Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

323—324. 1611 157 
323. Der Kurfürst von Sachsen an den von Mainz. August19. 
Der mühlhauser Kurfürstentag ist wegen des Ablebens unseres 
. 29. September 
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Vorgängers vom 7./17. Juli auf den 9_ Oktober 
Wir waren entschlossen, den Tag persönlich zu besuchen und hatten bereits 
Quartier in Mühlhausen bestellt, erfahren aber nun sowol von dem Rate zu 
Mühlhausen als von unserm Amtsschösser zu Salza,! dass die Pestilenz 
nicht nur in der Umgebung sondern auch in der Stadt Mühlhausen 
selbst grassiertt und in dem für uns bestellten Quartier vier Häuser, 
wo unsere geheimen Räte und vornehmen Diener einquartiert werden 
sollten, infiziert hat. Wir machen E. L. davon Mitteilung und 
schlagen Derselben vor, es aus allerlei nötigen Ursachen zwar bei dem 
Termine zu lassen, die Malstatt aber nach Nürnberg zu verlegen. 
Dressden den 9. augusti a. 1611. — Praes. Aschaffenburg 26. aug.? 
Wmz., Reichstagsakten, Bd. 105, no. 5; Or. 
verschoben worden. 
324. Der Kurfürst von Mainz an Barvitius, Augus 28. 
Brömser hatte, als er vor seiner Abreise von Prag erfuhr, dass 
der Kaiser zu dem damals nahe bevorstehenden Kurfürstentag keinen 
einzigen Katholiken abordnen wolle? Euch erinnert,” beim Kaiser 
ı Nach dem Bericht des Schössers Stephan Kisch zu Salza starben in 
Mühlhausen vom 18./28. Mai bis 3./13. August 132 Personen (Drs., 1. 7387, 
II. Buch Kurfürstentags, f. 144 ; Or. eigh.). 
® Kurmainz antwortet am 26. August, dass er es bei diesem neuen 
Vorschlag bewenden lasse (Wmz., a. a. O., no. 7; Kpt.) und macht von der 
Veränderung der Malstatt gleichzeitig dem Kaiser (Wmz., a. a. O., no. 8; 
Kpt.), den Mitkurfürsten (Wmz., a. a. O., no.6; Kpt.) und am 27. August der 
Stadt Nürnberg Mitteilung (Nbg., Fehde-Akten, 8. VII, no. 646, f.1; Or.). — 
Die nürnbergischen Abgeordnsten beim Unionstag waren schon am 28. August 
von der Verlegung des Kurfürstentages nach ihrer Stadt verständigt worden; 
auch hörten sie, dass man bei dieser Gelegenheit den Kaiser aus Böhmen nach 
einer Reichsstadt bringen wolle. Sie rieten daher ihren Obern, bei Kurmainz 
die Seuchengefabr und den Mangel an Quartieren einzuwenden und die Kurfürsten 
nach Frankfurt zu weisen (Bericht der Gesandten vom 19./29 August; 
Nbg., a a. O. f.3; Or... Die Nürnberger schrieben noch am 20./30. August 
in diesem Sion an Kurmainz und betonten auch dabei die grosse Teurung 
in der Stadt (Nbg., a. a. O., f. 14; Kpt.); unmittelbar darauf schickten sie 
noch ihren Stadtadvokaten Dr. Oelhafen zum Kurfürsten, um den Kurfürstentag 
von ihrer Stadt abzuwenden (Oelhafens Werbung am 3. September bei den 
kurmainzischen Räten in Wmz., Reichstagsakten, Bd. 105, no. 39). Der Kur- 
fürst antwortete noch am 3. September, dass wegen Kürze der Zeit eine aber- 
malige Verlegung des Tages nur bei wirklichem Ausbruch der Seuche in der 
Stadt erfolgen könnte (Wmz, a. a. ÖO., no. 41; Kpt.). 
® Vgl. no. 215 mit Anm. 1 auf 8.509. Von Katholiken waren damals 
der Bischof von Speier, der sich entschuldigte, und Westernach in Aussicht 
genommen. Inzwischen liess der Kaiser auch mit dem Bischof von Bamberg 
wegen Teilnahme an der Kommission verhandeln, der sich am 22. August 
von Wolfsberg in Kärnthen aus zur Uebernahme der Kommission beıeit 
erklärte und zugleich — was für seine auch sonst wolbekannte Eitelkeit 
bezeichnend ist {vgl. A. Chroust, Abraham von Dohna, 8. 267) — bat, ihm 
das Direktorium der Kommission zu gönnen, da sie ihm sonst schwer fallon 
würde (Wh., Reichsakten ın genere, Bd. 34b; — Or.).