Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Uummer  1

Die  britischen  Arbeiter  wünschen  nicht,  daß
Mesopotamien,  Palästina,  Armenien  und  Arabien
  wieder  unter  die  Tyrannei  der  Türkei  ge-„lungen.
  Konstantinopel  soll  ein  freier  neutraliserter
  Hafsen  werden  und  die  Dardanellen
unter  gleiche  neutrale  Verwaltung  gestellt  werden.

ke  Kolonien  Afrikas  sollen  durch  eine
inkernationale  Behörde  des  Völkerbundes  verwaltet
  werden,  der  für  die  Wohlfahrt  und  Entwoscklung
  des  afrikanischen  Kolonialstaates  zu  sorgen
  und  die  Eifersucht  der  verschirdenen  Staaten
aus  der  Welt  zu  schaffen  hat.  Das  seien  die
Mmdestbedingungen,  unter  denen  Deutschland
Freden  erhalten  würde.

Nach  leöhafter.  Aussprache  wurde  die  Denlschrift
  in  stimmung  angenommen.  Der
einen  der  Ausschuß  der  Arbeiterpartei  und
der  parlamentarische  Ausschuß  des  Gewerkschaftskongresses
  verfaßte  hierauf  ein  Telegramm  an
Huysmans,  den  Sekretär  der  Internationalen
sozialistischen  Bureaus  in  Stockholm,  in  dem
sie  ihn  bitten  die  Entschließung  der  Nonferenz
dem  Sowjet  in  Pekersburg  mitzuteilen,  ihm  die
heftige  Abneigung  des  Gewerlschaftskongresses
  und  der  Arbeiterpartei  gegen  einen
Sonderfrieden  zum  Ausdruck  zu  bringen
und  Braniing  davon  zu  verständigen.

Die  englischen  Atbeuer  haben  sich  sdmit  so
ziemlich  auf  das  Programm  der  englischen  und
französischen  Regierung  gestellt.  Es  sind  genau
die  Kriegsziele,  die  Llond  Georges  und  letzthin
Pichon  als  die  Gründe  bezeichneten,  die  zur  Fortsetzung
  des  Krieges  veranlaßten.  Die  Entschliebungen
  der  englischen  Arbeiterlonferenz  werden
auf  den  englischen  Kriegswillen  stärkend  einwirken,
  das  dürfen  wir  uns  nicht  verheimlichen.

–  —

De  Lase  in  Rußland.

Der  Bruchmit  der  Ukraine.

**  Bern,  29.  12.  Petersburger  Meldungen
  besagen,  daß  die  ukrainische  Fraktion  des
Zentralausschusses  der  Sopvjets  Petersburg
  verla  ssen  hat,  und  so  den  end-Lültigen
  Bruch  mit  den  Volkskommissaren  vollzogen.
  Das  Generalsekretariat  der  Ukraine  hat
in  Kiew  eine  ukrainische  Telegraphenagentur
errichtet.

Frankreichs  Arbeit  in  der  Ulrainec.

Peeter  burg=  29.  12.  (PF.)  Ein  am
11.  ds.  Mts.  abgefangenes  Diffriertes  Telegramm
  an  die  franz.  Militàrmission  an
der  rumänischen  F.  Fr  ront  enthielt  eine  Anweisuna
der  franz.  Regierung,  in  enge  Bez-  ehungen  zur
Mkrainischen  Rada  zu  treten  und  sie  mit  allen
ihr  zur  Verfügung  stehenden  Mitieln  zu  unterstützen,
  nachdem  die  Rada  sich  für  die  Aufreckterhaltung
  guter  Ordnung  und  den  Abschluß
  eines  Friedens  mit  der  Zustimmung
der  Allüerten  ausgesprochen  habe.  Die  Angebörigen
  der  franz.  Militärmission  handeln  im  engen
  Zusammenarbeiten  mit  der  Rada.  Auch  erhielten
  die  Franzosen  die  Weisung,  mit  allen
Mitteln  die  örtlichen  politischen  Vereinigungen

zu  unterstützen,  die  die  Kampfkraft  an  der  rnmänischen

  Front  zu  erhallen  suchen.

Die  Franzosen  wollen  durch  das  Zusammenarbeiten
  mit  den  kürzlich  geschaffenen  örtlichen
Verwaltungen  den  Schein  an  der  russ.  Front
bis  Februar-März  wahren  und  den  endhültigen
  eschluß  eines  Wasfenstillstandes  hinter-=treiben,
  um  im  Frühjahr  den  deutschen  Vorbereitungen
  zu  einem  Frühjahrsfeldzug  an
der  Westfront  zuvoräulommen,
Frühjahr  die  Lage  für  den  Abschluß  eines  allgemeinen
  Friedens  günstiger  sein  würde.  Nach
den  Betechnungen  der  Franzosen  werden  die
Ukrainischen  Truppen  die  rumänische  Front  und
die  Gebiete  am  Don  halten.  Es  wurde  eine
Sondermission,  bestehend  aus  einigen  französischen
  Offizieren  dazu  kommandiert,  um  mit
Zustimgung  der  kosalischen  Militärregierung
die  Belieferung  der  rumänischen  Südfront  mit
Kohle  und  Lebensmitteln  zu  gewährleisten  und

besonders  zur  Verproviantierung  der  Kosalenquartiere

  100  0O00  Pud  Getreide  zu  liefern.

Die  Nan  osen  versichern,  daß  die  Wunänen
einem  8  nstillsiand  eifrig  zustimmen,  was
von  neuem  beweise,  daß  im  geheimen  von  den
Mliü#ierten  und  von  den  Rumänen  Versuche
gemacht  wurden,  um  Besprechungen  über  einen
Sonderfrieden  mit  Denischland  herbeizuführen.
  Was  die  Engländer  angeht,  so  haben
  ihre  Ambulanzen  und  Sanitätsabteilungen
jetzt  bestimmte  Anweisungen  aus  London  erhalten,
  sich  zurückzuziehen,  und  unsere  Fronten
zu  verlassen.

Dieses  Telegramm  Heweist  nicht  nur,  daß  die

Allilerten  in  nachdrücklichster  Weise  alle  gegen

den  Frieden  und  die  Arbekiterre
kerung  gerichteten  Bestrebungen  unterützten,
  sondern  auch,  daß  die  Rada  unter
Vorwand  der  Verteidigung  der  nationalen
  Freiheit  (die  niemand  irgendwie  bedroht
hat),  Hand  in  Hand  geht  mit  den  Engländern
und  Franzosen,  um  die  Interessen  der  reichen
Bauern  und  der  bürgerlich'n  bellektusslen  vor
den  Angriffen  der  armen  Bal#ern  und  Arbelter
5  bewahren.  Das  Telegramm  trägt  dazu  bei
Rada  vor  den  ukrainischen  Soldaten  als
einen  der  Nankespinner  gegen  den  Frieden  bloß.
tellen.  Hegen  den  uwerschämten  Kingriff

Dleitzügen  herausgeschossen.

da  nachher  im

Rosenlseimer  Anzelgek

der  franz.  Generale  werden  die  schärfsten  Maßnahmen
  ergriffen;  die  franz.  Mission  wird  ersahren,
  daß  Rußland  dnicht  Afrika  ist.

die  —

W,  Froßes  Hauptquartier,  den

30.  12.  Anitlich.  (Drahtbericht.)
Westlicher  Kriegsschauplatz.

Im  Oberubegen,  südlich  von  der  Scarpe,  und
auf  dem  östlichen  Magsufer  war  die  Artillerietätigkeit
  zeitweise  gesteigert.

Kleinere  Erkundungsgesechte  an  der  englischen
  Front  und  in  den  Argonnen.

Mazedonische  Front.

Nordwestlich  von  Monastir  und  am  Doiransee
  lebte  das  Feuer  vorübergehend  auf.

talienischer  Kriegsschauplatz.

Am  Tomba-Rücken  und  im  Piave-Abschnitt
beiderseits  von  Pederobba  ent  Hielten  sich  am
Nachmittag  heftig-  Artillerie=  und  Minenwerferlämpfe.


Lubendorsf.
Abendbericht.

HMHTB.  Berlin,  30.  12.,  abends.  Amtlich.

Zwischen  Marcoing  und  La  Vacquerie  nahmen
  unsere  Truppen  in  örtlichem  Vorfioß  die
vordersten  englischen  Gräben  und  machten  einige
  hundert  Gefangene.

Zagenbrr  heftiger  Feuerkampf  am  Monte
Tom

 

WTB.  Wien,  29.  12.  mittags.  Amtlich  wird
gemeldek:

Italienischer  Kriegsschauplatz.

Ein  durch  starkes  Artillerie-und  Minenwerferfeuer
  vorbereiteter  feindlicher  Angriff  gegen
die  Höhen  östlich  des  Monte  Tomba  wurde  abgewiesen.


Wie  schon  öfters.
tal  in  krimolano  das
tillerie.

war  auch  gestern  unser  Spi-JZiel
  der  feindlichen  Arb

  Der  Chef  des  Generalstabs.

Der  Krieg  zur  see.
30000  Tonnen  versenkt.
H#  Berlin,  29.  12.  (Amtlich.)  Unsere  U-Boote
  im  Mittelmeere  haben  wiederum  neun
fast  durchwegs  bewassnete  Dampfer  von  zusammen
  über  30000  Br.  Reg.  To.  versenkt.
Die  Dampfer  wurde:  meist  in  schneidigem  Ueberwassernachtangriff
  aus  stark  gesicherten  Ge-Alle
  Schiffe  waren
tief  beladen.  Ein  Dampser.
solinöl  geladen  hatle,  war  i  fort  nach  dem  Treffer
  in  hohe  Flammen  gehülit.  Ganz  besonders
wurde  der  Transportverkehr  im  westlichen  Mittelmeer
  gesaßt.
Der  Chef  des  Admiralstabs  der  Marine.

Drei  englische  Zerstörer  vernichtet.
London,  2).  12.  (NReuter.)  Die,  Admira-Ität
  teilt  mit:  In  der  Nacht  vom  22.  auf  den
"  ds.  Mts.  si  vor  der  holländischen  Küste
"  |  nebligem  Wetter  drei  britische  Zerstörer
  auf  Minen  lausen  oder  torpediert
worden.  Dabei  sind  13  Offiziere  und  100
Mann  umgekommen.
(Damit  wird  die  schon  vor  einigen  Tagen  gebrachte
  Meldung  von  der  Vernichtung  der  britischen
  Zerstörer  jetzt  von  amtlicher  englischer
Seite  bestäligt.  D.  Red.).

—  —

die  ümnse  ia  Ilallen.
Vergebliche  Gegenangriffe
der  Italiener.

An  der  italienischen  Front  versuchten  die
Italiener  wieder  einmal  zwischen  Brenta  und
Piave  sich  der  bedrol'ichen.  Umtlaimmerung
durch  die  Verkunoeten  mittels  BG  enangriffen
  gegen  die  Höhen  östlich  des  Monte  Tomba
zu  erwehren.  Hier  drangen  die  Deutschen  und
Oesterreich=  Ungarn  am  weitesten  vor.  Von  dem
langgestreten  Tomba-Rücken  aus  seben  ihre
Artilleriebeobachter  bereits  in  die  ital.  Ebene.
Der  Angriff,  der  Italiener  blieb  jedoch  trotz  des
starken  vorbercitelen  Feuers  ergebnislos.  Die
Verbündeten  setzten  sich  mit  Hilfe  der  croberten
  italienischen  Stellungen  auf  dem  Tombg=Rücken
  fest,  daß  weder  die  schweren  Kaliber,  die
von  der  Ebene  herauf  wirkten,  noch  die  Gebirgsgeschütze,
  die  die  Italiener  31  flanlierender
  Wirkung  auf  den  Monte  Pallone  schaffen,
ihre  Stellungen  erschüttern  konnten.  Als  die
Italiener  auß  ihren  Stützpunkten  vorstürmten,
brachen  sie  reihenweise  im  Malchinengewehrfeuer
  zusammen.

Die  Ersolge  unserer  Seemachl
im  Jahre  1917.

Den  beiden  ersten  Jahren  des  Seciriegee
drücken  die  Gefechte  bei  Corpnel  und  den  Falklandsinseln
  sowie  die  Serlchactt  vor  dem  Skaerrak
  ihren  Etempel  auf.  Bei  ECoronel  und  den
Frs  zeigte  Graf  Spce,  wi  e  deutsche
ampfen  und  auf  Aicrenn  Posten

 

leute  zu

 

 

bis  zum  letzten  Alemzug  aushaltend  zu  sterben  «

wissen  —  in  der  Seeschlacht  vor  dem  Skagerrak
zeigte  dagegen  der  glüllichere  Held,  Scheer,  daß
sie  auch  gegen  eine  mehr  als  dreifache  Uebermacht
zu  Hegen  wissen.  Ist  Graf  S.  Spee,  der  ideale,  von
Anfang  an  dem  Untergang  geweihte  Held  der
Flotte,  berufen  durch  sein  Vorbild  etwa  wie
Schill  au  wirken-  so  ist  Scheer  der  deutiche  Seebeld
  des  Erfolges,  dessen  Tat  nicht  nur  wie  die
des  Grafen  Spee  die  Herzen  höher  schlagen  läßt,
sondern  die  einen  Moristein  in  der  Weltgeschichte
darstellt.  Denn  durch  die  Schlacht  vor  dem  Slagerrak,
  nach  der  sich  die  englische  Flotte  der  deut.
d  en  nie  wieder  zum  Kampf  gestellt  hat,  ist  der
Nimbus  von  der  Unbesiegbarkeit  der  englischen
Flotte,  die  von  Nelson  in  seinen  weltgeschichtlichen
  Schlachten  b2i  Abulir  und  Trafalgar  begründet
  wurde,  in  Stüce  geschlagen.  Das  war
aber  letzten  Endes  nicht  nur  eine  Tat  deutschen
Mannesmutes,  sondern  auch  eine  Tat  deutschen
Wissens  und  Kömens.  Gesiegt  hat  in  der
Schlacht  vor  dem  Slagerraĩ  au  chdas  deutsche
Schiffsmaterial  und  mit  ihm  die,  die  es  geschaffen
  haben:  der  deutsche  Universilätsprofessor
und  die  deutschen  Hochschulen.

Ist  England  seit  der  Skagerralschlacht  auch
n#ht  mehr  Herr  der  See,  der  es  mehr  als  100
Jahre  unbestritten  gewesen  ist,  so  war,  zumal
bei  seiner  „being  flert“  Takiik.  die  die  Flotte
nicht  aufs  Spiel  setzt,  um  sie  bio  zum  Kriegsende
  ederz  eil  in  die  Wagschale  werfen  zu  lönnen,
doch  seine  Macht  nicht  gebrochen.  Und  noch  w
niger  der  englische  Troh  und  das  nglssche
Machtgefülll.  Das  zeigte  so  recht  die  hochmütig
herausfordernde  Ablehnung  des  Todherzigen
deutschen  Friedensangebotes  vom  12.  Dezember
1916.  Von  neuem  beinndete  sich-  darin  der  Vernichtungowille
  Englands  gegen  Deutschland,  den
noch  jeder  ersahren  hat,  der  es  gewagt  hat,  Englands
  Alleinherrschaft  aus  der  See  und  auf  wirtschaftlichem
  Gebiet  anzutasten.

So  zwang  England,  letten  Endes  Deutschland
zum  Heil,  uns  den  Entscheidungskampf  auf.  Die
Aufgake,  ihn  zu  führen,  jiel  der  jüngsten  deutschen
  Wasse,  dem  Unterseeboot,  zu,  an  deren
Ausbau  und  Vollendung  in  sichrer  Erwartung
der  kommenden  Entwicklung  seit  Kriegsbeginn
zielbewußßt  gearbeitet  worden  war.  Die  letzte
Höchstleistung  deutschen  technischen  Könnens  war
mit  ihm  deutschen  Seeleuien  zum  Kampf  für  das
Vaterland  in  die  Hand  gegeben.

Die  deutsche  Antwort  auf  Englands  Ablehnung
  des  deutschen  Friedensangebotes  war  die
Erklärung  des  uneingesch  räniten  II-Beot-Krieges
am  1.  Februar  1917,  in  dem  nach  langer  sorgfältiger
  Prüfung  Admiralstab  und  Oberste  Heeresleitung
  das  Mittel  gefunden  haben,  um  den

 

 

Feind,  besonders  England,  einem  Frieden  geder

  ossenbar  Ga-1



mien.

 

neigt  zu  machen,  wie  wir  ihn  brauchen.  Eine
Ricsenaufgabe  war  damit  der  deutschen  U.Boot-Wasse
  zugefallen.  Es  galt,  die  feindliche  und  die
im  Dienst  des  Feindes  fahrende  neutrale  Tonnage,
  also,  da  die  meisten  Meutralen  sich  den
Zwangsmaßnahmen  der  Eniente  defügt  hatten,
den  größten  Teil  der  Welitonnage  in  kürzester
Zeit,  ehe  ein  Ersatz  durch  Neubauten  möglich
war,  derart  durch  Versenkung  zu  vermindern,
daß  die  Frinde,  besonders  England,  den  Krieg
als  aussichtslos  erkemen  mußten.  Das  Endergebnis
  des  ersten  Jahres  hat  die  am  Enfang
gcbegten  Erwartungen  meit  übertroffen.  Das
erreichte  durchschni:  tliche  Mratsergebnis  von
850  000  Tonnen  üb:  Srichreitet  den  Voranschlag
des  Admiralstabes  s  für  die  Anfangsmonate  von
600  000  Tonnen  um  mehr  als  zwei  Fünftel.  Vom
1.  Jannar  bis  1.  November  sind,  die  nachträglichen
  Meldungen  von  Schiffsversenlungen  mit
eingerechnet.  8  088  000  Br.-R.-T.  verlsentt.  Rechnet
  man  für  die  Monate  Novomer  und  Dezember
  nur  die  Zahl  des  Voranschlages,  so  ergibt

l  sich  eine  Jahresbeute  von  rund  9.3  Millionen

B.-R.-T.,  etwa  ein  Viertel  der  Welttomage,
o  fast  das  Doppelte  der  5,5  Mill.  Tonnen
betragenden  Tonnage  der  deutschen  Handelsfloite
  zu  Beginn  des  Krieges.
*  Das  scharfe  Zugreifen  hat  auf  unsere  Feinde
durchaus  die  erwartete  Wirkung  gehabt.  Schiffsfrachten
  und  Versicherungsprämien  stiegen  auf
dem  Frachtenmarkt  der  Welt  zu  so  schwindelnder
Höhe,  daß  Niesensummen  aus  englischer  Tasche
in  die  Taschen  der  neutralen  Reeder  flossen  und
daß  die  englische  Regierung,  um  der  Ausbeutung
des  Landes  durch  die  englischen  Reeder  vorzubeugen,
  sich  genötigt  sah,  den  englischen  Schiffsverkehr
  zum  größten  Teil  in  ihre  Hand  zu  neh-Weiter
  bewirkte  der  U-Boot-Krieg  eine
starke  Verteuerung  und  sogar  teilweise  Mangel
  aller  überseeischen  Zufuhren,  die  zur  Stilllegung
  zahlreicher  Industrien  und  zu  steigenden
Ernährungsschwierigkeiten  besonders  in  England
geführt  hat.

-  (Schluß  folgt.)

Hof-  und  Persougluachrschlen.
München,  30.  Dezbr.

Eintragung  in  die  Adelsmatrikel.
In  die  Adelsmatrilel  wurde  eingetragen  am  20.

 

Dezember  1917  der  Oberleutnant  der  Neferve

und  Kompagnieführer  in  einem  Reserve-Inf.=Regiment

  Karl  Ritter  von  Abt  für  seine  Person

  als  Ritter  des  K.  Militär-Mar-  Joseph-Ordens
  bei  der  Sütterklasse- 



–  —  —  —  —

 

Diensfatz,  r.  Jäntnde  r##

NMünchener  Neuigkeiten.
#llünchen,  30.  Dezbr.

Ein  Verbrecken?  Halb  erstarrt  und  bewußtlos
  wurde  in  einem  Hausgang  an  der  Maillingerstraße
  nach  Aufschließen  der  Hausto
einem  Metzgerkarren  liegend  die  11  e
alte  Ingenieurstochter  Ceiger  aufgefunden.  Das
Mädchen  wurde  in  das  Krankenhaus  eingeliefert.
  Ob  ein  Verbrechen  oder  Unfall  vorliegt,
  ist  noch  nicht  ausgellärt.

Mordversuch.  Am  Sonntag,  abends
nach  6  Uhr,  wurde  auf  der  Straße  zwischen  Feldtirchen
  nach  Riem  eine  25  Jahre  alte  Frau,  namens
  Vinder,  von  ihrem  Ehemann,  ohne  vorherigem
  Streit  überfallen  und  durch  zahlreiche  Messerstiche
  schwer  verletzt.  Der  Täter  floh.  Einzelheiten
  fehlen  noch.

Selbstmord.

 

 

 

In  ihrer  Wohnung  an  der

Windenmacherstraße  hat  sich  am  Sonntag  abend

eine  46  Jahre  alte  Delitateßgeschäftsinhaberin
aus  Schwermut  mit  Leuchtgas  vergiftet.

 

Tagesbefehl  des  Rönigs.

Zum  vierten  Male  entbiete  Ich  in  h  "0t
Kriegszeit  Meinem  heldenhaften  Heere  ar
Schwelle  eines  neuen  Jahres  Meine  und  der
Königin  Glück=  und  Segenswünsche!

Mehr  als  ein  Jahr  ist  verflossen,  seitdem
im  Gefsühle  ihrer  überlegenen  Kraft  die
verbündeten  Mächte  die  Hand  zum  Frieden  boten:
  als  zerschmetternde  Faust  traf  die  zurückgestoßene
  Hand  im  Osten,  im  Westen  und  im
Süden  unsere  Feinde.

Dankerfüllten  Herzens  gedenle  Ich  Meiner
tapseren  Bayern,  die  an  den  glänzenden  Erfolhen
  des  Jahres  1917  ruhmreichen  Anteil  genommen,
  die  in  zäher,  entsagungsvoller  Abwehr
  wie  im  unwiderstehlichen  Angriff  ihre
Treue  und  Tüchtigleit  bewährt  haben.  Aber
auch  all  den  Kämpfern  und  Helfern  hinter  der
Front  und  in  der  Heimat,  den  Frauen  und
Kindern,  die  ihre  Kraft  freudig  in  den  Dienst
der  Vaterlandes  gestellt,  haben,  gebührt  Mein
Dank.  In  tiefer  Wehmut  trauere  Ich  um  die
Besten  Meines  Vo  lees,  die  Leben  und  Gesundbeit
  dem  Vaterlande  geopfert  haben.

Wenn  auch  die  Frucht  zu  reifen,  wenn  im
Osten  die  Morgenröte  eines  gerechten  Friedens
zu  tagen  beginnt,  —  noch  sind  wir  nicht  am  Ende.
  Ein  harter,  ciniger  Wille  und  das  Bewußtsein
  unserer  gerechten  Sache  wird  uns  mit  Gottes
  Hilfe  auch  fernerhbin  die  Kraft  geben,  zu
opfern,  zu  kämpfen  und  zu  siegen,  bis  wir  den
Frieden,  den  wir  brauchen,  uns  erzwungen  haben.


Meine  innigsten  Wünsche  begleiten  Meine
tapfere  Armee  und  Mein  treues,  ltandhaftes
Volk  in  das  neue  und  —  Gott  geb=  es!  —
letzte  Kriegsjahr!

München,  29.  Dezember  1917.

Ludwig.
von  Hellingrath.

 

Ba#cische  Rochrigien.

An  Tollwut  gestorben  ist  in  Burgau
die  60  Jahre  alte  Oekonomensgattin  Genovefa
Lipp.  Sie  ist  das  zweite  Opfer  der  hier  ausge
brochenen  Tollwut.

 

1
Etenziandc.

Salzburg,  29.  12.  Unfal.  Am  Sonntag
nachmittag  vergnügten  sich  die  beiden  Vollsschüler
  der  3.  Klasse  Josef  Schatzberger  und  Johaun
  Tonner  auf  einem  Teich  nächst  dem  Schernbrandtnergut
  in  Itling  mit  Scklittschuhlaufen.
Sie  wagten  sich  dabei  auch  auf  eine  Stelle,
an  der  Eis  geschnitten  worden  war.  Beide  hrachen
  auf  dem  dünnen  Neueis  ein  und  ertrann.

Bayerisches  Oberland.

Vomm  Chiemsec,  30.  12.  Einbruch.  In  der
Helligen  Nacht  und  am  Weihnachtsmorgen  wurde
  im  Landgut  des  Benediktinerinnenklosters
Frauenwörth  zu  Mitterndorf  bei  Gstadt  eingebrochen.
  Wachtmeister  Schmid  von  Breitbrunn
holte  mit  mehreren  zur  Hiifeleistung  erschienenen
Männern  aus  dem  Heuschober  zwei  junge  Burschen
  heraßts,  die  dort  auch  ihren  Raub  versteckt
hatten.

Urannenburg,  29.  Dez.  Weihnachtsfeier
  im  Erholungsheim  des  Bayer.
Postperbandes.  In  dem  hernich  gelegenen
  Erholungsheim  des  Bayer.  Postverbandes
in  Brannenburg  fand  am  Sonntag,  den  23.  ds.
Mts.,  abends,  eine  Weihnachtsbescherung  für  die
dort  Furzeit  befindlicken  Verwundeten  u.  Kranken
  statt.  Durch  zahlreiche  Zuwendungen  der
Frauen  der  Mitglieder  des  Bayer.  Postverba
des  sowie  der  Einwohner  des  prächtigen  Aclewar
  es  möglich,  einem  jeden  der  Krieger  reiche
Gaben  zu  spenden,  welcke  mit  sichtlichem  r
gefallen  uad  m  mn
nommen  wurden.  Ver  ne  von  Brannen- 



bunger  jungen  Domen  vor  etragene  Dich-.
  tungen  und  nssal  E  Frtungen  trugen
wesentlich  zur  Erhöhung  der  Festftimmug

7