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Der Rheinbund, das Königreich Westfalen blieben bestehen. Von den hohen
Zielen, für die Preußen die Waffen ergriffen und bereits so große Opfer gebracht
hatte, von einer Wiederherstellung des Reiches aus dem ureigenen Geiste
des deutschen Volkes, wic sie die Proklamation von Kalisch verheißen, war nicht die
Rede. Wenn der Staatskanzler von Hardenberg trotzdem zur Annahme des Vertrages
von Reichenbach riet und ihn als preußischer Bevollmächtigter unterzeichnete,
so geschah es wohl in der zuversichtlichen Erwartung, daß Napoleon auch diese
äußerst gemäßigten Forderungen verwerfen würde, und weil er für diesen Fall
den Verbündeten die materielle Hilfe der österreichischen Armee sichern wollte.
Graf Metternich forderte nun Napoleon noch einmal auf, die österreichische
Friedeusvermittelung auf diesen Grundlagen anzunehmen, ja, er begab sich
selbst nach Dresden, um zu erfahren, was für Osterreich ohne Schwertschlag von
dem französischen Kaiser noch zu erlangen sei.
In dem Palaste Marcolini zu Dresden fand jene denkwürdige Unterredung
zwischen Napoleon und Metternich statt (28. Juni), die entscheidend
wurde für die Rolle, welche demnächst Osterreich in dem deutschen Befreiungskriege
spielte. Napoleon war empört über die Stellung, welche Kaiser Franz
jetzt ihm gegenüber einnahm; er kannte die Verhandlungen, welche dieser durch
Metternich mit den anderen Kabinetten geführt hatte, und er machte aus seiner
Erbitterung über dieses Verfahren seines Schwiegervaters und Metternichs kein
Oehl. Es ist wohl glaublich, daß er die Unterhaltung in einem lauten und
leidenschaftlichen Tone geführt, der den Inhalt derselben zum größten Teile den
antichambrierenden Hofleuten verriet, daß er dabei, seinen Hut zu Boden werfend,
in die beleidigende Frage ausgebrochen: „Ha, Metternich, wieviel hat
Ihnen England gegeben, um Sie zu vermögen, eine solche Rolle zu spielen?" —
Es entspricht seiner niedrigen, den Wert von Menschenleben verachtenden Denkweise,
wenn er ausgerufen haben soll: „Was kümmern mich 200000 Menschenleben!"
— worauf Metternich tief entrüstet ihn unterbrochen haben will mit
den Worten: „Lassen Sie uns Thüren und Fenster öffnen, Sire, damit ganz
Europa Sie höre!l“ — — Im Vorzimmer soll darauf der weggehende Metternich
dem Marschall Berthier auf seine Frage: „Nun, sind Sie mit dem Kaiser
zufrieden?“ geantwortet haben: „Ja, ich bin zufrieden; denn Ihr Herr hat mir
Klarheit gegeben, und ich schwöre Ihnen, er hat den Verstand verloren.“
Nach dieser Unterredung war der Bruch Frankreichs mit Osterreich entschieden.
Napoleon selbst erklärte das Bündnis mit Osterreich in einer Note
(29. Inni) für nicht mehr bestehend: „Se. Majestät wollen Ihre Allianz Ihren
Freunden nicht lästig machen.“ Es ist unverständlich, was Napoleon trotzdem
vermochte — „in Anbetracht der Unzulänglichkeit der Zeit zur Unterhandlung
eines Friedens“ —, noch in eine Verlängerung des Waffenstillstands bis zum
10. August zu willigen, wodurch Osterreich noch volle drei Wochen Zeit zu