Der Fürstentag. — Schleswig-Holstein 115
keit zueinander, endlich für Holstein noch die Verbindung mit Deutschland
bewahrt und wollten jetzt nach ihrem Erbrechte eine andere
Linie, die Augustenburgische, als Herzöge von Schleswig-Holstein,
unabhängig von Dänemerk, folgen lassen. Wie schon einst 1848, ergriff
jetzt die ganze öffentliche Meinung Deutschlands Partei für das
deutsche Land, das verloren zu gehen drohte. Gestützt auf auswärtige
Allianzen, glaubte Christian IX. den Einspruch und Anspruch
Deutschlands übersehen zu dürfen und blieb fest bei der Einverleibung
der Herzogtümer. Diese Gelegenheit ergriff der deutsche
Bund, um einen kräftigen Beweis seiner Lebensfähigkeit zu geben;
er beschloß Bundesexekution in Holstein und beauftragte Sachsen
und Hannover mit der sofortigen Durchführung derselben. Als
Mitglieder des deutschen Bundes waren auch Österreich und Preußen
dabei beteiligt. Bismarck war aber nicht gewillt, Preußen ins
Schlepptau zweier kleinerer Königreiche nehmen zu lassen, er meinte
überdies da eine Gelegenheit zu haben, die österreichische Politik
prüfen zu können. Er schlug in Wien vor, die Exekution selbst, ohne
Rücksicht auf die Beschlüsse des Bundestages, vorzunehmen und
zwar energisch; er wollte Deutschland nicht der Blamage einer lendenlahmen
Exekution aussetzen, die vor der Grenze Schleswigs
Halt machen mußte. Aber Österreich zögerte zuzustimmen. Da erklärte
er, eventuell auch ohne Österreich die Elbherzogtümer befreien
zu wollen. Das wirkte. In heiliger Angst, Preußen könnte allein
irgendeine Rolle spielen, nahm Osterreich die gebotene Hand an und
zeigte sich bereit, über die Beschlüsse des Bundes hinaus, sich an dem
Angriff gegen Dänemark zu beteiligen.
Der Feld zug von 1863/64 begann; zuerst war die militärische
Ehre ganz auf der Seite Österreichs, dann wurden dessen Truppen
in Jütland festgehalten, während bei Düppel und auf Alsen die
neue preußische Heeresorganisation ihre Feuerprobe bestand. Dänemark,
vom Auslande im Stich gelassen, mußte sich beugen und auf
die beiden Herzogtümer verzichten. Ein neuer Zankapfel war damit
zwischen Österreich und Preußen geworfen; ersteres wollte loyal
nach seinen früheren Absichten den Augustenburger dort als Herzog
einsetzen. Dafür hatte aber Bismarck nicht preußisches Blut vergossen,
um an der Nordgrenze einen neuen, überdies österreichfreundlichen
Kleinstaat, errichten zu lassen. Er wußte sich so zu
drehen und zu wenden — der Augustenburger half ihm mit großem
politischem Ungeschick — daß er Widerstand leisten konnte, ohne
geradezu als doppelzüngig dazustehen. Er schlug dem Donaustaate