thumbs : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

50  10.  Handelsbeziehungen  zu  den  Vereinigten  Staaten.

hat,  darauf  hingewiesen  werden,  daß  wirtschaftliche  Reibungen  zwischen
dem  deutschen  und  amerikanischen  Volk  nicht  dem  richtig  verstandenen
ökonomischen  Interesse  des  amerikanischen  Volkes  entsprechen,  und  daß
auch  auf  wirtschaftlichem  Gebiete  das  Wort  gilt:  wenn  dn  nehmen
willst,  so  gib!

(Bravo!  rechts  und  in  der  Mitte.)

Wir  sind  ferner  mit  Amerika  verbunden  durch  Millionen  dentscher
Landsleute,  die  jenseits  des  Ozeans  eine  zweite  Heimat  gefunden  haben,
welche  dieser  Heimat  treu  anhängen  und  dabei  doch  ihr  Mutterland  nicht
vergessen,  und  unter  denen  sich  Männer  befinden,  auf  welche  beide  Länder
gleich  stolz  sein  können.  Und  auch  die  alten  geistigen  Beziehnngen  zwischen
Deutschland  und  Amerika  möchte  ich  nicht  vergessen,  die  geistigen  Fäden,
die  seit  langem  von  Deutschland  nach  Amerika  und  von  dort  zu  uns
herüberführen:  den  regen  und  in  vieler  Beziehnng  fruchtbaren  literarischen
und  wissenschaftlichen  Gedankenaustausch.s)  Alle  diese  Bande  wollen  wir
nicht  zerreißen  lassen  und  werden  wir,  soweit  an  uns  liegt.  nicht  zerreißen
  lassen.  Die  deutsche  Politik  wird  die  gerade  Straße,  welche  ihr
das  nationale  Interesse  und  die  nationale  Würde  vorzeichnen,  auch  in
Zukunft  verfolgen,  ohne  Provokation  und  ohne  Schwäche.

(Bravol)

Der  Herr  Vorredner  hat  soeben  an  die  Einmütigkeit  dieses  hohen

Hauses  appelliert.  Ich  bin  gewiß,  daß  ich  mich  in  Uebereinstimmung  mit

—

8)  Auch  diesen  Punkt  berührte  der  amerikanische  Botschafter  Mr.  White  in  der
oben  erwähnten  Leipziger  Rede.  Er  sagte:  „Und  hier,  in  der  alten  und  geehrten
Universitätsstadt,  mag  ich  eines  anderen  Bandes  gedenken,  daß  die  wirklichen  Führer
Deutschlands  anzuerkennen  nicht  verfehlen  können.  Während  wir  in  Großbritannien
das  Mutterland  der  großen  Mehrheit  unseres  Volkes  anerkennen  und  während  im
Laufe  des  gegenwärtigen  Kampfes,  wie  nie  zuvor  in  unserer  Geschichte,  Großbritannien
und  die  Vereinigten  Staaten  sich  genähert  haben,  können  wir  wohl  in  Deutschland  ein
zweites  „Mutterland“  erkennen,  ein  solches,  mit  dem  unser  eigenes  Land  stets  in  der
wärmsten  Allianz  bleiben  sollte;  dem  von  den  Universitäten  und  den  hohen  Lehrinstituten
  Deutschlands  sind  zu  uns  viel  mehr  als  von  irgend  einem  anderen  Lande
gekommen  und  kommen  noch  Einflüsse,  nach  denen  der  höhere  Unterricht  in  den  Vereinigten
  Staaten  gebildet  worden  ist  und  gebildet  wird.  In  fast  jedem  College  oder
Universität  von  einiger  Bedeutung  in  den  Vereinigten  Staaten  sind  die  leitenden  Personen
Studenten  in  Dentschland  gewesen,  und  sie  haben  feste  und  dauerhafte  Bande  mit  den
Lehrkörpern  dieser  großen  deutschen  Lehrinstitute  geknüpft.  Jedem  deutschen  Professor,
der  nach  den  Vereinigten  Staaten  geht,  wird  überall  ein  herzlicher  Willkomm  seitens
seiner  alten  Studenten  zu  teil.  Deutsche  Literatur,  in  der  Tat  deutsche  Gedankenarbeit
auf  allen  Gebieten,  ist  ein  starkes  intellektuelles,  moralisches  und  geistiges  Band
zwischen  beiden  Ländern  geworden."