Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

3917

Unvermeidlich  hatten  denn  aber  auch  alle  solche  Vorfälle
  immer  wieder  Einfluß  auf  van  der  Mersch's  Schicksal.
Er  verlor  immer  mehr  alle  Hoffnung,  Recht  zu  erhalten  oder
frei  zu  werden;  er  wurde  immer  härter  behandelt,  und  alle
Anstalten,  die  man  machte,  seine  Sache  durch  ein  ordentliches
Gericht  untersuchen  zu  lassen,  verwandelten  sich  immer  mehr
in  bloße  Demonstrationen.  Selbst  die  Schreckenspost  von
der  geschlossenen  Reichenbacher  Konvehtion,  die  der  ständischen
Partie  so  klar  zeigen  mußte,  in  wic  weit  sie  sicher  auf
preußische  Hülfe  zählen  durften,  und  so  denn  auch  jede  neue
Nachricht  von  einem  neuen,  beträchtlichen  Unglück,  das  der
Schönfeldischen  Armee  zugestoßen,  hatte  auf  van  der  Mersch's
Schicksal  nur  nachtheiligen  Einfluß.  Die  van  der  Noots
und  Eupens  und  alle  neuen  Oligarchen,  die  ihr  Spiel  doch
noch  nicht  aufgeben  wollten,  brauchten  die  schändlichsten
Lügennachrichten,  den  letzten  Funken  von  Fanatismus  noch
angublasen,  um  zu  versuchen,  was  noch  versucht  werden  konnte.
Der  unglückliche  van  der  Mersch,  der  jetzt  bald  sieben  Monate  lang,
ohne  Urtheil  und  Recht  zu  erhalten,  auf  der  Antwerpen'schen  Citadelle
  saß,  lief  mit  jedem  Tage  mehr  Gefahr,  vom  wüthenden
Pöbel,  in  den  man  eingegossen  hatte,  was  er  nur  fassen
mochte,  ermordet  zu  werden.

Dieß  wurde  endlich  officiell  an  den  Kongreß  berichtet,
und  weil  vielleicht  der  Kongreß  wohl  fuͤhlte,  wie  leicht  solche
Volks-Explosionen  bis  zu  einer  Hoͤhe  steigen  koͤnnten,  wobei
ihre  eigene  Sicherheit  sehr  gefährdet  werden  moͤchte,  so  befahl
er,  daß  van  der  Mersch  transportirt  werden  sollte.  Abends
den  10.  November  wurde  er  abgeholt,  und  des  andern  Morgens
  frühe  sah  er  sich  nach  Löwen  gebracht  zu  den  Alerianern.
Er  und  seine.  Gemahlin  und  sein  Sohn  und  ein  Kammermädchen
  wurden  in  ein  Zimmer  zusammen  eingesperrt,  und,
der  ehemglige  Chef  der  ganzen  belgischen  Armee  befand  sich