Der Bruch mit dem Kaiser. 301
fort Genüge leisten, sondern beschied ihn, seiner in acht Tagen zu
Ranshofen zu warten.)
In die Zwischenzeit, die Tage vom 1. bis zum 7. März 1176,
nun fällt allem Anscheine nach Heinrichs des Löwen denkwürdige
Unterredung mit dem Kaiser. Vielleicht hatte ihn Friedrich aufgefordert,
zu einer Besprechung nach Oberitalien zu kommen; der
Herzog war aber nicht darauf eingegangen: denn da er von vornherein
zu einer abschlägigen Antwort entschlossen gewesen zu sein
scheint, so wird er dem Kaiser wohl auch nicht so weit entgeßengekommen
sein, daß er sich fast bis auf den Kriegsschauplatz selbst
begab. Vielmehr hat sich Friedrich 1. in der Bedrängniß, in welcher
er sich befand, zu dem Versuche entschließen müssen, durch ein
mildes, freundliches Entgegenkommen seines trotzigen Vetters Sinn
zur Nachgiebigkeit zu bestimmen. So eilte denn er über die Alpen
und nach dem südlichen Baiern herniedersteigend kam er am Fuße
des Gebirges mit Heinrich dem Löwen zusammen, — vielleicht in
Partenkirchen. Schon in diesem Entgegenkommen, schon darin, daß
er dem mächtigen Herzoge gegenüber die Rolle des gebietenden und
Gehorsam fordernden Kaisers mit der eines bittenden Freundes vertauschen
mußte, lag für Friedrich etwas Kränkendes, Demüthigendes.
Daß die Unterredung dann nicht den gewünschten Erfolg
hatte, daß Friedrich vergebens über die Alpen geeilt war, um seinen
Vetter umzustimmen, dieser ihn vielmehr in stolzem, herausforderndem
Trotze abgewiesen oder seine Hülfe an unannehmbare Bedingungen
geknüpft hatte, die unglückseligen Folgen dieses Starrsinns
für beide Theile, — alles dies hat wesentlich dazu beigetragen, diese
Vorgänge in den Augen der Mit= und Nachwelt weit demüthigender
erscheinen zu lassen, als sie wirklich gewesen waren. Das geheimnißvolle
Dunkel, welches wohl schon für die Zeitgenossen diese
Zusammenkunft bedeckte, war nicht geeignet, Klarheit über das wirklich
Geschehene zu verbreiten und so mag es gekommen sein, daß —
wie sich ja an alle irgend wie außergewöhnlichen Erscheinungen das
„Soll“ und das „Man sagt“ so gern anheften — auch diese Unterredung
in dem Glauben des Volkes zu einer außerordentlicheren
und wunderbareren wurde, als sie in Wirklichkeit gewesen war. An
die Stelle des einfachen Factums, daß Friedrich I. vergeblich versucht,
durch eine Unterredung Heinrich zur Hülfe gegen die Lombar-Codexz
tradition. Reichersperg. in Mon. Boica III, p. 456.
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