Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

Kunde vom Anmarsch der Expedition eine Gesandt- 
schaft mit Ziegen nach Bangato gesandt, welche ihm 
über die Weißen berichten sollte. 
Am folgenden Tage hatte ich einen Angriff der 
Bamana= und Basu-Leute zurückzuschlagen, was 
ohne diesseitige Verluste geschehen konnte. Eine Be- 
strafung meiner Angreifer in Form eines Streif- 
zuges auszuführen, hielt ich für außerhalb des 
Rahmens meiner Aufgabe liegend und zog daher 
vor, die Bitte um Frieden zu gewähren, welche schon 
am Nachmittag von einer Bamana-Gesandtschaft vor- 
getragen und kurz darauf von Basu wiederholt 
wurde. Die Strafzahlung in Form von 30 bis 
40 Körben Mais, etwa 400 Bund Planten, 90 
Ziegen und Schafen nebst 8 Rindern wurde daher 
angenommen. Die Uberbringer, etwa 700 Mann, 
erhielten durch den Dolmetscher in der Bangato- 
mundart eine ernste Verwarnung, worauf mir gesagt 
wurde, die Häuptlinge seien unschuldig an dem 
Uberfall, welcher gegen ihren Willen stattgefunden 
habe. Nachdem die Leute noch hatten mitansehen 
müssen, wie ein großer Teil der Tiere an Fongafa 
als Anerkennung seiner freundlichen Haltung 
geschenkt wurde, entließ ich sie. 
Zur Belohnung meiner Leute für ihr tapferes 
Benehmen, zur Herstellung gerösteter Fleischvorräte 
und aus politischen Erwägungen blieb ich bis 22. 
in Fongafa. 
Es kam mir darauf an, den Eindruck kennen zu 
lernen, welchen das Gefecht auf die umliegenden 
Stämme gemacht hatte. Derselbe war ein be- 
deutender, was im Interesse des Fortgangs der 
Expedition mit Freuden bemerkt wurde. Spätere 
Aussagen der von mir besuchten Stämme ergaben, 
daß der Erfolg vom 20. November den Weg frei 
gemacht hatte. Unter dem Elndruck des Gesechtes 
wurde Bangato plötzlich elfrig. Täglich erschienen 
zwei bis drei Gesandtschaften, und auch eine Ab- 
ordnung für Bamenda stellte sich ein, welcher 
ich ein Schreiben dahin mitgab. Der Weg nach 
der Station soll über Bangue, Kunda (2), Foka, 
Babadju vier bis fünf Tagemärsche betragen. Aus 
Bamum langte ungefährdet eine Gesandtschaft an, 
welche im Auftrage des Sultans feststellen sollte, 
ob ich durch Bangato gekommen wäre. Leider 
trasen mit dieser Gelegenheit die lange erwarteten 
photographischen Utensilien nicht ein, welche ich für 
diese Expedition bestellt hatte, aber erst in Duala 
vorfand. Der Oberhäuptling von Fonga übersandte 
einen großen Elfenbeinzahn und ließ melden, er sei 
krank, werde aber nach seiner Wiederherstellung sich 
persönlich einsinden. In der Tat erschien er auch 
am 23. in dem kleinen Dorfe Balong, das ihm 
unterstellt ist. Der Häuptling, Namens Gangmanji, 
machte einen vortrefflichen Eindruck und übertraf an 
würdevollem und zurückhaltendem Wesen, das aber 
fern von Furcht oder Mißtrauen war, alle seit 
Bamum gesehenen Häuptlinge. Er erbat und erhielt 
Medizin und entfernte sich dann vor Einbruch der 
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Dunkelheit. Der Weg nach Balong führte am 23. 
von Fongafa aus durch ein Hügelgelände mit steilen 
Auf= und Abstiegen aber trotzdem nur wenig Wasser- 
adern. Am Fuße des Batscha wurde hinter einem 
mit dem Berge ungefähr gleichlaufenden Hügelzug 
das große Fonja in reich angebautem engen Tale 
sichtbar. Die Hügel weisen bedeutenden Bestand an 
Olpalmen auf, die Hänge sind teilweise bewaldet, 
und Glimmer in kleinen Stücken tritt häufig offen zu 
Tage. Viele große und weniger ausgedehnte Farmen, 
Gehöfte und einzelne Häuser beweisen die Dichtigkeit 
der Bevölkerung, welche von Bangato ab aufgefallen 
war. Die Wege sind breit und in ganz vortreff- 
licher Verfassung wenn auch mit ungenügender Be- 
rücksichtigung der Geländeunebenheiten geführt. Dies 
alles machte den Eindruck geordneter Verhältnisse 
und sprach dafür, daß ein bedeutender Handelsplatz 
in der Nähe sel. Der Weg nach Fonkwe zeigte 
denselben Charakter der umgebenden Landschaft wie 
am 23., nur wurde dieselbe von zahlreichen Wasser- 
adern durchzogen, welche nach Südosten zu fließen, 
ohne daß ich aber erfuhr, in welchen Fluß sie 
münden. Weinpalmen an den Bächen sind häufig, 
das Gestein ist eisenhaltig. Die ganze Gegend trägt 
den Charakter eines hochgelegenen Hügellandes mit 
regellos aufgesetzten rundlichen Kuppen, welche durch 
tiefe und steile Einschnitte getrennt sind. 
(Schluß folgt.) 
Togo. 
Bildung einer Dandelskammer. 
In einer am 11. Juli d. Is. stattgehabten Ver- 
sammlung der Kaufleute ist eine Handelskammer von 
Togo gebildet worden, der bis jetzt acht in Togo 
ansässige Handlungshäuser beigetreten sind. 
Rüstenbahn in Vogo. 
(Vgl. Kolonialblatt Nr. 15, 1904.) 
Einem Bericht über den Stand der Bauarbeiten 
Anfang August entnehmen wir folgendes: 
Die Spitze der Kolonnen arbeitete etwa bei 
Kilometer 32, dlie Erdarbeiten waren bis Kilo- 
meter 26,5 fertiggestellt. Die flachen Böschungen 
haben sich gehalten, und bis zum Kilometer 10 zeigt 
sich auf denselben schon der Anfang einer Vegetation, 
so daß anzunehmen ist, daß die Böschungen trotz des 
sandigen Bodens sich von selbst besamen, und die 
Kosten für das Ansäen gespart werden können. 
Schwierigkeiten wegen des Grunderwerbs oder wegen 
sonstiger Entschädigungen haben sich bisher nicht 
ergeben. 
Auf der Strecke arbeiten etwa 500 Mann. Das 
weiße Personal ist unverändert. Der Gesundheits- 
zustand der Arbeiter war gut, derjenige des weißen 
Personals ließ zu wünschen übrig. 
 
	        
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