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Schäden des Krieges auszubessern und die Wehrkraft
zu stärken. Denn nur wenn Frankreich im Innern
beruhigt und gut gerüstet war, konnte es wieder
als bündnisfähige Großmacht gelten.
Da Österreich bald dem Deutschen Reiche zureigte,
Italien schwach war, kamen nun wieder Rußland
und England als Bündner für Frankreich in Betracht.
England trat aber damals in die Periode der
Isolierung, hatte auch manche kolonialen Gegensätze
zu Frankreich. So blieb nur Rußland übrig, das
zwar noch mit Deutschland befreundet war, allmählich
aber von ihm abrückte, je mehr dies zur Stütze
für Osterreich wurde. Zwischen Rußland und Frankreich
gab es kaum Reibungsflächen, so daß dies Bündnis
gleichsam von der Polirie vorgezeichnet war.
Rußknd sah überall in der Welt England, auf dem
Balkan OÖsterreich als seine Rivalen, da mochte es gern
der Anlehnungsbedürftigleit Frankreichs entgegenkommen,
woraus es nur Vorteile ziehen konnte. Was
hinderlich sein mochte: die Widersprüche der Despotie
und der Republik oder die französischen Sympathien
für Polen — das spielte keine Rolle mehr.
Schon 1873 erklärte Gortschakow, der leitende
Staatsmann, dem französischen Gesandten in Bern,
Chaudordy, daß Frankreichs Wiedererstarkung in
Rußlands Interesse liege. Ins Jahr 1875 fällt dann
ein noch nicht ganz geklärter Zwischenfall. Frankreich
fürchtete eiheen gbäventiverze von seiten Deutschlands,
der aber weder von Wilhelm I. noch von Bismarck
beabsichtigt wurde, wennschon dieser die Revanchegelliste
durch einen Strahl kalten Wassers abkühlte.
Gortschakow nahm die Gelegenheit wahr, sich
als Freund Frankreichs, das den Zaren um Vermittlung
bat, und als Retter des Friedens auszugeben;
eifersüchtig auf Bismarck hatte er auch Alexander II.
mit Argwohn gegen Deutschlands Friedensliebe erfüllt.
Auf der Konferenz in Konstantinopel 1877
hat Chaudordy einen neuen Versuch gemacht, ein
Bündnis mit Rußland zustande zu bringen.
Doch nahmen diese Versuche zunächst keinen Fortgang,
da sich der neue Leiter des Auswärtigen, Waddington,
mehr England zuwandte und durch seine
kluge Haltung auf dem Berliner Kongreß (1878) die
Erwerbung von Tunis vorbereitete. Diese ist durch
Bismarck nicht gehindert worden, denn er wollte
Frankreich außerhalb Europas beschäftigen, dann
aber auch Italien, das sich durch den Bardovertrag
(Mai 1881) von Frankreich hintergangen und schwer
geschädigt sah, auf die Seite Deutschlands und Osterreichs
ziehen. Die Frage blieb aber immer, ob die
Republik, innerlich erstarkend und durch den wachsenden
Kolonialbesi einem neuen Imperialismus zuneigend,
nicht dadurch gerade auch Revancheträumen
lebhafter nachhängen würde. Bismarcks Rechnung
erfüllte sich nicht, immer noch blickten die Franzosen
unverwandt auf die schwarzumflorten Statuen von
Metz und Straßburg, auf das Vogesenloch von Belfort.
Gambetta, die Hoffnung der Patrioten, der die
Losung ausgab: -Niemals davon sprechen, aber
immer daran denken, war durch seinen klugen Helfer
Freycinet sogar schon auf ein Zusammengehen mit
Rußland und England hingewiesen worden. Und
Bismarck sprach damals von dem Alpdruck feindlicher
Bündnisse. Als aber Gambetta (Neujahr 1882) plötzlich
starb, schien der gefährlichste Mann beseitigt zu
sein. Die Begründung des Dreibundes (Mai 1882)
hat die Mitte Europas zum Besten des Friedens
gegen die unruhige Republik gestärkt.
I. Politik und Geschichte
II. 1881—1891.
Der neue Leiter der Politik, Jules Ferry, schien im
Sinne Bismarcks die Kolonialpolitik im Auge zu behalten;
er hat 1883 Anam und Tongking, dann 1885
das Kongogebiet erworben. Wie sehr er aber dadurch
unpopulär wurde, Reigte sein rascher Sturz (März
1885) nach einer Niederlage gegen die Chinesen in
Tongking. Nun lenkte Frankreich sofort wieder in das
deutschfeindliche Fahrwasser. Dem Aufkommen des
Kriegsministers Boulanger, den neuen Kriegsrüstungen
an der deutschen Grenze, der durch Déroulede
angefachten Revanchestimmung. die sich dann 1887 in
der Schnäbele = Affärec entlud und beinahe zum
Krieg mit Deutschland führte, entsprach die neue
Annäherung an Rußland. Dort waren nach der
Enttäuschung des Berliner Kongresses 1878 die panslawistischen,
deutschfeindlichen Kreise artantt und
man näherte sich gern der französischen Politik, zumal
sie Rußland auf dem Balkan unterstützen wollte.
Der Botschafter Mohrenheim wies seinen Herrn,
Alegander III., der durch seine dänische Gemahlin
gegen Deutschland eingenommen war, schon 1886
8 einen Bund mit Frankreich hin, und Freycinet
baf der russischen Diplomatie 1885 und 1886 in den
uhgarischen Wirren.
Nachdem durch solche Liebesdienste der Zar für
eine Annäherung an die Republik gewonnen war.
ergaben sich weitere Anregungen durch Finanz= und
Militärfragen. Von Bismarck war 1888 den russischen
Anleihen der deutsche Markt gesperrt worden:
sie wurden von nun an in Frankreich aufgelegt, wo
zuerst (Dezember 1888) 500 Millionen Frank zur Ausabe
kamen. Dies blieb nun so: immer mehrlegten die
französischen Sparer, bei der Schwäche eigenen Unternehmungsgeistes,
ihr Kapital in den Papieren Ruß
lands an, dessen unerschöpfliche Bodenschätze dadurch
gehoben wurden. Sosind allmählich etwa 20 Milliar--den
Frank nach Rußland gegangen, beinahe die Hälfte
in Staatsanleihen, das übrige in kommunalen und
industriellen Aktien.
Wurden schon durch diese finanziellen Bande Frankreichs
Interessen fest an Rußlands Politik gekettet, so
auch durch militärische Lieferungen. Als 1888 dort
eine neue Bewaffnung geplant war, ging die französische
Regierung auf das russische Gesuch ein, 500 000
Gewehre zu lessern. wenn diese nie gegen Frankreich
verwendet würden. Mit diesem Auftrag kamen 1890
auch russische Generalstabsoffiziere nach Paris, um
französische Heereseinrichtungen zu studieren. Zwei
neue Anleihen und der Besuch der Großfürsten Wladimir
(1888) und Nikolaus (1890) steigerten die
Neigung zu festerem Anschluß, besonders da sich jetzt
England dem Dreibund näherte. Als der Minister
Ribot noch durch die Verhaftung einiger Nihilisten
dem Zaren schmeichelte, war es so weit, daß man in
Petersburg den Besuch eines französischen Geschwaders
als willkommen bezeichnete. Er wurde im Juli
1891 in Kronstadt abgestattet, und am 27. August
wurden in Paris die Erklärungen zwischen Ribot
und Mohrenheim ausgetauscht, wonach in einem
geheim zu haltenden Vertrage die zwei Mächte sich
egenseitig Schuß bei einem Angriff versprachen.
on Elsaß-Lothringen war nicht die Rede, wohl aber
von der Bewahrung des europäischen Gleichgewichts.
Noch im selben Jahre wurde dann dem Zaren
eine Militärkonvention vorgelegt, die von Freycinet
ausgearbeitet, vom General Boisdeffre im August