Full text : Kriegführung und Politik.

44  III.  Die  Vorkriegszeit  und  der  Kriegsbeginn  unter  der  Ersten  O.  H.  L.

lischen  Bekenntnisses  viel  ausgesprochener  als  Dienerin  Roms
und  stellte  sich,  selbstverständlich  mit  Ausnahmen"),  in  ihrer
Gesamtheit  weniger  auf  so  ausgesprochen  nationalen  Boden,  wie
wir  es  zum  Beispiel  wiederum  in  den  rein  katholischen  Staaten
Frankreich  und  Polen  sehen.  Hier  war  sie  die  Trägerin  sogar
nationalistischer  Bestrebungen.  In  Polen  besonders  wurden  die
Begriffe  Religion  und  Nationalität  vollständig  gleichgestellt,  und
auch  in  Frankreich  sind  sie  tiefer  eins,  als  es  den  Anschein  hat,  was
wir  in  Elsaß-Lothringen  schwer  empfanden.  In  den  katholischen
Ländern  deckte  sich  die  Macht  des  Staates  mit  dem  Einfluß  Roms.
Anders  war  es  in  Deutschland  mit  protestantischer  Mehrheit  der  Bevölkerung.
  Hier  kam  die  Macht  des  Staates  einer  Religion  zugute,
die  sich  im  Gegensatz  zu  Rom  herausgebildet  hatte;  an  einer
Stärkung  dieses  Staates  konnte  ihm  nichts  gelegen  sein.

Die  evangelischen  Geistlichen  blieben  Söhne  des  deutschen  Volkes
allein.  In  ihren  Reihen  befand  sich  mancher  Vertreter  jener  internationalen,
  pazifistischen  Gedankenwelt,  die  das  deutsche  Volk  blendete
  und  verdarb.  Jedenfalls  diente  die  evangelische  Geistlichkeit
den  nationalen  Aufgaben  nicht  durchweg  in  dem  Umfange  wie  die
katholische,  ganz  gleich  aus  welchen  Gründen,  in  rein  katholischen
Ländern.

Ahnlich  lag  es  auf  dem  Gebiete  der  Schule.  Wir  schufen
in  ihr  nicht  zielbewußt  genug  eine  Pflanzstätte  starken  vaterländischen
  und  deutschen  Empfindens,  wie  wir  es  auf  demselben  Gebiet
in  anderen  Ländern  sehen.  So  hat  Frankreich  gleich  nach  1871  den
Rachegedanken  in  die  Schule  getragen.  So  hat  Polen  dem  nationalen
  Gedanken  durch  die  Schule,  auch  unter  russischer  Herrschaft,
  erst  recht  in  Galizien,  immer  neue  Nahrung  zugeführt.  Wir
übergaben  die  Schule  zudem  einer  Lehrerschaft,  die  wir  in  ihrer
großen  Mehrzahl  Not  leiden  ließen  und  der  wir  es  deshalb
schwer  machten,  mit  dem  Staat  zufrieden  zu  sein,  dessen  Herrlichkeit
  sie  zu  verkünden  hatte.  Wenn  dies  trotzdem  in  sehr  vielen

*)  Ich  möchte  hier  der  katholischen  Feldgeistlichen  gedenken,  die  im  Weltkriege
  so  vortrefflich  im  vaterländischen  Geiste  wirkten,  auch  verschiedener  Orden,
z.  B.  der  Benediktiner.