Knprema lex regis voluntas. Motites Tod. Die „Bismarck-Woche“ (1882. 600
österreichischen Bündnisses. Aber nicht minder stürmisch als in Nord= und Mitteldemschland
und in Osterreich, ward der Fürst im Süden unseres Vaterlandes, in
Bayern, umjubelt und gefeiert, im katholischen München, im protestantischen Augsburg,
im sränkischen Kissingen, an jeder Haltestelle seiner Neise. Dem König von Sachsen und
dem Prinzregenten von Bayern hatte der Fürst schon von Friedrichsruh aus angezeigt,
daß sein Aufenthalt in Dresden und München zu kurz sein werde, um eine Andienz
nachzusuchen. Und beide Herrscher hatten darauf in gnädigen Handschreiben geantwortet.
Dagegen mußte Fürst Bismarck sich im höchsten Grade verletzt und beleidigt
fühlen, als ihm, offenbar infolge eines Winkes ans Berlin, die in Wien beim Kaiser von
Osterreich nachgesuchte Andienz verweigert wurde; bei einem Herrscher, mit dem Fürst
Bismarck seit vierzig Jahren in amtlichen und persönlichen Beziehungen gestanden
hatte, und der gegen ihn stets freundlich und gnädig gewesen war. Auch die plötzliche
Absage des deutschen Botschafters Prinzen Reuß in Wien und der übrigen Herren
der deutschen Botschaft, welche zur Hochzeit geladen waren und bereiks angenommen
hatten, konnte nur auf direkte Einwirkung von Berlin erfolgt sein. Dem gerechten
Groll über diesen schweren persönlichen Unglimpf, diese gesellschaftliche Achtung durch
die Regierung des Cnkels Kaiser Wilhelms des Alten, gab Fürst Bismarck einen
seiner titanischen Natur entsprechenden Ausdruck. Vor einem Berichterstatter der „Neuen
Freien Presse“ in Wien und der „Allgemeinen Zeitung“ in München verurteilte er die
ganze Politik des neuen Kurses schonungslos (s. S. 680). Da blieb kein guter Faden
übrig; salsch waren die Ideen, unfähig die Männer, stümperhaft die Ausführung.
Ungeheures Aussehen erregten diese Aussprachen. Weitaus überwiegend war die Zustimmung
der öffentlichen Meinung, der Presse des In= und Auslandes, selbst der
englischen. So sagte das führende Blatt der nationalen Partei Württembergs, der
„Schwäbische Merkur“, unter der Uberschrift: „Die Bismarck-Woche“:
„Fürst Bismarck ist nun am Kissinger Heilquell angelangt; seine Reise ist dami#t zu Ende, und
die Thatsache steht fest: er ist heute noch der populärste oder vielmehr der einzige wirllich popnkäre
Mann Deulschlands; es gibt keinen andern, dessen Ankunft ein Ereignis von so durchschla.
gender und lange nachzitternder Wirkung ist; keinen, bei dessen Nahen es heißt: Das Vokk sieht
auf, der Sturm bricht los! Wer das nicht glaubl, wer sich für ebenso populär hält oder für noch
populärer, nun, der mag die Probe einmal machen.... Da wird der Wunsch immter inniger und
dringlicher, das trotz aller entgegenilehenden Schwierigkeilen der unleidliche und geradezu gefähr
liche Zustand, der jetzt besteht, beseitigt werde, daß endlich ein Ansgleich zwischen dem Kaiser
und seinem früher von ihm selbst so hochgehaltenen Kanzler folgen möge, der ohne die ihm
widerfahrene anscheinende Geringschätzung so manches herbe Wort nicht gesprochen hätte!“
Die deutschfreisinnige und ultramontane Presse aber schrie über angeblichen
„Landesverrat“ des Fürsten, und das Blatt, das er ehedem fein Blatt naunke, und
das nun seinem Nachfolger diente, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“, überbot
dieses Geschrei sast noch durch die Anschuldigung: „Die Nußerungen Bismarcks verletzten
das monarchische Gesühl und die Ehrfurcht vor dem Kaiser.“ Für den Fall
aber, daß Bismarck sich des Redens nicht enthalten könne, wurde ihm hier ziemlich
unverblümt mit dem Staatsamwalt gedroht. Dann aber solgte eine noch bei weilem
schmachvollere Behandlung des verdientesten deutschen Mannes. Denn nach einer