244 Eine gescheiterte Vermittlung des Königs von Württemberg. Napoleon und der Jar.
261. Drivatschreiben an Minister v. Manteuffel.
(Eigenbändig.)
· « 7.öuli1857.
S.S.erlaubeichmireinigetnitderReifedesKaiIersvonRuhlandzulammeus
bängende Nachrichten g. mitzuteilen.
In einem frübern Schreiben') meldete ich, daß Gr. Buol gegen Gr. Nechberg die
Absicht geäußert hatte, die Reise des Kaisers Alexander zur Herstellung besserer Be-
Jiehungen zwischen Oestreich und Rußland zu benutzen. Aus sicherster Quelle habe ich über die
Art, wie dieses versucht worden ist, Jolgendes in Erfahrung gebracht. Als Gr. Vechberg
in der Woche nach Dfingsten, ostensibel zum Besuche seines Bruders, nach Würtemberg ging,
bat er im Auftrage seines Cabinetes dem Könige von Würtemberg die Bitte vorgetragen,
der Vermittler Oestreichs bei dem Kaiser Alexander zu sein, und der erstre hat es über-
nommen, auf letztern in dem gewünschen Sinne einzuwirken. Bei der Anwesenbeit des
Kaisers in Wildbad ist dieß jetzt geschehn, aber ohne den gewünschten Erfolg. Der Kaiser
bat auf die Vorstellungen des Königs, welche ihre Begründung vorzugsweise den von der
Nevolution und eventuell von Grankreich drohenden Gefahren entnommen baben, erwidert:
Er bege keine feindfseligen Gesinnungen gegen Oestreich, habe aber auch keinen Anlaß zu
intimeren Sympathien, und bevor von einer Annäherung Rußlands an Oestreich die Rede sein
könne, müsse er andre „Garantien“ für die östreichische Politik haben als bishber. Wenn
aber auch Oestreich bereit wäre, diese Alöglichkeit zu gewähren, so werde sich der Kaiser
Alexander doch „à tout jamais“ nicht wieder auf eine Allianz zu Dreien mit der Srontstellung
gegen Grankreich einlassen. Sürst Gorczakow hat sich dann gegen den König von
Würtemberg noch weiter darüber ausgesprochen, daß Außland bestrebt sein werde, mit
Preußen und Grankreich in enge Beziehungen zu treten, welche darauf berechnet seien, den
Frieden und das Recht in Curopa gemeinschaftlich aufrecht zu erbalten; wenn Oestreich später
das Bedürfniß fühlen jsollte, ur Berfechtung derselben Grundjätze jener Verbindung als
Vierter beizutreten, so werde Rußland sich dem nicht widersetzen. Der König von Würtem-
berg selbst hat seinen für die Berständigung Oestreichs mit Rußland unternommenen Versuch
als completement raté befeichnet.
E. E. werden wohl schon von Baden aus erfahren haben, daß der General Rewbel auf
telegr. Befehl des Kaisers Aapoleon sich zur Begrüßung des Kaisers von Außland dort
eingefunden und das Bedauern des erstern darüber ausgedrückt hat, daß er nicht früher
gewußt habe, wie nahe der Klaiser!] von Alußland) der französischen Gränze gekommen,
und ihn daber nur durch den General begrüßen könne. Der Klaiser] Alexander hat er-
widert, daß sein Entschluß, nach Baden zu gehn, ein ganz plötzlicher gewesen, und daß es
ihm sehr leid thue, nicht schon bei dieser Selegenheit die perfönliche Bekanntschaft des.
Koifers der FSranzosen haben machen zu können.
Nach einigen mir von Eisenbahnbeamten in Betreff der Circulation und Aufstellung
der Hofwagen und sonst zugebenden ARotizen glaube ich annehmen zu dürfen, daß der
Kaiser Alexander bereits m Ende dieser Woche wieder hierdurch auf der Bahn nach
Heidelberg passiren wird, also vermutblich am 13. um Geburtsfest der Kaiserin-Mutter
in Wildbad ist.
Die leczten Nachrichten aus Hanover sind sehr eigenthümlich; ich höre, dah die
Wendung zu Oestreich perfönliche Holitik des Königs Georg, im Widerspruch mit Platens
1) Vgl. oben S. 234.