Kaiser und Reich. 517
die Garden. Ohne Gewehr, den Helm mit jungem Caube geschmückt,
zogen sie unter hellem Gesange einher.
Auch Kaiser Wilhelm, obgleich immer noch von Schmerzen gequält,
fuhr mit dem Grafen Lehndorff am 2. März nach Paris. Über Sevres
nahm er den Weg nach dem Point du Jour, um von hier aus nach
dem Triumphbogen und den Elpyseischen Feldern zu gelangen. Allein
alles war so unwegsam, verbarrikadiert und zertrümmert, daß mit dem
Wagen nicht durchzukommen war. Der Kaiser gab daher den Befehl,
bei der nächsten Courtine der Umfassungsmauer wieder in die Plaine de
Boulogne hinauszulenken. Er gab die Fahrt auf und kehrte nach Ver—
sailles zurück. Da langte auch am Abend noch die Nachricht an, daß
die Nationalversammlung in Bordeaux den OHräliminar-Frieden angenommen
hätte. Am nächsten Morgen war das unterzeichnete Dokument
in den Zänden des Kaisers. Demzufolge verließen die Deutschen am 5.
mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel wieder die französische Rauptstadt.
Auch über die ausrückenden Truppen nahm der Kaiser in Longchamps
die Harade ab. Nach dem Schlusse derselben ließ er die Generale
und Stabsoffiziere zusammentreten.
„Sie werden mit mir fühlen, meine Herren“, sagte er zu ihnen,
„unter welchen Eindrücken ich heute das Gardecorps wiedergesehen, nachdem
es sich mit einem Beldenmute geschlagen, der meine höchste Anerkennung
verdient, und die ich mich gedrungen fühle, gerade hier Ihnen
auszusprechen! Mit Schmerz vermisse ich viele Tapfere in Ihren Reiben;
denn solche Thaten, solche Erfolge verlangen Opfer. Wie ich es immer
vom Gardecorps erwartet, hat es auch diesmal das Beispiel in Tapferkeit,
HKingebung und Ausdauer gegeben, aber auch die ganze Armee hat
untereinander gewetteifert in Leistungen, die sich nicht allein den ruhmreichsten
Tagen der Geschichte anreihen, sondern uns auch zu einem
Siele geführt haben, welches durch den gestern vollzogenen ehrenvollen
Friedensschluß für alle Seit in der Geschichte unseres Haterlandes fortleben
wird. Daher gebührt dieser heldenmütigen Armee und Ihnen,
meine Berren, heute und hier insbesondere mein tiefgefühlter Dank
und meine volle königliche Anerkennung. Dergessen wir aber nicht,
daß wir alle der Dorselung unsern Dank schuldig sind, welche es
gewollt, daß wir die Werkzeuge waren, um so große welthistorische Ereignisse
herbeizuführen! — TLeben Sie wohl bis zum Wiedersehen in
der Heimat!“
Ja, auf die Beimkehr waren jetzt nach dem glorreichen Ende alle
Gedanken gerichtet. Wer sich frei machen konnte, reiste ab. Auch Kaiser