Full text : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

97.  Till  Eulenspiegel.

1.  Eulenspiegel  und  der  Fuhrmann.
Fulenspiegel  ging  eines  Tages  über  Feld.  Unterwegs  begegnete
ihm  ein  Fuhrmann,  der  auf  einer  steinigen  Straße  seine  Pferde

über  Gebühr  zum  Laufen  antrieb.  „Kann  ich“,  fragte  er  im  Vorbeijagen,
  „wohl  noch  vor  Abend  zur  Stadt  kommen?“  Eulenspiegel
antwortete:  „Ja,  wenn  Ihr  langsam  fahret!“  —  Der  Mensch  ist
wohl  nicht  gescheit,  dachte  der  Fuhrmann  und  trieb  seine  Pferde
nur  noch  mehr  an.

Gegen  Abend  kam  Eulenspiegel  auf  demselben  Wege  zurück
und  traf  den  Fuhrmann  noch  auf  der  Straße  an,  und  zwar  in
großer  Verlegenheit.  Von  dem  Jagen  auf  dem  steinigen  Boden
war  ihm  ein  Rad  gebrochen.  Der  Fuhrmann  konnte  also  mit  seinem
  Wagen  nicht  von  der  Stelle  und  mußte  sich  bequemen,  die
Nacht  unter  freiem  Himmel  zuzubringen.  „Sagte  ich  es  Euch
nicht,“  sprach  Eulenspiegel,  „daß  Ihr  langsam  fahren  müßtet,  wenn
Ihr  noch  zur  Stadt  wolltet?“

2.  Eulenspiegel  und  der  Bauer.

Eulenspiegel  vermietete  sich  bei  einem  Bauern.  Der  wollte  mit
ihm  eines  Tages  in  den  Wald  fahren,  um  Holz  zu  holen.  Plötzlich
lief  ein  Hase  über  den  Weg.  Da  sprach  der  Bauer:  „Laßt  uns
umkehren,  das  bedeutet  Unglück;  wir  wollen  heute  etwas  anderes
unternehmen.“  Sie  fuhren  zurück.  Tags  darauf  fuhren  sie  wieder
hinaus.  Nahe  am  Walde  lief  ein  Wolf  über  den  Weg.  „Das  bedeutet
  Glück“,  sagte  der  Bauer.  Sie  fuhren  weiter,  und  im  Walde
spannten  sie  das  Pferd  aus,  ließen  es  im  Grase  gehen  und  fällten  Holz.

Als  sie  genug  hatten,  schickte  der  Bauer  den  Knecht  nach  dem
Pferd  und  dem  Karren.  Als  Eulenspiegel  vor  den  Wald  kam,  sah  er
das  Pferd  auf  der  Erde  liegen;  ein  Wolf  hatte  es  zerrissen  und  fraß
davon.  Eulenspiegel  freute  sich  heimlich  darüber,  lief  zurück  und
sagte  zum  Bauern:  „Kommt,  Bauer,  das  Glück  steckt  im  Pferde!“
Der  Bauer  sprach:  „Was  sagst  du?“  Eulenspiegel  erwiderte:  „Geht
bald,  oder  Ihr  verfäumt  das  Glückl!“  Da  ging  der  Bauer  hin
und  sah  das  Unglück.  Als  er  nun  so  stand  und  klagte,  sprach
Eulenspiegel:  „Wie  seid  Ihr  so  abergläubisch!  Wären  wir  gestern
dem  Hasen  nachgefahren,  der  hätte  Euch  das  Pferd  nicht  gefressen;
bei  Euch  bleibe  ich  nicht  mehr.“  Und  hiermit  ging  er  fort.

3.  Eulenspiegel  und  der  Meister.

Ein  Meister  nahm  Eulenspiegel  mit  den  Worten  in  Dienst:
„Bei  mir  hast  du  nur  die  halbe  Arbeit  zu  tun.“  Das  nahm  Eulen-