322 L. S. Whitman.
Telegramme aus London oder Paris daran erinnert werden, daß die Außerungen
bestimmter zeitungschreibender Professoren im Ernst als Refler
der ehrgeizigen Absichten der deutschen Regierung und der in einer noch
höheren Sphäre geltenden Anschauungen genommen werden. Das englische
Volk kann sich kaum vorstellen, wie wenig Aufmerksamkeit diesen Ergüssen
in Deutschland geschenkt wird. Judem Fürst Bülow einen wohl bekannten
Namen naunte, versicherte er, daß er von dem, was dieser schreibe, alle
halbe Jahre etwas sehe.
Unter den angeblich mehr oder weniger vorangeschrittenen Absichten
der deutschen Regierung sind die auf die Benntzung der panislamitischen
Bewegung durch die Bagdadbahn, die Teilung von Marokko und die von
Brasilien, die Aufteilung von China und die Annerion von Syrien und
Anatolien (so in dem Artikel aufgezählt). Dazu bemerkte Fürst Bülow,
daß der Autor offensichtlich vergessen habe, den Mond zu den gleichfalls
beanspruchten Gebieten hinzuzufügen.
Was die deutschen Absichten auf Annexion eines Teils von Osterreich
anbetrifft, so ist die beste Autwort darauf immer noch die bekannte Bemerkung
Bismarcks, die noch heute gilt, daß ein deutscher Minister, der vorschlüge,
auch nur einen Fuß breit österreichischen Gebiets zu annektieren, verdiente
gehängt zu werden. Einer der anerkannten Ecksteine der deutschen Politif
ist lange das Bündnis und die ehrliche Freundschaft mit Osterreich gewesen.
Ebenda ist erwähnt eine deutsche Intrigue in Agypten. Mit Bezug
darauf versicherte mir Fürst Bülow, daß die deutsche Regierung auch
nicht in einem Falle verfehlt habe, die englischen Absichten in Agypten
zu unterstützen, wenn sie dazu aufgefordert wurde. Und zur Bestätigung
dessen hat der verstorbene Sir William Vernon Harcourt vor einigen
Jahren im Gespräch mit dem Grafen Herbert Bismarck ausdrücklich Englands
Verpflichtung gegen den Fürsten Bismarck anerkannt für dessen loyale
Unterstützung der englischen Politik in Agypten, sobald nur England die
Zügel der Regierung im Niltal ergriffen hatte — eine Tatsache, die dann
durch das unabhängige Zeugnis des Königs von Rumänien bestätigt
worden ist.
Die Behauptung, daß Fürst Bülows patriotische Mehrheit wahrscheinlich
die nächsten Wahlen nicht überdauern würde, entlockte ihm ein Lächeln.
Er sagte bloß: „Wir werden ja sehen". Es würde zu weit führen, wenn
ich bis zu Ende jeden Satz des „Quarterly Review“-Artikels anführen
wollte, den Fürst Bülow mit Blaustift-Frage= und Ausrufungszeichen
markiert hatte. Denn es sind gerade 125. Ich will nur noch eine Schlußbemerkung
angeben, die auf dem Rand der letzten Seite steht, mit seinen