Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

bes  Weltall3,  unten  und  oben  zwifchen  Tauter  Himmlifchen  Sternen.
Weiter:  Ste  ıft  rings  um  und  um,  wo  fie  Kand  hat,  und  wo  bie
Hibe  oder  der  bittere  Sroft  e3  erlaubt,  mit  Pflanzen  ohne  Zahl
bejeßt  und  mit  Thieren  und  vernünftigen  Menfchen  belebt.
Man  muß  nicht  glauben,  DaB  auf  diefe  Art  ein  Theil  der  Gefchöpfe
mit  dem  Seopfe  abwärt3  hinge  und  in  Gefahr  ftehe,  von  ber  Erde  weg
und  in  die  Luft-herabzufallen.  Dies  ift  Läherlih.  Überall  werden
die  Körper  dur)  ihre  Schwere  an  die  Erde  angezogen  und
fönnen  ihr  nicht  entlaufen.  Überall  nennt  man  unten,  wa8
man  unter  den  Süßen  hat,  und  oben,  wa8  über  dem  Haupte
hinaus  ift.  Niemand  merft  oder  fan  jagen,  daß  er  unten  jet.  Alle
find  oben,  fo  Tange  fie  Die  Erde  unter  den  Füßen  und  ben  Himmel
voll  Licht  oder  Sterne  über  fich  haben.

Aber  der  Lejer  wird  nicht  wenig  faunen,  wenn  er’8  zum  erften
Male  Hören  folfte,  wie  groß  Diefe  Kugel  fei.  Denn  der  Durchmeffer
der  Erde  beträgt  in  gerader  Richtung  von  einem  Punkte  der  Oberfläche
dureh  den  Kern  oder  Mittelpunft  hindurch  zum  andern  Punft  1720
deutfhe  Meilen.  Der  Umkreis  der  Kugel  aber  beträgt  5400
beutjche  Metlen.  ihre  SDberfläche  jeboch  beträgt  über  9  Mil:
lionen  Meilen  in8  Gevterte,  und  davon  find  mehr  aldamwei  Dritttheile
  Waffer  und  faft  ein  Dritttheil  Yand.  Das  Land  beiteht
aus  den  fünf  Erdtbeilen:  Europa,  Afien,  Afrifa,  Amerifa  und
Auftralienz  das  Waffer  bildet  fünf  große  Meere:  das  nördliche
und  füdliche  Eismeer  —  das  atlantifche  Meer,  von  dem  bie  Nord:
und  Dftfee  und  das  mittelländifche  Meer  Theile  find  —  ber  große
Dcean,  deffen  fünlicher  Theil  auch  ftille8  Meer  oder  Südfee  heikt
—  und  das  indifche  Meer.  Die  ganze  Maffe  der  Erbe  aber  beirägt
mehr  al8  2662  Millionen  Kubifmeilen.  Das  haben  die  Gelehrten
mit  großer  Genauigfeit  außgemeffen  und  ausgerechnet  und  |prechen  davon,
wie  von  einer  gemeinen  Sade.  Aber  niemand  fan  Die  göttliche
Allmaht  begreifen,  bie  diefe  ungeheuer  große  Kugel,  jchmebend  in  Der
unfichtbaren  Hand,  trägt  und  jedem  Pflänglein  darauf  feinen  Than  und
fein  Gebeihen  giebt  und  dem  Kinblein,  da8  geboren  wird,  einen  Iebendigen
  DOdem  in  die  Nafe.-  Man  rechnet,  daß  über  1300  Millionen
Menfchen  zu  gleicher  Zeit  auf  der  Erbe  Ieben  und  bei  dem  Tteben
Gott  in  Die  Koft  gehen,  ohne  die  Thiere.  Cr  thut  feine  milde  Hand
auf,  und  fättiget  Alles,  was  da  Iebet  mit  Wohlgefallen.  (Palm  104.)

Die  Erbe  ift  ringsum  mit  Quft  umgeben.  Ste  umfluthet  ben
Sroball  gleihfam  wie  ein  unfichtbares  Meer.  Diefe  blaue  Lufthülle
ift  der  Sammelpla  vieler  Naturftoffe  und  Naturerfheinungen:
Molken,  Nebel,  Negen,  Schnee  und  Hagel  —  Donner  und
Bid.  Wie  Hoch  der  Luftfreis  ift,  das  Haben  die  Gelehrten  noch
nicht  genau  herausbringen  fönnen;  daß  aber  die  Dünfte  der  Erbe  ihn
bis  auf  eine  Höhe  von  etwa  10  Meilen  füllen,  wird  von  ihnen  bes
bauptet,  und  daher  nennt  man  biefen  untern  Theil  desfelben  aud)
Dunftfreis  oder  Atmofphäre.  Die  Luft  ift  in  ber  Nähe  der  Erbe