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Nachrichten aus den deutfschen Schuhgebieten.
(Abdruck der Nachrichten vollständig oder teilweise nur mit Quellenangabe gestattet.)
Deufsch-Dlkafrika.
WMissenschaftliche Sammlung.
Der Leutnant Hermann Trefurth hat dem
Zoologischen Museum in Berlin eine von ihm in
Deutsch-Ostafrika zusammengebrachte Naturalien-
sammlung überwlesen, die folgende Objekte enthielt:
2 Schlangen, 1 Kollektion Fische, 2 Arten Ameisen,
5 Fliegenlarven, 3 Rhynchotenlarven, 9 Orthopteren,
5 Tausendfüßer, 18 Krebse, 1 Kollektion Würmer,
Fragmente von Molluskenkörpern ohne Schale, eine
Columbella mit gut erhaltener Schalenhaut,
5 Schlangensterne, 2 Holothurien und 4 Arten
Schwämme.
Die Konservierung der Tiere war sehr gut.
Die Mehrzahl der Objekte bildet eine sehr
dankenswerte Bereicherung des Museums. Besonders
allt dies von den Schlangensternen, Holothurien und
Schwömmen, da hiervon erst sehr wenig Material
im Museum vertreten ist.
Kamerun.
Aus dem Bezirk TLolodorf.
Der bisherige Stationsleiter von Lolodorf, Leut-
nant Achenbach, hat im Juni d. Is. gelegentlich
einer Dienstreise den noch wenig bekannten Landstrich
Bipindl— Songepem—Dehane bereist. Seinem Be-
richt entnehmen wir folgendes:
Der zurückgelegte Weg führte wechselweise durch
Ur- und Buschwald, durch fast gänzlich horizontales,
gut bewässertes, aber trockenes Gelände. Die Flrüsse,
zur Zeit in ihrer Breite und Tiefe beträchtlich, zeigten
durchgehends feste Uferränder und festen, steinigen
oder sandigen Untergrund. Durch dankenswerte
Bemühungen des früher in Songepem, jetzt in
Dehane ansässigen Kaufmaonns Buschmann (von der
Firma Randad und Stem) war der Weg von den
Elngeborenen bereits ausgeschlagen und zur Zeit auch
gut gereinigt.
Von Osten nach Westen immer weiter vordrin-
gend, hat sich der Jaundestamm der Ewusog wie
ein Keil in die Bakokostämme zwischen Bipindi und
Songepem hineingedrängt, nicht zum Schaden des
Landes und seiner Entwicklung. Die Ewusog sind,
wie alle Jaunde, betriebsam und unternehmungs-
lustig, ein Volk, das im Aussteigen begriffen ist, im
Gegensatz zu den Bakoko, wenigstens denen links des
Njong, deren Dekadenz überall in die Augen füällt.
Es ist mit Gewißheit anzunehmen, daß die Jaunde
in einer kurzen Zeitspanne alle Bakoko (kaum mehr
1000 bis 2000 Köpfe) vom linken Nijongufer ver-
drängt haben werden.
Demgemäß finden sich wohlgebaute Dörfer mit
ausgedehnten Farmen nur bei den Ewusog, während
die Bakoko sich kaum die Mühe nehmen, die aller-
notwendigsten Lebensmittel anzupflanzen. Ihre
Dörfer bestehen nur aus wenigen, regellos durch-
elnanderliegenden halbzerfallenen Lehmhütten. Den
wenigst günstigen Eindruck machen hierin die Basso.
Das Land zeigt fast ausschließlich Urwaldcharakter,
nur auf der Strecke Songepem—Dehane unterbrochen
von ausgedehnten Buschwaldstrecken, die auf eine
frühere stärkere Besiedlung des Landes rückschließen
lassen. Die Neubesiedlung der Straße wurde als
Haupterfordernis für die Erhaltung derselben ange-
ordnet und sofort begonnen. Der Buschwald ist
überaus reich an Olpalmen der verschiedensten Arten.
Auch finden sich zahlreiche Weinpalmen und ver-
einzelt Kokospalmen. Im Urwald wird noch einiger
Gummi aus den Lianen gewonnen.
Alle die aufgezählten Vorteile des Landes sind in
dem auf dem Rückmarsch zwischen Songepem und Lolo-
dorf durchquerten Gelände nicht zu finden. Es ist
ein trostloser, schwach besiedelter Urwald mit geringem
Wildstand, steilen unwegsamen Höhen und unzähligen
Sümpfen, zu lohnendem Wegebau gänzlich ungeeignet,
ein Schlupfwinkel für Leute, die mit der Station in
irgend einen Konflikt geraten sind.
Zwischen Songepem und Dehane ist das Land
überreich an Wild, vor allem Elefanten, Büffel und
Zwergbüffel. Man schätzt die Zahl der in dem
Dreieck Songepem—Blpindi—Dehane als Standwild
vorhandenen Elefanten auf weit über 1000 Stück.
Die Ndogobesol und Japi sprechen die eigentliche
Bakokosprache, d. h. die Sprache des südbftlichen
Mwele. Die Basso haben ihre besondere Sprache,
ein Gemisch von Mwele, Duala und Jaunde. Nicht
alle können sich mit den Basso verständigen. Eine
natürliche Grenze zwischen den Bezirken Lolodorf
und Kribl ist demgemäß durch die Sprachgrenzen
gegeben.
Die Bakieli, der bekannte, nomadisierende Zwerg-
stamm im Urwald, ohne feste Wohnsitze und Farmen,
nur von der Jagd lebend, sprechen ihre eigene
Sprache. Die Ewusog sprechen, als Jaundeunter-
stamm, Jaunde.
Alle Bakoko huldigen dem Palmwein, den sie
mit der Rinde verschiedener zum Teil giftiger Bäume
G. B. Elün) zu einem überaus berauschenden Ge-
tränk machen. Der Palmwein wird meist aus einer
besonderen Palmsorte (Weinpalme) hergestellt, die
eigens zu diesem Zweck angepflanzt wird. Altere
Leute sind sehr häufig infolge des langjährigen Ge-
nusses dieses Getränks blödsinnig. Die Tageszeit,
in der dem Palmwein besonders zugesprochen wird,
ist der frühe Morgen. Der Jaundemann verschmäht
den Palmwein.