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Störungen des Impfgeschäfts, durch Witterungsverhältnisse bedingt, haben
im Allgemeinen in nur unerheblichem Maße stattgefunden. Hie und da diente
nasses, regnerisches oder stürmisches Wetter als Entschuldigung für Nichtgestellung von
Impfpflichtigen. Auch verursachte der Austritt des Oueis in einem Orte des Kreises
Lauban, sowie die Hochfluth der Elbe im Bezirke Dresden-Land eine Unterbrechung
des Impfgeschäfts. Im Ganzen hat jedoch die kühle Witterung, welche während der
Hauptimpfzeit vorherrschte und wiederholt eine künstliche Erwärmung der Impfräume
nöthig machte, einen günstigen Einfluß auf die Entwicklung der Pusteln ausgeübt.
Ansteckende Krankheiten, insbesondere Masern, Scharlach, Diphtherie
und Keuchhusten haben in fast allen Bundesstaaten, auch in allen preußischen Regierungsbezirken
mehr oder weniger große Störungen des Impfgeschäfts veranlaßt.
Abgesehen von dem Aufschub, den die Impftermine (in einem Dorfe des Kreises Naumburg
sogar die Nachschau) durch den Ausbruch jener Krankheiten häufig erlitten, konnte
in einer nicht geringen Zahl von Ortschaften wegen andauernden Herrschens derselben
das Impfgeschäft im Berichtsjahre überhaupt nicht zur Ausführung gelangen. Andernorts
mußten aus dem genannten Grunde nur Erstimpfungen auf das nächste Jahr
verschoben werden. Dort, wo die genannten Krankheiten nur geringe Ausbreitung
gefunden hatten, wurden allein die aus infizirten Häusern stammenden Impflinge von
den Terminen ferngehalten.
Windpocken störten in einzelnen Orten der Reg.-Bezirke Gumbinnen, Potsdam,
Köslin und Oppeln, im Glauchauer Bezirk und im Kreise Gießen etwas den Verlauf
des Impfgeschäfts. Wegen des Herrschens von Blattern im Kreise Heydekrug hielt
man es für angezeigt, die Impfung in 4 Ortschaften um vier Wochen zu verschieben.
Eine Epidemie von Lungenentzündung veranlaßte die Fernhaltung der Impfpflichtigen
eines Ortes des Kreises Darkehmen vom Impftermin, Ruhr die Verschiebung
des Geschäfts in Lenzen, Reg.-Bez. Potsdam. Zufolge einer Typhus-Epidemie erlitten
in 3 Impfdistrikten des Medizinalbezirks Döbeln und in Neustadt a. d. Haide
(Sachsen-Koburg-Gotha) die Impfungen eine Verzögerung. Endlich veranlaßten in
größerer Zahl auftretende Magen= und Darmerkrankungen den Amtsarzt von
Weiden (Reg.-Bez. Ober-Pfalz) für jene Kinder, welche während der Impfzeit erkrankt
waren, noch einen Nachtermin abzuhalten.
Eine Verbreitung ansteckender, Krankheiten durch das Impfgeschäft hat nach
den Berichten nirgends stattgefunden, wenigstens sind Uebertragungen den Impfärzten
nicht bekannt geworden.
Die Impftechnik. Die Operation, mittelst welcher geimpft wurde, ist immer
mehr überwiegend der einfache Schnitt gewesen, und nur noch vereinzelt kamen der
Stich oder komplizirtere — kreuz= oder gitterförmige oder kritzelnde — Schnittverwundungen
zur Amvendung, der Stich fast nur bei Benutung menschlicher Lymphe.
Im preußischen Kreise Pillkallen wurden des Vergleichs wegen bei Verimpfung
thierischen Impfstoffs neben anderen Impfwunden an demselben Impflinge auch Stiche
gemacht, wobei sich angeblich ein günstigerer Erfolg als beim Schnitt herausgestellt
hat. Aus dem Reg.-Bez. Magdeburg wird über eine Impfweise durch Schnitt „mit
nachfolgendem Schaben"“ und durch Kratzen berichtet; die erstere soll eine Entzündung
in der Umgebung der Impfpusteln im Gefolge gehabt haben. Der gerade oder schiefstehende
Kreuzschnitt war in Bayern während des Berichtsjahres noch vielfach im Gebrauche.
Als Instrumente wurden immer mehr einfache Messer von der Form der
Skalpelle oder auch Lanzetten benutzt, Nadeln fast nur noch zum Stich bei Verimpfung
von Menschenlymphe. Vereinzelt findet der Gebrauch einer Impffeder oder — in den