588 Zweites Buch. 1V. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
des Wirtschaftslebens ausgehen könnten. Soviel größer als bei allen
anderen Wertgegenständen auch die Sicherheiten sein mögen, welche
die Edelmetalle, insbesondere das Gold, als Grundlage des Geldwesens
für eine Stabilität des Geldwertes bieten, so sehr auch diese Sicherheiten
durch die elastische Ergänzung, die das moderne Geldwesen
durch die auf Kredit beruhenden Zahlungsmittel und Zahlungseinrichtungen
erhalten hat, verstärkt werden mögen, so bleibt doch bei den
auf den Edelmetallen begründeten Währungen der Geldwert elementaren
Einflüssen ausgesetzt, die sich jeder planmäßigen Regulierung
entziehen. Im Gegensatze zu den metallischen Währungen haben wir
in der Papierwährung eine Geldverfassung kennen gelernt, die, rein
theoretisch betrachtet, die Regulierung des Geldwertes in die Hand
der staatlichen Organe zu geben scheint. Die Geldversorgung ist
in einer solchen Geldverfassung nicht abhängig von Vorgängen,
die mehr oder weniger außerlialb unseres Machtbereiches stehen, wie
etwa von der Höhe der Edelmetallgewinnung oder von den internationalen
Edelmetallbewegungen; sie liegt vielmehr ganz im Belieben
derjenigen Instanzen, welche die Ausgabe des Papiergeldes besorgen.
An und für sich erscheint es mithin möglich, bei einer solchen Geldverfassung
die Geldversorgung jederzeit in voller Übereinstimmung
mit dem Geldbedarfe zu halten und so eine volle Stabilität des
Geldwertes und eine gänzliche Indifferenz des Geldes in den wirtschaftlichen
Vorgängen herbeizuführen.
Es kommt hinzu, daß in gewissem Sinne das reine Papiergeld
den äußersten Punkt der Entwicklungsgeschichte des Geldes bildet.
Während ursprünglich nur Gebrauchsgüter Geldfunktionen verrichteten,
während die metallischen Münzen durch Einschmelzung und Verarbeitung
jederzeit in Gebrauchsgüter verwandelt werden können, und während
ihr Wert anfangs ausschließlich, später mindestens noch teilweise auf
der Möglichkeit ihrer Umwandlung in Gebrauchsgüter beruht, ist das
Papiergeld überhaupt nur als Geld zu gebrauchen, es ist die reine
Verkörperung der Geldfunktion. Nicht nur die Gerechtigkeit und das
Gesamtinteresse der Volkswirtschaft, sondern auch die Entwicklungsgeschichte
des Geldes scheint mithin auf die reine Papierwährung als
auf die ideale Geldverfassung hinzuweisen.
Es bestehen jedoch gewisse praktisch unüberwindliche Hindernisse,
welche die Erreichung dieses Endpunktes der logisch denkbaren
Entwicklung des Geldes in unerreichbare Fernen hinausschieben. Solange
gewisse wesentliche Züge unserer politischen und wirtschaftlichen
Verfassung fortbestehen, und solange unsere Einsicht in die
wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht sehr viel tiefer und sicherer
ist als bei dem gegenwärtigen Stande der nationalökonomischen
Wissenschaft, wird die Papierwährung praktisch stets nur als eine Ano-