
endlose Aufzählung seiner kirchlichen Lasten begleitete,
andere wieder blickten grämlich oder finster vor
sich nieder. Sie verglichen wohl die alte Zeit mit
der neuen. Da schlug Herr Dubnitz von Dresow,
ein alter, grauer Degen, mit der Kanne auf den
Tisch, um sich in dem Stimmengewirr der allgemeinen
Unterhaltung, die alsbald nach Herrn Bert-—