Krieg in Norddeutschland. 229
England, dessen Schwiegersohn Friedrich V. war. Die Union blieb
jedoch neutral oder wollte nur die Pfalz vertheidigen, und der König
schickte nur ein Freicorps von 2—3000 Mann in England geworbener
Truppen, welche 1620 ihren Zug auch durch die Mark nahmen, von
Mangel und Elend aber aufgerieben wurden, ehe sie den Feind gesehen
hatten. Markgraf Johann Georg von zJägerndorf, der sich
Friedrich V. angeschlossen, warb in der Mark Truppen, und große
Vorräthe von Pulver lagen in Berlin für den König bereit, als die
Nachricht anlangte, daß Friedrich V. am 8. November 1620 (neuen
Stils) auf dem weißen Berge bei Prag geschlagen sei. Sie erregte
großen Jubel in der Mark, da man in dieser Niederlage das
Strafgericht Gottes erkennen wollte. Die 1000 Mann zu Fuß und 300
Reiter, welche Georg Wilhelm mit vieler Anstrengung zu Anfang des
Jahres 1620 zum Schutze des Landes aufgebracht hatte, mußten im
Sommer wieder entlassen werden, da die Stände jede weitere Geldbewilligung
für dieselben als unnöthig verweigerten. König Friedrich
nahm mit seiner Gemahlin seine Flucht durch die Mark, der Kaiser,
von Sachsen und Bayern kräftig unterstützt, unterdrückte blutig den
Aufstand in Böhmen, führte gewaltsam den Katholicismus wieder ein
und nahm die Güter der geächteten Anführer in Beschlag, darunter
auch das Herzogthum Jägerndorf, von wo Johann Georg sich geflüchtet
hatte.
Bis hierher war Brandenburg unberührt vom Kriege geblieben,
doch änderte sich das bald, und die Mark wurde in weitere Verwicklungen
hineingezogen, als der Kaiser über Friedrich eigenmächtig die
Acht aussprach, und darauf Spanien — trotz der Anstrengungen, die
Ernst von Mansfeld, Georg Friedrich von Baden-Durlach und Christian
von Braunschweig zu Gunsten Friedrichs machten — die Unterpfalz,
Bayern die Oberpfalz eroberte; denn nun gab der Kaiser letzteres
Land sammt der Kurwürde an Maximilian von Bayern, und dadurch
kamen die Evangelischen im Kurfürsten-Collegium, das jetzt 5 katholische
und nur 2 evangelische Mitglieder zählte, in das ungünstigste
Verhältniß. Sachsen und Brandenburg protestirten deshalb dagegen,
und es wurde vom obersächsischen Kreise der Beschluß gefaßt, Truppen
aufzustellen, zu denen Brandenburg 6000 Mann im eigenen Lande
warb; da aber Sachsen sehr bald vom Kaiser dadurch gewonnen
wurde, daß dieser ihm die Lausitz für den Kriegskosten-Aufwand verpfändete,
wurden die Truppen nach kurzer Zeit wieder entlassen.
Trotz dieser friedlichen Haltung wurde das Land doch sehr bald
in den Krieg verwickelt, der deswegen von neuem ausbrach, weil das
gewaltsame Vorgehn des Kaisers England und Holland dazu bestimmte,
zu Gunsten Friedrich's sich einzumischen. Durch sie bewogen und unterstützt
trat Christian IV. von Dänemark, der zugleich Herzog
von Holstein war, gegen den Kaiser auf, und auch Ernst v. Mansfeld
erschien von neuem im Felde. Gegen diese rückte das ligistische
Heer unter Tilly und das neu geworbene kaiserliche unter Wallenstein
heran. Kurfürst Georg Wilhelm erklärte sich zwar für neutral,