56. Würzburg, die alte Bischofsstadt am Main. 291
Wie mancher mag im Drange des alltäglichen Treibens und Hastens
achtlos an St. Margareta, dem bescheidenen Kirchlein von Sendling, vorbei
gehen nicht denkend, daß sein Fuß denselben Staub tritt, den eines Heldenvolkes
vergeblich vergossenes Blut netzte.
Vergeblich — aber nicht nutzlos, wenn zur Weihnachtszeit uns die
Glocken des alten Kirchleins in der Christmette die Worte läuten: „Vergeßt
der treuen Toten nicht" und wir im Gedächtnis der Großtat ihres Opfertodes,
ihres hehren Beispiels, Nacheiferung uns geloben mit dem alten
Bayerneid: „In Treue fest!“"
Würzburg mit dem Marienberg von Nordwesten gesehen.
56. Würzburg, die alte Bischofsstadt am Main.
Von Theodor Henner.“
Von den Höhen des Fichtelgebirges kommend bewegt sich der Main in
stattlicher Längenausdehnung von Osten nach Westen durch jene Lande, denen
dauernd der Name Franken verblieben ist; nicht etwa die Urheimat des
Frankenstammes, sondern ein Gebiet, in das sich vorher alamannische und
thüringische Bewohner geteilt hatten, bis durch große geschichtliche Wandlungen
am Ubergang vom 5. zum 6. Jahrhundert das fränkische Element hier schließlich
zum herrschenden geworden ist. Nicht ohne Grund hat der Begriff „Mainlinie“
eine namhafte Bedeutung in der inneren Entwicklung Deutschlands
gewonnen; in diesem Flußgebiet scheidet sich gewissermaßen der eigentliche
Süden von dem mittleren und nördlichen Deutschland. Nicht in einheitlich
gestrecktem Laufe verfolgt der Main seine Richtung, sondern vielmehr in wiederholten
starken Ausbiegungen nach Süden und Norden, und an einer derselben,
ungefähr in der Mitte des ganzen Flußlaufes, liegt Würzburg, eine Niederlassung,
deren erste Anfänge wohl in graue Vorzeit zurückgehen, in jene
Zeiten, da keltische Völkerschaften als Vorläufer der Germanen das mittlere
und südliche Deutschland bewohnten. Allein sein eigentliches Licht und Leben
bekam der Ort doch erst unter dem Einfluß der fränkischen Herrschaft.
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