Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

218  45.  Eisenbahn  von  Dar-es-Saläm  nach  Mrogoro.

keinen  Zweifel  darüber  gelassen,  daß  ich  es  als  die  Aufgabe  und  als  die
Pflicht  der  Königlichen  Regierung  betrachte,  die  Interessen  unserer  Landwirtschaft
  mit  Nachdruck  und  allem  Eifer  zu  fördern.

(Bravol)

Ich  habe,  meine  Herren,  gleichzcitig  erklärt,  daß  ich  eine  angemessene
  Erhöhung  der  landwirtschaftlichen  Zölle  für
unbedingt  geboten  erachte.

(Lebhaftes  Bravo.)

Die  Königliche  Staatsregierung  wird  bei  der  Vorbereitung  der  Zolltarifvorlage

  an  diesem  von  mir  dargelegten  Gesichtspunkte  festhalten.
Lebhaftes  Bravo.)

In  namentlicher  Abstimmung  wurde  die  Resolution  mit  104  gegen  28  Stimmen
angenommen.

45.  Eisenbahn  von  Dar-es-Saläm  nach  Mrogoro.
Sitzung  des  Reichstages  vom  24.  April  1901.

Auf  der  Tagesordnung  steht  die  erste  Beratung  des  Gesetzentwurfes  betreffend
die  Uebernahme  einer  Garantie  des  Reiches  für  eine  Eisenbahn  von  Dar-es-Saläm
nach  Mrogoro.  Danach  soll  der  für  den  Ban  und  den  Betrieb  dieser  Eisenbahn  zu
bildenden  Ostasrikanischen  Eisenbahngesellschaft,  bezw.  den  Anteilsbesitzern,  das  Reich
solgendes  garantieren:  1.  Die  Verzinsung  eines  in  diesem  Unternehmen  anzulegenden
Kapitals  von  höchstens  21  Millionen  Mark  mit  drei  Prozent  vom  Tage  der  Einzahlung
an;  2.  die  Zahlung  des  um  20  Prozent  erhöhten  Nennbetrages  der  jeweilig  gelosten
Anteilscheine.

Reichskanzler  Graf  von  Bülowt:

Meine  Herren,  ich  habe  das  Wort  nur  zu  einigen  kurzen  Ausführungen
  erbeten.

Indem  die  verbündeten  Regierungen  die  Zustimmung  dieses  hohen
Hauses  zu  dem  vorliegenden  Gesetzentwurf  erbitten,  gehen  sie  dabei  von
der  Voraussetzung,  gehen  sie  von  der  Ansicht  aus,  daß  die  Frage,  ob
die  Eisenbahn  von  Dar-es-Saläm  nach  Mrogoro  auf  Reichskosten  gebaut
werden  soll,  oder  mit  Hülfe  von  Privatkapital,  erst  in  zweiter  Linie  steht,
und  daß  es  heute  einzig  und  allein  darauf  ankommt,  daß  die  Bahn  überhaupt
  gebant  wird,  und  daß  der  Anfang  damit  um  kein  weiteres  Jahr

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  10.  Leg.-Per.,  II.  Session,  81.  Sitzung,  S.  2331  f.