Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Sechster Band. (6)

80

herzoglichen  Hofe  ein  Canzler,  und  doch  wie  dürftig,  hochstens
  zehen  Ritter  machten  das  ganze  Gefolge,  der  Marstall
  war  leer,  selbst  der  Fürsiin  gebrach  oft  ein  Pferd,
wenn  sie)  bei  feierlichen  Gelegenheiten  mitreiten  wollte  2)  und
der  Herzog  diente  dem  Kaiser  als  Feldherr  um  Sold,  wie
seiner  Zeit  keiner  der  geringeren  Fürsien  selbst  einem  Kaiser
wie  Friedrich  I.  gedient  haben  würde  **).  Henrich  der

vertrage  von  1501  namentlich  als  Canzler  Herz.  Erichs  angeführt.
  So  nennt  ihn  auch  die  Gött.  Chron.  I.  Th.  S.  118
schon  bei  dem  Jahre  1408,  und  selbst  noch  1525  (I.  c.  S.  140),
eler  letzteres  ist  wahrscheinlich  unrichtig,  denn  in  der  Bestätigunsurkunde
  der  Göttingischen  Stadtprivilegien  von  1512  (l.c.
S.  136)  nennt  er  sich  nicht  mehr  Canzler,  und  schon  1505  erscheint
  ein  Doctor  mit  dieser  Würde.  S.  Gött.  Chr.  I.  Th.
S.  132,  wo  D.  Fucksart  genannt  wird.

Man  kann  sehr  leicht  aus  dem  ganzen  Zusammenhange  der
Geschichte  sehen,  warum  von  dieser  Zeit  an  namentlich  für
den  Calenbergischen  Hof  ein  Doctor  juris  nöthig  wurde.

*)  So  findet  sich  von  der  Herzogin  Sidonig,  der  ersten  Gemalin
Erichs  II.,  ein  Schreiben.,  von  1552  an  die  Stadt  Göttingen  —
ihr  Herr  komme  wieder  ins  Land,  sie  habe  um  ihm  entgegenzureiten
  ein  Pferd  nöthig,  der  Magistrat  möchte  ihr  doch  eines
aus  dem  Stadtmarstall  schenken.

**)  Den  ganzen  Hofstaat  eines  Herzogs  von  Braunschweig,  wie
er  im  fünfzehenten  Jahrhundert  war,  sseht  man  am  besten  aus
einer  Urk.  vom  15.  Jul.  1435  (Scheid  vom  Deutschen  Adel.
S.  131  1c.),  in  welcher  Otto  der  Einäugige,  lebter  Herzog  von
Braunschweig-Göttingen,  nach  Abtretung  des  Landesregiments
an  vier  Ritter  und  fünf  Städtedeputirte,  seinen  ganzen  fürstlichen
  Staat  anführt,  welchen  man  unterhalten  müsse.  Mancher
  Herzog  von  Braunschweig=  Grupenhagen  mag  noch  weit  weniger
  zu  verzehren  gehabt  haben,  als  dieser  verschuldete  Herzog
von  Göttingen,  dessen  nachfolgender  Etat  also  weit  nicht  der
geringste  feines  gleichen  war.  «

Drei  Kämmerer  und  zwei  Kammerknechte,  wovon  einer  zu
Haus  beständig  auf  Kammern  und  Kleinodien  Acht  haben,
der  andere  aber  immer  mit  dem  Herzog  reiten  solle.