Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1856. (40)

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schaft  mit  der  reichen  Stadt  gelebt  hatte,  so  trat  Friedrich  Wilhelm  auch  jetzt  als
Friedensvermittler  zwischen  ihr  und  dem  benachbarten  Fürsten  auf.  Diese  Vermittelung
  hatte  den  gewünschten  Fortgang,  denn  dem  kurfürstlichen  Gesandten
gelang  es,  die  Hamburger  zu  einer  Geldentschädigung  von  125,000  Thalern  für
die  rückständigen  Hülfsgelder  aus  dem  letzten  Kriege  zu  bewegen.

Der  materielle  Gewinn  des  für  Brandenburg  fast  ununterbrochenen  sieben
Jahre  währenden  Krieges  stand  allerdings  in  keinem  Verhältnisse  mit  den  Anftrengungen
  und  Opfern,  welche  Friedrich  Wilhelm  in  demselben  gebracht  hatte,
umberechnenbar  jedoch  war  die  moralische  Einwirkung  desselben.  Der  glorreiche,
obschon  unbelohnte  Krieg  sicherte  die  Grundlage  der  Größe  des  von  ihm  zur
Einheit  herangebildeten  Staates.  Die  brandenburgischen  Truppen  hatten  zwei
schwedische  Heere  vernichtet,  und  rühmlich  den  Kampf  gegen  die  sonst  überall  siegreichen
  französischen  Truppen  unter  den  größten  Kriegsmeistern  der  Zeit  bestanden.
Wenn  auch  voll  Neid  und  Eifersucht  auf  seine  Erfolge,  spendete  ihm  die  staunende
  Mitwelt  den  Namen  des  großen  Kurfürsten,  zu  edlem  Wetteifer  seiner
Nachkommen  und  eines  Volkes,  welches  durch  ihn  seine  Kraft  kennen  gelernt  hatte.

Die  letzten  Lebensjahre  des  großen  Kurfürsten.

Schwer  hatte  die  Hand  des  Geschickes  auf  dem  edlen  Fürsten  gelastet,  denn
Alles,  was  menschliche  Klugheit  ersinnen,  was  der  Muth  und  das  Genie  eines
Helden  erringen  konnte,  war  durch  ihn  geschehen,  und  dennoch  raubte  die  Macht
der  Verhältnisse  ihm  jeglichen  äußeren  Lohn  seines  heldenmüthigen  Ringens.  Nach
einer  vierzigjährigen  glorreichen  Laufbahn  sah  er  seine  Staaten  fast  in  demselben
traurigen  Zustande,  wie  zur  Zeit,  als  er  in  den  Wirren  des  großen  Religions-=krieges
  die  Regierung  übernommen  hatte;  alle  Landestheile  vom  Kriegsgetümmel
heimgesucht,  von  Plünderung  und  Brandschatzung  erschöpft,  und  durch  fortwährende
  unerschwingliche  Steuern  niedergedrückt.  Die  ganze  Grundlage  seiner  Politik
  war  zerstört,  denn  die  Bundesgenossen,  zu  deren  Heil  er  in  treuem  Verein
das  politische  Gleichgewicht  in  Europa  aufrecht  erhalten,  sein  Ansehen  hatte  behaupten
  wollen,  waren  nicht  nur  schmählich  im  Augenblicke  der  Gefahr  von  ihm
gewichen,  sondern  hielten  sich  auch  noch  nach  dem  Friedensschlusse  in  bedenklicher
Ferne.  Statt  des  guten  Verhältnisses  zu  den  Holländern,  welche  ihm  im  Anfang
des  Krieges  großentheils  ihre  Rettung  verdankten,  war  scharfe  Spannung  eingetreten,
  mit  dem  Kaiser  ein  lebhafter  Zwist,  und  mit  Spanien  gerieth  er  sogar  in
offenen  Krieg,  während  Sachsen  und  Hannover  mit  Frankreich  Bündnisse  schlossen
und  seine  Länder  dadurch  im  Falle  eines  neuen  Krieges  in  die  bedenklichste  Lage
gerietchen.  Der  König  von  Dänemark  dagegen  glaubte  seinerseits  gegründete  Klage
gegen  Friedrich  Wilhelms  Politik  zu  haben,  denn  er  gab  seinen  geheimen  Verhandlungen
  mit  Frankreich  die  Schuld,  daß  Münster  und  Lüneburg  Frieden
geschlossen  hatten.  Auch  sein  Dazwischentreten  in  dem  Streite  mit  Hamburg  war
von  ihm  übel  aufgenommen  worden;  kurz  das  frühere  Vertrauen  und  die  enge
Verbindung  der  beiden  Staaten  war  dahin.

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