4. Kapitel. Die Wandiungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. $ 1. 123
daß in jener Zeit das Silber das Gold aus seiner belherrschenden
Stellung als Geldmetall verdrängte. Diese Entwicklung hatte schon
vor der Entdeckung der neuen Welt und ihrer Silberschätze begonnen
mit der Steigerung der Silbergewinnung in Sachsen, Böhmen und Tirol.
Die fortgesetzte Verschlechterung der Goldmünzen mag auch dieses Mal
den Umschwung begünstigt und den Verkehr für die Aufnahme der neuen
großen Silbermünzen, die damals aufkamen, günstig gestimmt haben.
Das entscheidende Moment war aber auch in diesem Falle sicherlich
die große Zunahme der Silbergewinnung in Verbindung mit dem Umstande,
daß das Silber damals in viel höherem Grade als das Gold dem
wichtigsten monetären Bedürfnisse der Zeit entsprach. Dieses Bedürfnis
war die Ausdehnung des Metallgeldgebrauches von den Höhen des Großverkehrs
auf die bisher noch von der Naturalwirtschaft beherrschten
unteren Schichten der Volkswirtschaft. Für den Großhandel war das
Gold ein ebenso geeignetes. ja ein tauglicheres Geld als das Silber:
für den mittleren und kleinen Verkehr aber, für alle die weiten Kreise.
die nunmehr der Geldwirtschaft neu erschlossen wurden, war bei der
Kleinheit aller wirtschaftlichen Verhältnisse das Gold ein viel zu kostbarer
Geldstoff; nur das Silber konnte hier Eingang finden.
Die Produktionsverhältnisse der Edelmetalle und die wirtschaftlichen
Bedürfnisse der Zeit wirkten also vereint dahin, dem Silber
wieder die vorherrschende Stellung im Geldwesen zu verschaffen. Aber
eben deshalb wirkten diese beiden Momente in einer anderen Beziehung
einander entgegen, nämlich in Hinsicht auf den Wert des Geldes
gegenüber den übrigen Gütern im allgemeinen und auf das gegenseitige
Wertverhältnis der beiden Edelmetalle im besonderen.
Es ist hier noch nicht der Platz zu einer genaueren Untersuchung
der Faktoren, die den Wert der Edelmetalle bestimmen. Einer
solchen bedarf es auch nicht, um zu erweisen, dab außerordentliche
Veränderungen in der Produktion der Edelmetalle. durch die innerhalb
weniger Jahrzehnte der Umfang des gesamten Edelmetallvorrates
stark beeinflußt wird. für die Wertbewegung der Edelmetalle von
Bedeutung sind. Es ist a priori wahrscheinlich, daß die vom Anfang
des 16. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts eingetretene Vermehrung
der gesamten Edelmetallproduktion auf das Siebenfache den Wert. des
Edelmetallgeldes gegenüber den übrigen Gütern herabzudrücken geeignet
war, und daß speziell die Vermehrung der Silberproduktion
auf das Neunfache bei einer Steigerung der Goldgewinnung um nicht
ganz die Hälfte das Wertverhältnis der beiden Metalle zu ungunsten
des Silbers beeinflussen mußte.
In der Tat haben sich beide Wahrscheinlichkeiten verwirklicht,
aber nicht entfernt in einem Maße, das der Größe der Veränderungen
in der Edelmetallproduktion entsprochen hätte.