Full text : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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Holze  stehe,  und  wenn  man  in  diesen  haue  oder  schneide,  so  ver—
wachse  die  Stelle  sogleich  wieder,  wer  aber  hineinhaue,  der  müsse
noch  dasselbe  Jahr  sterben.  Da  hat  sich  einmal  ein  kecker  Wage—
hals  über  Nacht  darauf  binden  und  in  das  Zimmer  sperren  lassen,
ist  aber  in  derselben  also  gemartert  und  gepeinigt  worden,  daß  er  am
Morgen  keinem  Menschen  mehr  gleich  gesehen,  auch  hat  er  auf  der
Erde  und  der  Tisch  auf  ihm  gelegen.  Es  soll  aber  auf  diesem
Tische  einst  der  heilige  Bartholomäus  geschunden  worden  sein.

321.  Der  Totenkopf  zu  Batzdorf.  Drei  Sagen.)

Gräße,  Bd.  I,  Ar.  62;  poetisch  behandelt  von  Hofmann,  das  Mieißner
;iederland,  S.  585  ff.  und  von  Ziehnert,  S.  342  ff.,  der  aber  die  Begebenheit
  in  das  ebenfalls  zu  Scharfenberg  gehörige  Vorwerk  Pegenau
setzt.  In  Prosa  erzählt  von  Winter  in  der  Constit.  Zeitung.  1852.
31.  Oktober,  S.  1043  ff.

Auf  dem  Mittergute  Batzdorf,  welches  auf  steiler  Höhe  zwischen
Siebeneichen  und  Scharfenberg  liegt,  sah  man  früher  in  dem  sogenannten
  Kornhause,  einem  Wirtschaftsgebäude,  einen  verwitterten,
an  eine  Kette  angeschlossenen  Totenkopf  in  einer  schrankartigen
Vertiefung  stehen  (jetzt  soll  derselbe  in  Stücken  in  einer  vergitterten
A-ische  des  Torweges  von  Schloß  Scharfenberg  zu  sehen  sein),  von
dem  folgende  schaurige  Geschichte  erzählt  wird.  Es  versah  im
dortigen  Rittergute  einst  ein  Ochsenjunge"  einige  Zeit  die  Stelle
eines  Küchengehilfen  und  zeigte  sich  stets  als  ein  anstelliger,
ordentlicher  Arbeiter.  Da  kommt  eines  Tages  dem  HKoche  ein
silberner  Löffel  weg,  und  da  er  sich  nicht  wiederfindet,  so  schöpft
man  Verdacht  auf  den  Jungen,  bringt  ihn  auch,  da  er  nichts  gestehen
  will,  auf  die  Folter,  und  als  er  hier  vor  Schmerzen  sich
schuldig  bekennt,  wird  er  zur  Hinrichtung  verurteilt.  Als  er  nun

 

*  Vach  einer  andern  Sage  war  es  der  Sohn  eines  Freundes  des
Burgherrn,  den  dieser  nach  dem  Tode  des  Vaters  bei  sich  aufgenommen
hatte  und  seinem  eigenen  Sohne  vorzog,  der  dann  aus  Rache  den  Siegelring
  seines  Vaters  entwendete  und  in  die  Truhe  des  fremden  Junkers
verbarg.  Das  Weitere  stimmt  überein,  nur  daß  noch  hinzugefügt  wird,
der  verräterische  Jüngling  habe,  als  er  den  Totenkopf,  der  nicht  wieder
weichen  wollte,  beständig  vor  Augen  gehabt,  aus  Verzweiflung  seinem
Leben  durch  einen  freiwilligen  Sprung  vom  Felsen  herab  ein  Ende  gemacht.