550
unseres Kirchenrechts hat man verdreht, um es einem katholisch
gewordenen Regemen destio leichter zu machen, seinem
Lande eine neue Religion zu schenken.
Der Pabst machte zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts
ein paar einfältige Streiche, die ihm noch jetzt (als untrüglichem
Pabste) Spott und Verachtung zuziehen. Innocenz
XII., in seiner Jugend Soldat, machte zum Hauptgegenstande
seines Eifers den Putz der Frauenzimmer, verbot
ihnen alle Musik. Dieß galt nun eben so viel als Pabsis
Innocenz X. Protesiation gegen den westphälischen Fricden.
Außerdem hatte Innocenz XII. noch mehrere Grillen.
Er ercommunicirte z. B. alle die, welche in der Peterskirche
Schnupftabak nehmen würden. Nichts aber ist gefährlicher,
als wenn man über den heiligen Vater lacht; sein Ansehen
wurde auch wirklich durch diese Geschichtchen unendlich vermindert.
Vor der Zeit der Reformation war der päbftliche
Hof und Regierung unter allen übrigen der gebildeiste und
wohleingerichtetste; Deutschlands wichtigste Einrichtungen, z. B.
das Kammergericht, waren nichts anders, als Copien päbstli,
cher Einrichtungen. Wir sind aber doch, nachdem wir einmal
von Außen den Stoß zur Kultur bekommen haben, unterdessen
viel weiter vorgeruͤckt, haben jene Einrichtungen viel
mehr verfeinert, den Umständen neuerer Zeit viel mehr anbequcmt.
Hingegen die Päbsie sind fast auf eben dem
Punkte der Staatskunde und der Politik stehen
geblieben, worauf sie damals waren, und die ganze Politik
des päbstlichen Hofes ist mehr Politik des Arglistigen und
Heimtückischen, als des Klugen und Vorsichrigen. — Dieß
sind nun ungefähr die geheimen Kräfte und Wunder des Pabstthums,
die man als Hauptaugenmerk bei der Geschichte desselben
betrachten muß, und die besonders zu Anfang dieses
achtzehnten Jahrhunderts den ganzen Zustand desselben