184 Alterthümer.
und ein Bronzetäfelchen mit einer Inschrift (s. o. S. 145). Der ganze
Schatz war gedeckt von zwei eisernen Dreifüßen. Ein anderes Grab ent-
hielt weiße Thonfigürchen, Menschen, Pferde und Maulesel darstellend,
vielleicht das Spielzeug eines Kindes.
Alemannischfränkische Feit.
Reihengräber. Es sind hauptsächlich Grabstätten, welche sich bis
heute als Zeugen jener Zeit erhalten haben; sie unterscheiden sich von den
Grabhügeln, die auch unter der römischen Herrschaft und bei Beginn der
alemannischen Zeit, aber in untergeordneter Anzahl, noch vorkommen, wesent-
lich dadurch, daß sie in den gewachsenen Boden eingesetzt und deshalb
auf der Oberfläche nicht erkenntlich sind. Die Entdeckung derselben ge-
schieht daher nur durch Zufall, und dennoch wurde bis jetzt eine große
Anzahl derartiger Leichenstätten bei Anlage von Eisenbahnen, Straßen,
Kellern, Gräben, Steinbrüchen, überhaupt bei Erdarbeiten aufgefunden.
Diese Grabstätten sind entweder im Lehm oder in wenig harten Gebirgs-
schichten (Keupermergel, Liasschiefer, Kalktuffen 2c.) in regelmäßigen Reihen,
3—5 Fuß unter der Oberfläche angelegt, daher sie Reihengräber ge-
nannt werden; zuweilen findet man sie mit Steinplatten umfriedigt und
gedeckt, viel häufiger jedoch nur in den gewachsenen Boden ohne alle Um-
friedigung eingegraben. Die Reihengräber enthalten außer den mit dem
Gesicht meist gegen Osten schauenden Skeletten folgende Gegenstände, und
zwar von Eisen: Schwerter, am häufigsten die kurzen, einschneidigen Saxe,
Speerspitzen, Dolche, Messer, Schnallen, Wehrgehänge, Pferdsgeschirre,
Gürtelschlösser 2c., die nicht selten mit Silber eingelegt und geschmackvoll
verziert sind; von Bronze: verschiedenartige Ringe, Gewandspangen, Be-
schläge, überhaupt Schmuckgegenstände, und außer diesen in reich ausgestatteten
Gräbern Schmucksachen von Gold und Silber mit eingesetzten Steinen.
Die vorkommenden Gefässe gleichen denen aus den Grabhügeln, nur
sind sie härter gebrannt. Ueberdies enthalten die Gräber verschiedene
Utensilien von Metall, Horn, Glas 2c., schön verzierte Kämme aus Elfen-
bein und häufig durchlöcherte Perlen von Gagat, Bernstein, Glas und
Thon. Die Gräber wurden bis jetzt ganz in der Nähe noch bestehender
oder im Mittelalter abgegangener Orte entdeckt und waren offenbar nichts
anderes als geweihte friedliche Begräbnisplätze von den frühesten Bewoh-
nern dieser Orte. Als Ausnahme kommen auch vereinzelte Gräber vor;
von diesen ist das auf dem Oelenberg bei Obertürkheim entdeckte Grab
das merkwürdigste; es enthielt neben zwei Schwertern einen Dolch, ein
massiv goldenes, mit rothen Glasflüssen und Granaten verziertes Schwert-