Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Beziehungen  zu  Rom  nad  Käfar.  25

fonnten  die  Berührungen  doch  nur  friegerifche  jein.  Sn  der
römischen  Welt  hatte  mittlerweile  Die  große  Revolution  ıhren  Gang
vollendet,  welche  die  Republif  und  das  Senatz-  und  Adelsregiment
in  eıme  Monarchie  ummwandelte,  und  der  erjte  wirfliche  Monarch
des  nunmehr  abgefchloffenen  römischen  Reichs,  Käfar  Auguftus,
fand  für  feine  auswärtige  Bolitif  als  wichtigjte  Aufgabe  vor,  das
Werk  jeines  Vorgängers,  der  diefem  Neich  Gallien  und  den  Rhein
al3  Grenze  gerwonnen  hatte  —  eine  Grenze,  die  durch  einzelne
Raubeinfälle  ftet3  gefährdet  erichien  —,  fortzujegen  und  zu  fichern.
Dies  führte  zunächft  auch  römische  Legionen  unter  Auguftus’  erjtem
Kriegemann  Agrippa  wieder  über  den  When,  führte  zur  DVerpflanzung
  der  römifch  gefinnten  Ubier  vom  rechten  aufs  Iinfe  Ufer,
zur  Verleihung  des  ttalischen  Bürgerrecht3  an  Die  Ubiergemeinde,
zur  Errichtung  der  Ara  Ubiorum  auf  dem  Boden  des  heutigen  Köln,
zur  Organifation  zweier  Militärbezirke,  Ober-  und  Niedergermanien,
zur  Neubefeftigung  alter  Keltenftädte  am  NAhein,  zur  Borfchiebung  der
Neichdgrenze  an  die  Donau.  Allein  ein  neuer  Einfall  der  Sigambrer
im  Sahre  12  vor  Chriftus  fcheint  in  Nom  den  Entichluß  oder  Die
Erkenntnis  gezeitigt  zu  haben,  daß  die  Sicherung  des  rheiniichen
Landes  und  die  Konfolidierung  Gallien  die  Ausdehnung  diejer
Eroberungen  bis  zur  Elbe  erheifche,  und  diefe  Bolttif,  die  Defenfive
nach  alter  römischer  Weife  offenfiv  zu  führen,  betätigte  fich  in  römischen
Angriffsitößen,  bei  denen  ein  Prinz  de8  Läjarifchen  Haufes,
Drufus,  Ruhm  erwarb.  Diefer  drang  im  Jahre  9  v.  Chr.  in  der
Tat  bi3  zur  Elbe  vor:  am  anderen  Ufer  ftand  fampfbereit  der
Heerbann  zweier  Stämme,  der  Zangobarden  und  der  Semnonen.
Weitere  Eroberungen  zu  machen,  lag  auch  nicht  in  der  Abficht
des  Drufug;  er  fehrte  um,  ftarb  auf  der  Nüdfehr.  Sein  Bruder
Ziberiug,  der  ihn  erjebte,  mißbilligte  diefe  Art  ansriffsweife  vorzugehen;
  ihm  genügte,  die  Teften,  die  Drufus  angelegt  hatte,  Alıfo
im  Zippegebiet,  die  Saalburg  im  Taunus,  überhaupt  die  bi  dahin
gervonnene  Stellung  zu  behaupten.

Sn  Ddieje  Zeit  fiel  ein  bemerfenswertes  Ereignis,  das  Deutlich
die  Wirkung  zeigte,  welche  die  Kenntnis  römischen  Wejend  auf  den